Abgasaffäre VW muss Tausende Lösungen für manipulierte Diesel finden

Die Aufarbeitung der Abgasaffäre wird für VW mühsam. Der Konzern muss bis zu zehntausend Lösungen ausarbeiten, um bei den manipulierten Dieselfahrzeugen nachzubessern.
VW-Luxuslimousine "Phaeton": Komplizierte Detailarbeit

VW-Luxuslimousine "Phaeton": Komplizierte Detailarbeit

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

Der Volkswagen-Konzern   steht im Abgas-Skandal vor monatelanger Detailarbeit. Für die Nachbesserung der manipulierten Dieselfahrzeuge müssten bis zu Zehntausend verschiedene Lösungen ausgearbeitet werden, hieß es gegenüber SPIEGEL ONLINE aus Konzernkreisen.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur dpa berichtet, die enorme Zahl der Lösungen sei nötig, da verschiedene Motorvarianten betroffen seien. Die Aggregate unterscheiden sich nicht nur in den Hubräumen (2,0 sowie 1,6 und 1,2 Liter), sondern auch in ihrer Auslegung auf verschiedene Getriebe (Automatik, 5- oder 6-Gang), unterschiedliche Marken (etwa Volkswagen-Pkw, Seat, Skoda oder Audi), unterschiedliche Modelljahre oder auf die unterschiedlichen Zielmärkte weltweit.

Der Konzern hatte Mitte Oktober erklärt, "mit Hochdruck" an den technischen Lösungen zu arbeiten. Ab Januar 2016 soll laut Plan mit den Nachbesserungen begonnen werden.

Die Auswirkungen des Skandals scheinen für Volkswagen in Europa äußerst unterschiedlich zu sein. In Deutschland soll die Zahl der Bestellungen für Dieselfahrzeuge zuletzt sogar gewachsen sein, hieß es aus Konzernkreisen. In Großbritannien seien die Bestellungen dagegen gesunken. Unter dem Strich schlage der Skandal aber bislang nicht aufs Geschäft durch.

VW-Finanztochter hat eine Million Rückruf-Diesel in ihrer Bilanz

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen dürfte auch die Bilanz der Konzern-Finanztochter belasten. Im Portfolio der Volkswagen-Financial-Services AG finden sich bis zu eine Million der von der Rückrufaktion betroffenen Diesel-Autos. Das geht aus einem Brief der Finanztochter an Geschäftspartner vom Dienstag hervor.

Für die VW-Bank könnte das teure Folgen haben, denn der Skandal schmälert möglicherweise den Wert dieser Fahrzeuge, die VW etwa am Ende der Leasinglaufzeit wieder zurücknehmen muss. Den Angaben zufolge ist die Finanztochter mit 400.000 Fahrzeugen vor allem in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien aktiv. Bei 600.000 Autos ist die Finanztochter indirekt betroffen - etwa, weil sie VW-Autohäuser finanziert, bei denen die Wagen als Leasingrückläufer landen werden.

Die VW-Finanztochter betont in dem Schreiben allerdings, dass sie 2015 "ein substanziell positives Ergebnis" zur Konzernbilanz beisteuern werde. Zudem sei bereits mit der VW-Konzernmutter ausgehandelt, dass sie und nicht die Bank die finanziellen Folgen der Diesel-Rückrufe übernähme.

"VW sollte in den USA nur noch Elektroautos bauen"

In den USA sorgt derweil ein Tesla-Investor mit einem ungewöhnlichen Vorschlag für Aufmerksamkeit. "Statt Milliarden an Strafen zu zahlen, sollte VW lieber verpflichtet werden, in fünf Jahren nur noch Elektroautos in den USA zu verkaufen", sagt Ion Yadigaroglu dem "Handelsblatt".

"Derzeit ist die Rede von Strafen in Höhe von zehn Milliarden Dollar", sagte Yadigaroglu weiter. "Mit dem Geld könnte VW gut eine Batteriefabrik oder zwei bauen und Arbeitsplätze schaffen." Außerdem sollten die US-Behörden dem Wolfsburger Konzern auferlegen, Ladestationen an den Autobahnen aufzustellen. "Dann hätten wir das Transportsystem in diesem Land deutlich verbessert."

Yadigaroglu leitet die Capricorn Investment Group, die sich auf nachhaltige Investments spezialisiert und unter anderem das Vermögen des Philanthropen und früheren Ebay-Mitarbeiters Jeff Skoll verwaltet. Capricorn ist nach eigenen Angaben einer der größten Clean-Tech-Investoren und ist besonders bei neuen Batterie-Technologien für Elektroautos engagiert.

Yadigaroglu selbst räumt seinem Vorschlag nicht besonders hohe Chancen ein. Doch er ist dabei, eine Gruppe von Investoren und Geschäftsleuten hinter sich zu vereinen, und bei der kalifornischen Regulierungsbehörde CARB für die Idee zu werben.


Zusammengefasst: Auf den Volkswagen-Konzern kommt wegen der Abgasaffäre viel Arbeit zu: Für die Nachbesserung manipulierter Dieselfahrzeuge müssten bis zu Zehntausend verschiedene Lösungen ausgearbeitet werden, heißt es aus dem Unternehmen. Auf die Verkaufszahlen schlägt sich der Skandal aber noch nicht durch: In Deutschland soll die Zahl der Bestellungen für Dieselfahrzeuge zuletzt sogar gewachsen sein, in Großbritannien sind die Bestellungen offenbar gesunken.

ssu/dpa
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