Schlecker-Insolvenz Die Letzte macht das Licht aus

Mehr als 11.000 Schlecker-Angestellte werden ins Ungewisse entlassen: Ihre Filialen hatten an diesem Samstag zum letzten Mal geöffnet. Eine endgültige Einigung der Länder zur Gründung einer Auffanggesellschaft steht noch aus.

Letzter Arbeitstag für Tausende Mitarbeiter: Schlecker-Filiale in Köln
dapd

Letzter Arbeitstag für Tausende Mitarbeiter: Schlecker-Filiale in Köln


Köln/Hamburg - Es ist der letzte Akt für Maria Inan: Um 18 Uhr schließt die Filialleiterin die Tür des Schlecker-Marktes in der Kölner Innenstadt ab. Sieben Jahre lang arbeitete sie für Schlecker - "die Kolleginnen und auch so mancher Kunde sind mir ans Herz gewachsen", sagt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern.

Insgesamt 2200 Geschäfte des insolventen Schlecker-Konzerns öffneten in dieser Woche zum letzen Mal. Maria Inan ist eine von den 11.200 Angestellten, die ihren Arbeitsplatz verlieren werden. 9500 erwartet unmittelbar die Kündigung, weitere Mitarbeiter aus den Warenlagern werden im April entlassen.

Die Schlecker-Angestellten sollen in einer sogenannten Transfergesellschaft aufgefangen werden. Allerdings ist noch immer nicht geklärt, wer für den 70 Millionen Euro-Kredit Bürgen soll, der für die Gründung der Gesellschaft notwendig ist. Der Bund hatte angeboten, den Kredit über die staatliche Förderbank KfW abzuwickeln - will sich jedoch nicht an der Haftung beteiligen.

Noch immer keine Einigung der Länder zu Transfergesellschaft

Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) erhöhte am Samstag den Druck auf die anderen Bundesländer. Er forderte im "Deutschlandradio Kultur" politisch verlässliche Erklärungen, dass die Länder für die Finanzierung der Gesellschaften bürgen. Sobald die Zusagen vorlägen, könne Baden-Württemberg in Vorleistung gehen - eine Sitzung des Finanz- und Wirtschaftsausschuss des Landtags ist für kommenden Mittwoch angesetzt.

Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) appellierte an die Bundesländer, dem Schlecker-Personal zu helfen. "Hier geht es nicht um die Rettung eines angeschlagenen Konzerns, sondern darum, die Mitarbeiterinnen nicht fallen zu lassen", sagte sie "Welt Online". Sie versicherte noch einmal: "Die Kreditanstalt für Wiederaufbau beim Bund würde einen Kredit geben, wenn die Länder für diesen bürgen."

Die Transfergesellschaft soll den entlassenen Beschäftigten dabei helfen, möglichst schnell einen neuen Job zu finden. Die Betroffenen schließen mit der Gesellschaft einen Arbeitsvertrag für höchstens ein Jahr. Während dieser Zeit bezahlt die Arbeitsagentur das "Transferkurzarbeitergeld" von 60 Prozent des vorherigen Nettoentgelts für Arbeitnehmer ohne Kind und 67 Prozent für solche mit mindestens einem Kind.

"Bis Ende des Monats müssen die Beschäftigten entscheiden, ob sie in eine Transfergesellschaft gehen oder in die Arbeitslosigkeit", sagte Ver.di-Funktionär Jörg Lauenroth. Eine Übernahme in die Transfergesellschaft ist nur möglich, wenn die Betroffenen die Kündigung nicht anfechten.

Diese wird das Schlecker-Personal wohl auch erst gegen Ende der kommenden Woche erhalten: Ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters hatte angekündigt, die Entscheidung in Baden-Württemberg abzuwarten.

