"Friedensgipfel" am Freitag VW-Aufsichtsrat soll zwischen Diess und Osterloh vermitteln

Bewegung im Konflikt bei VW: Betriebsratschef Osterloh hat Konzernchef Diess Bedingungen für den Umbau gestellt. Nun wollen sich die obersten Aufseher nach SPIEGEL-Informationen zu einer Art Friedensgipfel treffen.

Bernd Osterloh und Herbert Diess im Februar 2019 in Wolfsburg
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Bernd Osterloh und Herbert Diess im Februar 2019 in Wolfsburg

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Am Freitag kommt das Präsidium des VW-Aufsichtsrats zusammen, um über Forderungen von Betriebsratschef Bernd Osterloh zu beraten. Das erfuhr der SPIEGEL aus Konzernkreisen. Ziel sei es, den wochenlangen Konflikt zwischen Osterloh und Vorstandschef Herbert Diess über den Umbau des weltgrößten Autoherstellers und drohende Jobverluste zu schlichten.

Am Mittwoch stellte Osterloh auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg Bedingungen, um an den Verhandlungstisch mit der Konzernführung zurückzukehren. Dazu gehört eine Jobgarantie bis 2029 und eine Nachbesetzung aller offenen Stellen. Außerdem müsse der Vorstand die Milliardenverluste aus dem Tagesgeschäft in den Griff bekommen.

Forderung nach "Linie der Gemeinsamkeit"

Nach SPIEGEL-Informationen forderte Osterloh den Volkswagen-Vorstand auf, zu einer "Linie der Gemeinsamkeit" mit der Belegschaft zurückzukehren. "Das Gleiche werde ich noch diese Woche auch persönlich Herrn Dr. Porsche sagen."

Vorangegangen war ein Disput zwischen Osterloh, Diess und dem Sprecher der Eigentümerfamilien, Wolfgang Porsche. Porsche hatte Anfang März die Strukturen bei VW als verkrustet bezeichnet. Das Netzwerk des Betriebsrats müsse aufgebrochen werden, der Autohersteller sei kein Sozialverein. Der Familiensprecher stellte sich damit demonstrativ hinter den Vorstandschef.

Diess wiederum beklagt sich intern seit Monaten, der Wandel bei VW gehe ihm nicht schnell genug. Der Stammsitz in Wolfsburg sei kaum zu reformieren. Ein Gestalter wie er stoße da an Grenzen. Die Verantwortung dafür gibt Diess auch dem starken Betriebsrat mit seinem Vorsitzenden Bernd Osterloh.

Die Arbeitnehmerseite konterte daraufhin, die aktuellen Probleme bei Volkswagen seien auf Managementfehler zurückzuführen. Allein die Schwierigkeiten des Autoherstellers mit dem neuen Abgas-Teststandard WLTP hätten Milliardenverluste erzeugt. Außerdem gebe es erhebliche Verzögerungen bei zentralen Fahrzeugprojekten wie dem Golf 8.

Friedenssignal an Osterloh

Diess schickte auf der Betriebsversammlung ein Friedenssignal an Osterloh: Der Betriebsratschef kämpfe hart für die Belegschaft, lobte Diess - und denke zugleich unternehmerisch.

Gleichzeitig erklärte Diess, wegen der Digitalisierung fielen bei Volkswagen zahlreiche Stellen weg. Deren Abbau solle über Altersteilzeit sozialverträglich erfolgen. Künftig müsse VW mit seinen Autos deutlich mehr Geld verdienen, um in Zukunftsprojekte wie E-Mobilität und Dienstleistungen investieren zu können. Die Gewinnspanne bei der Kernmarke VW war im vergangenen Jahr gesunken - entgegen den Plänen des Managements.

Das Aufsichtsratstreffen am Freitag soll auch einer Aussprache Osterlohs mit Porsche dienen. Der Betriebsratschef und der Familiensprecher hatten sich nach Porsches Äußerungen Anfang März nicht mehr unterhalten. Dem Präsidium des Aufsichtsrats gehören neben Osterloh und Porsche auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sowie der Betriebsratsvorsitzende von Audi, Peter Mosch, an.

Aus Kreisen der Teilnehmer ist zu hören, Diess müsse sich künftig verbal stärker zurückhalten. "Diess hat jetzt die Gelbe Karte gesehen", heißt es, "es sollte jetzt kein rüdes Foul mehr passieren."



insgesamt 2 Beiträge
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legeips62 20.03.2019
1. Ich wünsche ihnen
viel Erfolg, Herr Osterloh. Aber denken sie auch an die Zukunft. Das Autoland ist bald "abgebrannt".
ex_Kamikaze 20.03.2019
2. Osterloh muss sich als Betriebsrat
an die Gesetze halten und sie im Betrieb überwachen aber nicht an irgendwelche Kommunkationsvorschriften. Der muß auch keine denglischen Powerpoints basteln oder katzbuckeln. Nicht umsonst sieht das Betriebsverfassungsgesetz einen richtig starken Schutz für Betriebsräte vor. Also kann ein BR-Chef auch keine "Gelbe Karte" bekommen. Die könnte nur bei der Wahl kommen - aber von der Belegschaft, nicht vom Management. Und von politisch konformen Verhalten wird keine einzige Bedingung durchgesetzt und kein einziger Arbeitsplatz erhalten. Viel Erfolg, Herr Osterloh!
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