Filialzusammenlegung im Taunus Die Volks-Sparkasse
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Foto: picture alliance / Marijan MuratKommenden Dienstag ist es so weit: Dann werden die Volksbank Frankfurt und die Taunus Sparkasse im hessischen Sulzbach ihre erste gemeinschaftlich betriebene Filiale vorstellen. Mancherorts kooperieren die beiden Geldhäuser in der Gegend schon, jetzt aber soll ihre Zusammenarbeit über das gesamte Einzugsgebiet ausgerollt werden. An ungefähr 50 Standorten überschneiden sich Volksbank und Sparkasse in Hessen mit ihren Filialen.
Geplant ist, dass die Kunden beider Banken künftig nur noch eine Filiale aufsuchen, in der sie von Mitarbeitern bedient werden. Nach SPIEGEL-Informationen ist geplant, die Gemeinschaftsfiliale an vier von fünf Wochentagen zu öffnen; an zwei Tagen werden nur Sparkassen-Kunden persönlich betreut, an den anderen beiden nur Volksbank-Kunden. Basisdienstleistungen wie etwa Geldabheben sollen aber durchgehend für alle über Automaten angeboten werden.
In die Filialumgestaltung werden einmalig fünf Millionen Euro investiert. Dafür sparen die Institute jeweils jährlich in einstelliger Millionenhöhe - weil Filialen geschlossen werden und weil offene Stellen mit Filialmitarbeitern besetzt werden sollen, die an anderer Stelle nicht mehr benötigt werden, anstatt von außen für mehr Geld neue zu rekrutieren.
Das Konzept wird Schule machen
Die ungewöhnliche Zusammenarbeit beider Banken, die Konkurrenten im Kampf um private und gewerbliche Kunden sind, wird Schule machen, weit über den Taunus-Kreis hinaus - das ist relativ sicher. Denn Sparkassen, Volksbanken und private Institute wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank leiden, jedenfalls ganz überwiegend, alle unter den gleichen Phänomenen: steigende Kosten, sinkende Erträge und die Unlust vieler Kunden, noch persönlich in der Filiale zu erscheinen. Die meisten Bankdienstleistungen lassen sich schließlich bequem per Computer oder Handy erledigen.
Deutschland ist mit 1783 Banken und 27.887 Zweigstellen per Jahresende 2018 noch immer "overbanked". Dabei bauen die Institute über alle drei Säulen des Finanzgewerbes hinweg - also Privat-, Genossenschaftsbanken und Sparkassen - in Hessen schon seit Jahren ihr Filialnetz zurück oder versuchen sich an neuen Konzepten, um die immer weniger werdenden Kunden in kleinen Shops zu bedienen, die zuweilen den Charakter eines Cafés haben.
Die Commerzbank etwa setzt seit einiger Zeit auf kleine City-Filialen in Backsteinoptik und mit Tresen, an denen die Kunden bedient werden. Zugleich wird die immer noch teilstaatliche Bank Ende September höchstwahrscheinlich verkünden, Hunderte ihrer immer noch tausend Filialen abzubauen.
Gleiches gilt für die Deutsche Bank: Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, könnte das angeschlagene Institut weitere 200 Zweigstellen schließen. Zuletzt hatte die Deutsche Bank 535 Zweigstellen, 188 wurden in den vergangenen Jahren geschlossen.
Die Deutsche-Bank-Tochter Postbank betreibt noch 850 eigene Filialen, wird aber auch bluten müssen: Nach SPIEGEL-Informationen wird das Management den für Ende 2020 geplanten Umzug der Bonner Postbank-Zentrale in das brandneue Stadtquartier "Neuer Kanzlerplatz" abblasen, obwohl die Mietverträge an den aktuellen Standorten auslaufen. Dabei sollte das neue Gebäude eigentlich speziell auf die Bedürfnisse der rund 3000 Postbank-Mitarbeiter zugeschnitten sein, die bislang auf neun Gebäude in Bonn verteilt sind.