Abgasaffäre VW-Aufsichtsrat wirft Managern kriminelles Verhalten vor

In der VW-Affäre um manipulierte Abgaswerte beginnen die Schuldzuweisungen. Der niedersächsische Wirtschaftsminister und Konzernaufsichtsrat Olaf Lies keilt gegen die verantwortlichen Manager. Doch wer sind diese überhaupt?
VW-Werk in Wolfsburg: Wo fielen die wichtigen Entscheidungen?

VW-Werk in Wolfsburg: Wo fielen die wichtigen Entscheidungen?

Foto: Carsten Koall/ Getty Images

Der Ton in der VW-Abgasaffäre verschärft sich. Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies hat den Verantwortlichen für die Manipulationen kriminelles Vorgehen vorgeworfen. Diejenigen, die den Einsatz der Software beschlossen hätten, hätten kriminell gehandelt und müssten dafür persönlich Verantwortung übernehmen, sagte Lies am Dienstag dem britischen Rundfunk BBC. Millionen Menschen hätten das Vertrauen in VW verloren, der Schaden sei gewaltig. Es werde mit Sicherheit viele Schadensersatzklagen geben.

Der Rückruf zur Beseitigung der Software müsse nun sehr schnell erfolgen, sagte Lies. Von deren Einsatz habe der Aufsichtsrat des Konzerns erst kurz vor dem Bekanntwerden des Skandals vor knapp zwei Wochen erfahren. Deshalb müsse nun auch geklärt werden, warum das Kontrollgremium nicht früher informiert worden sei.

VW hat Autos mit einer Software ausgestattet, die Abgaswerte manipulierte. Damit wurden Tests bestanden und der Diesel wirkte umweltfreundlicher. Nach Firmenangaben sind bis zu elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Am Dienstag hatte der Konzern einen ersten Plan vorgelegt, um die Probleme an den betroffenen Autos zu beheben. Das in Deutschland zuständige Kraftfahrtbundesamt hat dem Konzern hierfür eine Frist bis zum 7. Oktober gesetzt.

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Abgasskandal: Wolfsburg - abhängig von VW

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Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat bereits Strafermittlungen gegen den zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt prüft derzeit, ob sie auch ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche bei der VW-Tochter Audi eröffnen wird.

Entkommt Volkswagen einer Strafe in den USA?

Auch konzernintern wird ermittelt. Drei Top-Manager wurden bereits beurlaubt. Die Spitzen des VW-Aufsichtsrats wollen am Mittwoch über weitere Ergebnisse beraten. Im Vorfeld der Sitzung ließen Konzernkreise bereits durchsickern, dass die Entscheidung zum Einbau der manipulierten Software bereits in den Jahren 2005 und 2006 getroffen worden sei, und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale. Sollte das stimmen, würden auch Manager belastet, die längst nicht mehr im Konzern sind.

Zwei von ihnen setzen sich bereits zur Wehr. Der frühere VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard wollen nach eigenen Angaben keine Kenntnis vom Einbau der Manipulationssoftware gehabt haben. Beide hätten auch keine Entscheidungen zur Entwicklung oder zum Einsatz der Software getroffen, ließen die Manager über die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann mittteilen.

Unterdessen berichtet das "Wall Street Journal", dass der Konzern womöglich ganz um Umweltstrafen in den USA herumkommen könnte. Grund sei ein Schlupfloch in der US-Gesetzgebung. So sehe der Clean Car Act aus dem Jahr 1970 eine weitgehende Straffreiheit für Autokonzerne vor. Die Ermittler in den USA suchten deshalb nun nach anderen Wegen, VW wegen der Manipulationen zu belangen.

Anmerkung der Redaktion: Der Text gibt den Informationsstand zum Zeitpunkt des Erscheinens wider. Am 28. September 2015 hatte die Staatsanwaltschaft Braunschweig eine Pressemitteilung herausgegeben, wonach ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn eingeleitet worden sei. Am 1. Oktober korrigierte die Staatsanwaltschaft diese Darstellung und teilte mit, es sei kein Ermittlungserfahren gegen Winterkorn eröffnet worden.

Daran erkenne ich, ob mein Auto betroffen ist

Sicherheit darüber gibt die Motornummer. Diese besteht aus maximal drei Buchstaben und einer Zahl. Sie wird vom Hersteller an einer einsehbaren Stelle des Motorblocks angebracht. Manchmal findet sich die Identifikationsnummer auch im Kaufvertrag. Im VW-Skandal handelt es sich um den Diesel-Motortyp EA 189.
Eine andere Möglichkeit bietet die Überprüfung der Fahrgestellnummer in der Werkstatt.
VW weist jedoch darauf hin, dass für die Kunden "momentan gar kein Handlungsbedarf" bestehe. "Alle betroffenen Fahrzeuge sind absolut sicher und fahrbereit", so ein VW-Sprecher. Derzeit arbeitet der Konzern an einer Lösung der Abgasprobleme. Liegt diese vor, sollen alle betroffenen Autos in die Werkstatt gerufen werden.

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