Konzernumbau VW wechselt 30 Führungskräfte aus

Großes Stühlerücken bei VW: Im Kampf um die weltweite Marktführerschaft besetzt Konzernchef Martin Winterkorn mehr als 30 Posten neu. Um den wachsenden Markt in China kümmert sich künftig Jochem Heizmann.

Jochem Heizmann: wird der neue Verantwortliche für das China-Geschäft von VW
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Jochem Heizmann: wird der neue Verantwortliche für das China-Geschäft von VW


Hamburg - Chart zeigenVW-Chef Martin Winterkorn will die Schlüsselpositionen bei Volkswagen neu besetzen. Das Unternehmen wertet sein China-Geschäft auf, ordnet seine Lastwagensparte neu und besetzt den Audi-Vorstand um. Von dem Umbau sind mehr als 30 Manager betroffen.

Winterkorn verspricht sich vom großen Vorstandsumbau eine bessere Vernetzung der elf Konzernmarken und hofft auf zusätzliches Wachstum. Vor allem das China-Geschäft soll umgebaut werden. Besetzt wird es jedoch nicht mit dem bisherigen Verantwortlichen für China, Karl-Thomas Neumann.

Stattdessen soll Jochem Heizmann, der bisher als Vorstand für das Nutzfahrzeuggeschäft zuständig war, das neu geschaffene Vorstandsressort für China übernehmen.

"China ist unser größter und einer der wichtigsten Märkte weltweit", sagte Winterkorn. Für Neumann solle eine neue Aufgabe im Konzern gesucht werden. Das Verhältnis zwischen Neumann und VW galt zuletzt als gestört.

Österling übernimmt Nutzfahrzeuggeschäft

Auch das LKW-Geschäft des Konzerns soll neu geordnet werden. Der Autokonzern will damit vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Töchtern Scania und MAN vorantreiben. Der bisherige Chef der schwedischen Tochter Scania, Leif Östling, wechselt in den VW-Vorstand und wird dort das gesamte Nutzfahrzeuggeschäft verantworten. Der 66-Jährige soll als neuer Lkw-Chef die Allianz zwischen MAN und Scania neu beleben. "Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir Synergien heben wollen", sagte Winterkorn.

Östling galt lange Zeit als Skeptiker der Zusammenarbeit mit den anderen Marken im VW-Konzern. Scania hatte es auch ohne den Wolfsburger Konzern zu einem der profitabelsten Fahrzeughersteller der Welt gebracht. Winterkorn sagte, die Entscheidung, Östling mit seinen 40 Jahren Erfahrung an die Spitze des Nutzfahrzeugressorts zu stellen, sei relativ leicht gefallen.

Neuer Scania-Chef wird der bisherige Verkaufsvorstand Martin Lundstedt. MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen zieht in den erweiterten Vorstand des Konzerns mit ein. Er wird dort das Industriegeschäft mit Motoren konzernweit koordinieren. Zudem werden wichtige Posten bei MAN neu besetzt. Der bisherige Audi-Vorstand Ulf Berkenhagen wird neuer Einkaufschef bei dem Münchner Lastwagenbauer. Der VW-Personalmanager Jochen Schumm wird neuer Personalchef und löst Jörg Schwitalla ab.

Auch die VW-Sparte Nutzfahrzeuge bekommt einen neuen Chef, den Posten übernimmt der bisherige Skoda-Entwicklungschef Eckard Scholz. Er löst Wolfgang Schreiber, der künftig Chef der Luxusmarken Bentley und Bugatti wird.

Sein Vorgänger Wolfgang Dürheimer wechselt zu Audi und wird dort Technischer Entwicklungschef.

Aus Wolfsburg schickt Winterkorn den bisherigen VW-Marketingchef Luca de Meo als neuen Audi-Marketingchef nach Ingolstadt. Der bisherige Audi-Vertriebschef Peter Schwarzenbauer verlässt den Konzern.

Zudem übernimmt Bernd Martens, derzeit im Konzern im Einkauf für neue Produktanläufe zuständig, bei Audi das Vorstandsressort Beschaffung. Die personellen Veränderungen sollen im Wesentlichen mit Wirkung zum 1. September umgesetzt werden.

