Trotz Anklage VW will mit Pötsch und Diess weitermachen

Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen mutmaßlicher Marktmanipulation - dennoch will VW an Vorstandschef Diess und Chefaufseher Pötsch festhalten. Vorwürfe gegen die Manager seien haltlos.

Herbert Diess (l.) und Hans Dieter Pötsch (Archivbild)
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Herbert Diess (l.) und Hans Dieter Pötsch (Archivbild)


Volkswagen stärkt Konzernchef Herbert Diess und Chefaufseher Hans Dieter Pötsch auch nach der Anklage der Staatsanwaltschaft Braunschweig im Zusammenhang mit massenhaft manipulierten Diesel-Motoren weiter den Rücken.

Aus heutiger Sicht könne das Präsidium des Aufsichtsrates weiterhin keine vorsätzlich unterlassene Information des Kapitalmarkts erkennen, teilte der innere Zirkel des VW-Kontrollgremiums nach einer kurzfristig einberufenen Sitzung in Wolfsburg mit.

Dem sechsköpfigen Gremium gehören Wolfgang Porsche als Vertreter der Familieneigner und Ministerpräsident Stephan Weil für das Land Niedersachsen an. Für die Arbeitnehmer sitzen IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und die Betriebsratschefs von VW und Audi, Bernd Osterloh und Peter Mosch in dem Gremium. Pötsch, als Aufsichtsratschef ebenfalls Mitglied des inneren Zirkels, nahm wegen der Anklage gegen ihn nicht an den Beratungen teil.

"Erfolgreiche Zusammenarbeit" weiter fortsetzen

"Aus diesem Grund soll die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem Vorstandsvorsitzenden fortgesetzt werden", hieß es in der Erklärung. Die erheblichen Kursverluste der VW-Aktien seien in der damaligen völlig unerwarteten Mitteilung der US-Behörden zur Abgasmanipulation begründet, teilte die Aufsichtsratsspitze mit.

Der VW-Vorstand habe diese nicht vorhersehen können. Nach einer rechtlichen Beratung durch Anwälte sei vielmehr davon auszugehen gewesen, dass zunächst eine einvernehmliche Lösung mit den US-Behörden erarbeitet werden könne. Der Aufsichtsrat werde nun an diesem Mittwoch zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte zuvor mitgeteilt, Pötsch, Diess und Ex-VW-Vorstandschef Martin Winterkorn wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation im Zuge der Abgaskrise anzuklagen. Sie sollen aus Sicht der Strafverfolger Anleger im Jahr 2015 nicht rechtzeitig über die Risiken der Dieselaffäre informiert haben.

flg/dpa/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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legeips62 24.09.2019
1. Diese Leute sind unschuldig.
...Dem sechsköpfigen Gremium gehören Wolfgang Porsche als Vertreter der Familieneigner und Ministerpräsident Stephan Weil für das Land Niedersachsen an. Für die Arbeitnehmer sitzen IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und die Betriebsratschefs von VW und Audi, Bernd Osterloh und Peter Mosch in dem Gremium. Pötsch, als Aufsichtsratschef ebenfalls Mitglied des inneren Zirkels, nahm wegen der Anklage gegen ihn nicht an den Beratungen teil... Dieses Gremium hat ihr "Urteil" gesprochen. Politk, Gewerkschaft und Eigentümer sind sind einig. VW und alle Töchter, haben der deutschen Wirtschaft keinen Schaden zugefügt. Die Strafzahlungen in den USA oder z.B. Australien haben ja keinen Aktieneinbruch herbeigeführt. Also, was solls für die, die an der Macht sitzen? Nichts. Kaufe ich mal wieder einen VW? Nein! Lieber einen Lamborghini.
stefan7777 24.09.2019
2. Viele der Eliten möchten Diess gerne dissen
Er hat verstanden und vor allem den Mut das auch umzusetzen, was jetzt in Richtung E-Mobilität wichtig ist. Es heißt, bei distruptiven Innovationen fallen 50% der Unternehmen die den Markt vorher bestimmt haben hinten runter. BMW und Merzedes werden wol bald die ersten Anzeichen des Zerfalls zeigen. Deren Ablenkungs-- und Abwehrstrategien vor der bevorstehenden Transformation der Mobilität, sind schlicht nicht mehr markttauglich. Untergehende Sterne wie Merkel, ihre im offensichtlichen Versagen verbrennende Union und der Rest der Alten weißen Männer haben ausgedient!
jamesbrand 24.09.2019
3. unverständlich
das die Bosse angeklagt werden, es weiß doch jeder das der Pförtner und die Putzfrau verantwortlich waren.
stefanmargraf 24.09.2019
4. Untragbar
Diess und Pötsch sind nun zu sehr mit sich selbst, ihrer Verteidigung und gegeben Falls mit ihrer Schuld beschäftigt. Sie haben nicht mehr die notwendige Objektivität und Unbefangenheit den Konzern zu führen. Aus Respekt gegenüber den Werktätigen und ihrer Familien müssen sie demissionieren.
Skeptiker99 24.09.2019
5. Ist das alles?
Mit der betrügerischen Manipulation der Abgaswerte hat VW die Gesundheit tausender Menschen geschädigt. Man wird wohl nie genau sagen können wie viele Leute deshalb eines frühen Todes gestorben sind. Niemand kann mir erzählen das diese kriminellen Machenschaften von ein paar Untergebenen ohne Billigung der Führungsebene verbrochen wurden. Und in der einzigen Anklage gegen die Chefs geht es um den Schaden für die Aktionäre? Da könnte man auch pädophile Priester lediglich für entgangene Kirchensteuer aufgrund vermehrter Kirchenaustritte anklagen.
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