Abgasaffäre in den USA Angeklagter VW-Manager bestreitet Vorwürfe

Im schlimmsten Fall drohen ihm 169 Jahre Haft: Ein VW-Manager ist in den USA wegen angeblicher Beteiligung an der Abgasaffäre angeklagt. Sein Anwalt plädierte nun auf unschuldig.

US-Flagge bei VW-Autohaus in Kalifornien
REUTERS

US-Flagge bei VW-Autohaus in Kalifornien


Der in den USA wegen angeblicher Beteiligung am Abgasskandal angeklagte Volkswagen-Manager hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Bei einer Gerichtsanhörung in Detroit plädierte der Anwalt des Deutschen, dem im schlimmsten Fall 169 Jahre Haft drohen, am Donnerstag auf unschuldig. Der 48-Jährige war im Januar in Florida vom FBI festgenommen wurden. Er war bei VW bis März 2015 in leitender Funktion mit Umweltfragen in den USA betraut.

Dem Mann, dem in Detroit der Prozess gemacht werden soll, wird insbesondere der Versuch vorgeworfen, Abgas-Manipulationen zu vertuschen und Ermittler in die Irre zu führen. Die 39-seitige Klageschrift umfasst etliche Anschuldigungen von bewussten Falschaussagen bis hin zur Vernichtung von Beweismitteln. Vor Gericht erschien der langjährige VW-Mitarbeiter laut Augenzeugen in roter Gefangenenkleidung und schwieg während der gesamten Anhörung.

Sein Anwalt kündigte einen neuen Versuch an, seinen Mandanten gegen Kaution auf freien Fuß zu bekommen. Ein entsprechender Antrag war bereits im Januar von einem Gericht in Miami abgelehnt worden. Zudem forderte er die Verlegung des Angeklagten in ein anderes Gefängnis sowie eine Lesebrille und Medikamente. Als nächstes soll der Mann dem zuständigen Richter Sean Cox vorgeführt werden. Ein Termin dafür sei aber noch nicht angesetzt worden, sagte ein Gerichtssprecher.

Der Mann ist eine von sechs amtierenden und ehemaligen VW-Führungskräften, die die US-Justiz in der Dieselaffäre strafrechtlich belangen will. Die Mitarbeiter sind allerdings eher dem mittleren Management oder der zweiten Reihe als der Konzernspitze zuzurechnen. Auf die anderen Angeklagten haben die Fahnder kaum Zugriff, da sie sich in Deutschland aufhalten dürften und ihnen keine Auslieferung droht. Die Manager werden beschuldigt, Teil einer Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze gewesen zu sein.

VW hat sich im US-Strafverfahren bereits auf Konzernebene schuldig bekannt, kriminelle Handlungen zugegeben, und einem 4,3 Milliarden Dollar teuren Vergleich mit dem US-Justizministerium zugestimmt. Die Einigung muss aber noch von Richter Cox genehmigt werden. Insgesamt hat VW in den USA und Kanada schon Vergleiche über rund 24 Milliarden Dollar akzeptiert. Der Konzern hatte im September 2015 eingeräumt, in großem Stil Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert zu haben.

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steinbock8 24.02.2017
1. Amerika
macht das zu was die deutsche Regierung mitsamt Verkehrsminister nicht willig ist Betrug zu bestrafen die aus dem kriminellen verhalten erzielten Gewinne gehen komplett drauf einen Teil der Lasten tragen die Kunden die Mitarbeiter und der Steuerzahler da ist die Bestrafung der Akteure nur recht und billig da die Geheimdienste mit im Boot sitzen werden die Manager mit nicht schuldig wohl nicht durch kommen
naeggha 24.02.2017
2. zwiespältig
wenn jemand wegen eines Tötungsdeliktes so lange verurteilt wird, okay. Bei dem Abgasbetrug bleibt abzuwarten, wie viel der Mann wirklich wusste. Ich habe aus dem Bekanntenkreis gehört, um wen es sich handelt und dass es sich um einen anständigen Menschen handeln soll. Meine Meinung dazu ist folgende. Sollte er die Tragweite des Betrugs abgeschätzt haben können, dann gehört er lange hinter Gittern. Nicht nur wegen dem Skandal, sondern auch, weil er mitgemacht hat und tausende Menschen in VW-Umgebung nun um ihre Jobs fürchten müssen und teilweise nicht wissen, wie es weiter geht. Wenn er das nicht abgesehen hat, müssen die Leute dran glauben, die das konnten. Schwach von VW finde ich, dass man offenbar weiterhin nichts tut, um den Sachverhalt lückenlos aufzuklären! Meine Autos werden aus diesem Grund keine Volkswagen.
pepe1955 24.02.2017
3. 24 Milliarden, da war doch was ...
Diesen Betrag hat VW im Zuge von Vergleichen (allein in den USA?) verloren. Der gleiche Betrag, den Schäuble im letzten Jahr als Überschuss vermeldet. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Was die gesamte Bundesrepublik als Rekordüberschuss erwirtschaftet, das hat diese verbrecherische Gang rund um Winterkorn mal eben so verzockt. Und die Vergleiche werden auch noch als Erfolg der juristischen Aufarbeitung des Schlamassels gefeiert. Und Winterkorn sitz immer noch in seiner Villa und erfreut sich des Anblicks seiner Koi-Karpfen. Einfach ekelhaft!
pepe1955 24.02.2017
4. wie wirken sich 24 Milliarden auf die Steuerlast von VW aus?
Kann mal einer erklären, wieviel Geld der Steuerzahler durch die Strafzahlungen verliert bzw. indirekt mitfinanziert?
iman.kant 24.02.2017
5. Schon aus dem Grund einer
eventuellen Gefangennahme von VW Managern in Amerika erfordert den Austausch des gesamten VW-Vorstandes. Was soll ich mit einer Fünrungsgruppe der ich Millionen zahle die aber mit solchen Einschränkungen ein Unternehmen führen soll. In diesem Wirtschaftsprozess kann ein Aufsichtsrat solch einen belasteten Vorstand nicht bestätigen.
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