kha/dpa/dapd



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Seite 1
alpha0711 02.06.2012
1. China
Zitat von sysopDPAGroßes Stühlerücken bei VW: Im Kampf um die weltweite Marktführerschaft besetzt Konzernchef Martin Winterkorn mehr als 30 Posten neu. Um den wachsenden Markt in China kümmert sich künftig Jochem Heizmann. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836668,00.html
Mal schauen ob die Strategie in diesem Markt aufgeht .... Andere Firmen in der Telekommunikationsbranche haben Leergeld bezahlt. Heute ist ein Chinesischer Hersteller mit an der Spitze.Verbunden mit massivem Stellenabbau in Europa. Und das innerhalb sieben Jahren. Dort wachsen wollen heißt auch dort produzieren müssen. Zeitgleich einhergehend mit Knowhow Transfer. Aber was solls, Hauptsache die Kasse stimmt kurzfristig. Wenn es kracht sind die heutigen Manager schon lange nicht mehr am Ruder. Heute eher nicht vorstellbar das ein Chinesischer Autobauer mal an der Spitze steht. Aber die bisherigen Erfahrungen zeigen das dies im möglichen Rahmen ist. Mal schauen was dann die "Exportnation" Deutschland noch exportieren will. Allein das Premiumsegment wird nicht ausreichen. Der Binnennachfrage dürfte ja eher nicht steigen (Die verlangten Preise für PKWs stehen in keinem Verhältnis zu den Gehältern - da hilft auch keine 5% Lohnerhöhung) Meist ist der Großteil der verbauten Teile in Autos "Made in Germany" ist ja eh schon "Made in China".
olinx 02.06.2012
2. gute zeit,schlechte zeit
Die Zukunft des Europas ist stark verbunden mit Asien nicht America,die Wende tut weh,aber haben wir keinen anderen weg
UnitedEurope 02.06.2012
3. Titellos
Zitat von alpha0711Mal schauen ob die Strategie in diesem Markt aufgeht .... Andere Firmen in der Telekommunikationsbranche haben Leergeld bezahlt. Heute ist ein Chinesischer Hersteller mit an der Spitze.Verbunden mit massivem Stellenabbau in Europa. Und das innerhalb sieben Jahren. Dort wachsen wollen heißt auch dort produzieren müssen. Zeitgleich einhergehend mit Knowhow Transfer. Aber was solls, Hauptsache die Kasse stimmt kurzfristig. Wenn es kracht sind die heutigen Manager schon lange nicht mehr am Ruder. Heute eher nicht vorstellbar das ein Chinesischer Autobauer mal an der Spitze steht. Aber die bisherigen Erfahrungen zeigen das dies im möglichen Rahmen ist. Mal schauen was dann die "Exportnation" Deutschland noch exportieren will. Allein das Premiumsegment wird nicht ausreichen. Der Binnennachfrage dürfte ja eher nicht steigen (Die verlangten Preise für PKWs stehen in keinem Verhältnis zu den Gehältern - da hilft auch keine 5% Lohnerhöhung) Meist ist der Großteil der verbauten Teile in Autos "Made in Germany" ist ja eh schon "Made in China".
Wie soll ein Konzern überleben, der nicht in China verkauft, weil er dort nicht produziert? Die Märkte in Europa und den USA sind ja quasi gesättigt. Und das China verlangt, das bitte auch Arbeitsplätze dort entstehen, ist nachvollziehbar. Ihre Kritik ist eine allgemeine Globalisierungs-Kritik. VW nimmt daran teil und passt sich den Gegebenheiten an, sie haben aber die Globalisierung nicht erfunden und eingeführt.
Hans Blafoo 02.06.2012
4. Kein Titel
Zitat von alpha0711Mal schauen ob die Strategie in diesem Markt aufgeht .... Andere Firmen in der Telekommunikationsbranche haben Leergeld bezahlt. Heute ist ein Chinesischer Hersteller mit an der Spitze.Verbunden mit massivem Stellenabbau in Europa. Und das innerhalb sieben Jahren. Dort wachsen wollen heißt auch dort produzieren müssen. Zeitgleich einhergehend mit Knowhow Transfer. Aber was solls, Hauptsache die Kasse stimmt kurzfristig. Wenn es kracht sind die heutigen Manager schon lange nicht mehr am Ruder. Heute eher nicht vorstellbar das ein Chinesischer Autobauer mal an der Spitze steht. Aber die bisherigen Erfahrungen zeigen das dies im möglichen Rahmen ist. Mal schauen was dann die "Exportnation" Deutschland noch exportieren will. Allein das Premiumsegment wird nicht ausreichen. Der Binnennachfrage dürfte ja eher nicht steigen (Die verlangten Preise für PKWs stehen in keinem Verhältnis zu den Gehältern - da hilft auch keine 5% Lohnerhöhung) Meist ist der Großteil der verbauten Teile in Autos "Made in Germany" ist ja eh schon "Made in China".
VW ist seit mehr als 20 Jahren in China als OEM aktiv und produziert dort Fahrzeuge. Zudem ist VW in China Marktführer. Ich glaube, die wissen ganz genau, wie sie dort operieren müssen.
prophet46 03.06.2012
5. Nachhaltig?
Zitat von sysopDPAGroßes Stühlerücken bei VW: Im Kampf um die weltweite Marktführerschaft besetzt Konzernchef Martin Winterkorn mehr als 30 Posten neu. Um den wachsenden Markt in China kümmert sich künftig Jochem Heizmann. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836668,00.html
Der "Kampf um die weltweite Marktführerschaft" wurde von Piech ausgerufen. Es bestand keine sachliche Notwendigkeit dafür, sondern entspricht nur dem persönlichen Ehrgeiz dieses Herrn. Ob die Strategie aufgeht, wird sich zeigen, ein wichtiges Marketing-Moment ist die Ankündigung bei einigen Kunden allemal. VW geht mit der "Führer"-Strategie m.E. unnötig Risiken ein, die in schwierigen Zeiten i.a.R. in Überkapazitäten enden. Die überstarke Fixierung auf den chinesischen Markt könnte sich in wenigen Jahren als Bumerang erweisen. Auf dem amerikanischen Markt ist VW immer noch unter ferner liefen. Toyota z.B. verkauft dort monatlich knapp fünf mal so viele Autos wie VW. Die vielen Marken unterm VW-Dach dürften sich eher als Hemmschuh, denn als Vorteil erweisen. Gegenseitige Kanibalisierung wird sich breit machen, weil die Marken zunehmend unscharf werden und nicht mehr ausreichend voneinnader abgrenzbar sind. General Motors z.B.verringert das Markenportfolio, VW erweitert es noch, wobei einige Marken höchst margenschwach oder sogar defizitär sind. Sammelleidenschaft geht anscheinend vor betriebswirtschaftlichem Kalkül. Das kann sich in schwierigen Zeiten rächen. Man wird dann wieder nach dem Staat rufen, der ja zu 20 % an dem Unternehmen beteiligt ist.
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