Nach Ärger über Wirecard-Verbindung IT-Sicherheitsfirma Virtual Solution wird verkauft

Virtual Solution schützt die Kommunikation von Bundesbehörden und Ministerien. Nun wurde das Unternehmen verkauft. Die IT-Firma ist umstritten: Der bisherige Eigentümer soll Kontakt zum früheren Wirecard-Vorstand Jan Marsalek gehabt haben.
Software SecurePIM: Die »einzige plattformübergreifende Lösung dieser Art« (Symbolbild)

Software SecurePIM: Die »einzige plattformübergreifende Lösung dieser Art« (Symbolbild)

Foto: Yuichiro Chino / Getty Images

Der Investor Nicolaus von Rintelen hat die Sicherheitsfirma Virtual Solution verkauft. Das teilte der Käufer, die Materna-Gruppe mit Sitz in Dortmund, mit. Virtual Solution schützt die mobile Kommunikation von rund 40 Bundesbehörden, unter denen auch das Innenministerium und das Auswärtige Amt sind.

»Die Bereitstellung einer sicheren mobilen Arbeitsumgebung ist für die digitale Souveränität Deutschlands eine zentrale Voraussetzung«, heißt es in einer Pressemitteilung der Materna-Gruppe. »Zugleich nimmt die Bedrohungslage durch Cyberattacken weiter deutlich zu.« Die Software SecurePIM des Unternehmens könne die Kommunikation auf mobilen Endgeräten unabhängig vom Betriebssystem des Geräts verschlüsseln und sei dabei mit der Datenschutz-Grundverordnung vereinbar. Die Materna-Gruppe nennt das Programm die »bislang einzige plattformübergreifende Lösung dieser Art«.

Der Eigentümer soll Verbindungen zu Jan Marsalek gepflegt haben

Bislang hatte das Unternehmen dem Investor Nicolaus von Rintelen gehört, der offenbar bis kurz vor dessen Verschwinden Kontakt zum früheren Wirecard-Vorstand Jan Marsalek und dessen engem Umfeld hatte. Rintelen bestreitet diese Nähe.

Das Unternehmen beschäftigt rund 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, für die sich laut der Materna-Gruppe nichts ändere. Chef der Aktiengesellschaft soll weiterhin Sascha Wellershoff bleiben.

Die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der Virtual Solution AG war nicht unumstritten. Im Dezember 2021 hatte das Innenministerium angekündigt, die Zusammenarbeit zu überprüfen. Eventuell würde man die Kooperation vor Ende der Laufzeit der Verträge einstellen, hieß es damals. Zwar hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik die Produkte der Firma mit den höchsten Sicherheitsstufen zertifiziert. Dennoch habe man »punktuell eine Überprüfung der Zusammenarbeit eingeleitet und im Rahmen behördenspezifischer Abwägungen punktuell entschieden, eine Verkürzung der Zusammenarbeit mit Virtual Solution anzustreben«.

Der Ankündigung des Innenministeriums war eine Anfrage des Linkenabgeordneten Victor Perli vorausgegangen. Zu den Gründen der Überprüfung wollte sich das Ministerium nicht äußern. »Offenbar wird der Bundesregierung die dubiose Cyberfirma jetzt unangenehm«, schlussfolgerte damals Fabio De Masi, der Linken-Obmann im Wirecard-Untersuchungs­ausschuss war.

Virtual Solution hatte im Herbst 2018 über eine Zusammenarbeit mit Wirecard verhandelt, die Kooperation kam jedoch nicht zustande. In den Jahren danach machte Eigentümer Rintelen jedoch Geschäfte mit einem engen Vertrauten Marsaleks und soll den mutmaßlichen Drahtzieher des Wirecard-Skandals noch wenige Wochen vor dessen Verschwinden im Zürcher Luxushotel Dolder Grand getroffen haben. Er bestreitet das.

Die »Wirtschaftswoche« hatte den Chef  der Materna-Gruppe zu der Verbindung von Virtual Solution zu Wirecard befragt. Martin Wibbe sagte dazu, dies habe »keine Rolle gespielt. Wir haben das zur Kenntnis genommen, es hat uns aber nicht von unserer Entscheidung abgehalten.«

jlk