Blackrock und Co. US-Fondsriesen fordern Milliarden von Volkswagen

Der größte Vermögensverwalter Blackrock und andere US-Fondsgiganten wollen den Autokonzern nach SPIEGEL-Informationen auf Schadensersatz verklagen. Sie verlangen mehr als zwei Milliarden Euro.

VW-Produktion in Wolfsburg
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VW-Produktion in Wolfsburg

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Ein Jahr nachdem Volkswagen die Manipulation von Abgaswerten in großem Stil zugegeben hat, schwillt die Klagewelle von Aktionären des Wolfsburger Konzerns an. Die amerikanische Anwaltskanzlei Quinn Emanuel reicht nach Informationen des SPIEGEL an diesem Freitag Schadensersatzklagen für rund 160 Investoren ein, die insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro geltend machen.

"VW war rechtlich verpflichtet, die Kapitalmärkte deutlich früher über die Verwendung rechtswidriger Manipulationssoftware in Dieselmotoren zu informieren", sagt Nadine Herrmann, die für Quinn Emanuel die Klagen führt. Mit den Manipulationen seien erkennbar schwerwiegende oder gar existenzbedrohende Rechts- und Reputationsrisiken verbunden, die sich unter anderem in dem "katastrophalen Kursverfall der VW-Aktie" realisiert hätten. "Wir machen für unsere Mandanten den daraus entstandenen Schaden geltend."

Jeremy Marshall von dem Prozessfinanzierer Bentham Europe, der mit Quinn zusammenarbeitet, erklärte, Volkswagen werde nun vielen seiner größten Aktionäre im Gerichtssaal gegenüberstehen. "Der Unmut dieser Investoren über das Ausmaß des Emissionsskandals und das Versagen in der Unternehmensführung ist groß."

Prominentester Kläger ist die mächtige Fondsgesellschaft Blackrock, die weltweit fünf Billionen Dollar verwaltet. Sie zählt zu den größten Aktionären von VW und dürfte allein einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe geltend machen.

"Blackrock hat im Namen seiner Investoren für eine Reihe von Blackrock-Fonds und gemeinsam mit weiteren institutionellen Investoren rechtliche Schritte gegen die Volkswagen AG eingeleitet", bestätigte ein Blackrock-Sprecher. Die Klage stehe im Zusammenhang mit dem Versäumnis von Volkswagen, gegenüber seinen Investoren den Einsatz von Abschalteinrichtungen offenzulegen, die für manipulierte Emissionstests verwendet wurden.

Neben Blackrock sollen einige der größten amerikanischen Fondsgesellschaften, unter anderem State Street und Vanguard, sich der Klage angeschlossen haben. Die beiden Investoren wollten sich dazu nicht äußern.

VW hatte die Manipulation von Abgaswerten am 20. September vergangenen Jahres eingeräumt. "Volkswagen geht weiterhin davon aus, dass wir unsere kapitalmarktrechtlichen Pflichten vollumfänglich erfüllt haben und die Ansprüche unbegründet sind", teilte das Wolfsburger Unternehmen auf Anfrage mit.

Seit dem Bekanntwerden der Manipulationen haben bereits Hunderte Aktionäre Schadensersatzklagen beim zuständigen Landgericht Braunschweig eingereicht. Allein der Tübinger Anwalt Andreas Tilp hat bislang Klagen von mehr als 300 Investoren mit Ansprüchen über 3,2 Milliarden Euro gebündelt. Quinn Emanuel hatte in einer ersten Klage unter anderem den norwegischen Staatsfonds vertreten, der zu den größten freien Aktionären von VW zählt. Dominiert wird der Autokonzern von den Familien Porsche und Piëch, dem Land Niedersachsen sowie Katar.

Über die Aktionärsklagen soll in einem Musterverfahren entschieden werden. Dabei wird aus der Vielzahl der auf den gleichen Sachverhalt ausgerichteten Klagen stellvertretend eine herausgegriffen und voraussichtlich vor dem Oberlandesgericht Braunschweig verhandelt. Die anderen Verfahren ruhen solange. Das Urteil im Musterverfahren gilt dann für alle Kläger.

Einige Klägeranwälte vertreten die Auffassung, dass die Ansprüche ein Jahr nach dem Publikwerden des Skandals verjähren könnten. Nadine Herrmann von der Kanzlei Quinn Emanuel teilt diese Ansicht nicht, hält es aber angesichts des bevorstehenden Musterverfahrens für sinnvoll, zeitnah Ansprüche geltend zu machen. Auch zahlreiche weitere Anwaltskanzleien dürften in diesen Tagen Klagen für Aktionäre einreichen.

insgesamt 144 Beiträge
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herrknut 15.09.2016
1. Diese...
Klagen, wenn ihr Geld verloren geht, aber wenn diese Spekulanten das Geld anderer Menschen versenken, dann will's keiner gewesen sein. Irgendwann scheint Geld doch ein ruhiges Gewissen zu verschaffen, sonst könnte ein guter Mensch nachts nicht schlafen.
winki 15.09.2016
2. US-Fondsriesen fordern Milliarden
Das alles ist von höchster Stelle organisiert. Man will Deutschland kaputt machen. Alle VW-Werke in den USA schließen und das schnellsten. Die Maschinen nach Russland und nach China schaffen und dort produzieren. Das alles ist am Ende immer noch billiger als den Amis Milliarden in den Hals zu werfen, um deren Kriege zu finanzieren unter denen wir mit zu leiden haben.
bienenkönig 15.09.2016
3. blackrock wieder!!!
Warum schreibt man das hier noch rein! Alles was dazu wirklich zu sagen wäre, würde als Hass-Propaganda und Verabredung zur Gewalt sowieso gleich gelöscht!
winki 15.09.2016
4. US-Fondsriesen fordern Milliarden
Das alles ist von höchster Stelle organisiert. Man will Deutschland kaputt machen. Alle VW-Werke in den USA schließen und das schnellsten. Die Maschinen nach Russland und nach China schaffen und dort produzieren. Das alles ist am Ende immer noch billiger als den Amis Milliarden in den Hals zu werfen, um deren Kriege zu finanzieren unter denen wir mit zu leiden haben.
Tolotos 15.09.2016
5. Die einzigen, die in Deutschland wohl nicht klagen können, sind wohl die betrogenen Kunden!
Aber das liegt wohl auch in der Logik der deutschen marktkonformen Demokratie. Wer sich hier keine schlagkräftige Lobby leisten kann, der ist in der deutschen Demokratie kein Souverän, sondern nur der Untertan der aktuellen Führung des parlamentarischen Systems!
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