usp/dpa/dapd/AFP



insgesamt 40 Beiträge
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ladywanda, 24.03.2012
1. Zweierlei Mass...
als es darum ging, einen Rettungsschirm für die unfähige Regierung von Griechenland aufzuspannen oder die notleidenden Banken mit Milliardenbeträgen zu unterstützen, waren unsere Politiker nicht so zögerlich. Aber hier handelt es sich ja nur um Verkäuferinnen. Um Frauen die im Billiglohnsektor arbeiten. Und DIE sind natürlich nicht systemrelevant...
sailormoon- 24.03.2012
2. immer nur die Grossen
Warum wird denn immer nur den Grossen geholfen?? Wie ist es denn mit den Angestellten der vielen Kleinunternehmen oder Mittelstaendlern die in die Insolvenz gehen. Dort gibt es wie bei Schlecker viele Schicksale, die aber Aufgrund der geringen Aufmerksamkeit kaum jemanden interessiert. In unserer Solidargemeinschaft gilt doch : Gleiches Recht fuer alle, also bitte keine Sonderregelungen fuer die Schlecker Mitarbeiter, oder diese Sonderrechte fuer alle angehenden Arbeitslosen.
SilverTi 25.03.2012
3. Kurzarbeitergeld?
Zitat von sysopdapdMehr als 11.000 Schlecker-Angestellte werden ins Ungewisse entlassen: Ihre Filialen hatten an diesem Samstag zum letzten Mal geöffnet. Eine endgültige Einigung der Länder zur Gründung einer Auffanggesellschaft steht noch aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,823551,00.html
Kurzarbeitergeld - vielleicht klingt das erstmal nett, aber die dicke Rechnung kommt dann mit der Steuererklärung nächstes Jahr, wenn dann die Steuer auf den Progressionsvorbehalt geleistet werden muss ... Lohnt sich da nicht schon eher, ALG 1 in Anspruch zu nehmen - da werden auch "nur" 67% des vorherigen Einkommens gezahlt...
hubertrudnick1 25.03.2012
4. Rettungsschirm
Zitat von ladywandaals es darum ging, einen Rettungsschirm für die unfähige Regierung von Griechenland aufzuspannen oder die notleidenden Banken mit Milliardenbeträgen zu unterstützen, waren unsere Politiker nicht so zögerlich. Aber hier handelt es sich ja nur um Verkäuferinnen. Um Frauen die im Billiglohnsektor arbeiten. Und DIE sind natürlich nicht systemrelevant...
Ich bin grundsätzlich gegen diese Arten von Rettungsschirme, die Pleite von Schlecker ist doch nur ein ganz normaler Vorgang im System des Kapitalismus. Es waren keine außergewöhnlichen Ereignisse die zur Pleite führten, es war die Gier und Unfähigkeit der Unternehmerfamilie. In solchen Fällen werden die betroffenen Mitarbeiter wie alle anderen arbeitslosgewordenen Deutschen vom Amt für Arbeit übernommen, wenn sie Pech haben, dann landen sie in der HartzIV Gruppe, aber da müssen doch andere auch immer mit rechnen. Ich lehne eine Sonderbehandlung ab, oder sonst sollte man all die anderen auch mit einbeziehen. Hier bei Schlecker zeigen sich die hochgeehrten Leute der deutschen Wirtschaftselite was sie wirklich drauf haben. HR
politikverdrossenheit 25.03.2012
5. es muß mal in aller
Zitat von sysopdapdMehr als 11.000 Schlecker-Angestellte werden ins Ungewisse entlassen: Ihre Filialen hatten an diesem Samstag zum letzten Mal geöffnet. Eine endgültige Einigung der Länder zur Gründung einer Auffanggesellschaft steht noch aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,823551,00.html
deutlichkeit gesagt werden.die politik hat sich gefälligst aus der privaten marktwirtschaft heraus zu halten. es ist nicht die schuld der regierung das schlecker pleite ging. das lag nach meiner meinung an der verkehrten martstrategie von schlecker in jedem dorf oder stadtteil eine filiale zu eröffnen.und wenn hier immer von 11000 angestellten gesprochen so muß mal klargestellt werden wieviele vollzeitbeschäftigte davon sind.2/3 sind teilzeit oder minijops.die leute die minijobs innehatten werden in der regel auch solche in anderen firmen finden denn da ist das angebot riesig.ein großteil der anderen jops wird werden mit sicherheit durch andere firmen aufgefangen.denn irgendjemand wird letztendlich eine teil der filialen übernehmen.das war bei anderen pleiten in der größenordnung auch immer der fall. hier wird wieder von politik und gewerkschaften nur panik verbreitet auf kosten der entlassenen. wohlwissend das man auf deren wählerstimme hoffen kann.
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