Nach Stopp für Werk in Türkei  Bulgarien und Rumänien werben um VW

Nach der türkischen Offensive in Syrien hat Volkswagen die Pläne für ein türkisches Werk gestoppt. Nun hoffen, laut einem Medienbericht, Bulgarien und Rumänien auf die Milliardeninvestition.

Die Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg
DPA

Die Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg


Nicht nur der Wolfsburger Autobauer verfolgt die Entwicklungen in Syrien mit "großer Sorge". Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte, dass er angesichts der türkischen Invasion in Syrien derzeit nicht davon ausgehe, dass VW sein neues Werk in der Nähe von Izmir realisieren wird. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Volkswagen unter diesen Bedingungen in der Türkei eine Milliardeninvestition vornimmt", sagte Weil. Die Vorstandsspitze des Konzerns soll Abstand von einer Milliardeninvestition im westlichen Anatolien genommen haben.

Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) könnten vom Zögern der VW-Bosse nun andere Länder profitieren. "Wir haben einen Weg gefunden, dem Volkswagen-Konzern statt 135 Millionen Euro 250 bis 260 Millionen Euro anzubieten", sagte der ehemalige Staatschef Rossen Plewneliew der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er ist gegenwärtig Präsident des bulgarischen Automobilclusters in Sofia. Der Standort in Bulgariens Hauptstadt soll erste Alternative zum türkischen Modell gewesen sein.

Produktionsstart in der Türkei war für 2022 geplant

VW sei ein entsprechendes Angebot unterbreitet worden, eine Antwort stehe noch aus, sagte Plewneliew. Rechne man die Infrastruktur hinzu, etwa die Anbindung an die Schiene, an die Autobahn und die U-Bahn, biete Sofia 800 Millionen Euro an, damit sich VW für Bulgarien statt für die Türkei entscheide. Plewneliew versicherte, dass die Beihilfen mit der EU-Kommission abgesprochen seien. Die Türkei indes habe sich über diese Regeln hinweggesetzt.

"Bulgarien hingegen spielt nach den Regeln", sagte Plewneliew der FAZ: "Wir sind ein stabiler, demokratischer Rechtsstaat in der EU, in dem VW zu günstigen Konditionen mit hervorragend ausgebildeten Arbeitskräften produzieren kann." Die Verhandlungen mit Wolfsburg seien nie abgerissen - auch nach Gründung der VW-Tochtergesellschaft im türkischen Manisa Anfang des Monats nicht. "Solange VW den Vertrag mit der Türkei nicht unterschreibt, sind wir Tag und Nacht erreichbar, damit es in Bulgarien klappt", so Plewneliew.

Auch Nachbar Rumänien hat sich als Standort für ein neues VW-Werk abermals in Position gebracht. "Wir haben neue Gespräche mit dem Volkswagen-Konzern angestoßen", zitierte die rumänische Tageszeitung "Ziarul Financiar" Handelsminister Stefan Radu Oprea. Rumänien verfüge über "sehr gute" technische Voraussetzungen und habe kein Problem, Arbeitskräfte zu bekommen. In Rumänien wird bereits der zu Renault gehörende Dacia produziert.

Ende August hatte der VW-Aufsichtsrat bereits eine Grundsatzentscheidung für das neue Werk in der Türkei getroffen. Berichten zufolge sollte am neuen Standort Manisa nahe Izmir eine Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen pro Jahr erzielt werden. Der Baubeginn war für Ende 2020 vorgesehen, der Produktionsstart für 2022. Die Kosten des Projekts wurden in Insiderkreisen mit etwa 1,5 Milliarden Euro beziffert.

flg/Reuters



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numbat3 16.10.2019
1. Bulgarien und Rumänien
Wir waren vor Jahren in Rumänien im Urlaub. Wir haben uns über das Land informiert und seitdem lese ich Artikel über Rumänien. Was ist sagen kann, das ist, dass Rumänien kein sicherer Ort ist für die Ansiedlung eines großen VW-Werkes. Rumänien ist von der Mafia unterwandert und Teile der Politik sind es auch.
christoph.bohr 16.10.2019
2. nur in Freiheit macht Arbeit Spaß
wer eine Fabrik plant braucht gut gelaunte motivierte Mitarbeiter. Die findet man eher nicht in einer Diktatur. Herr Erdogan setzt seit seinen Auftritten in deutschen Stadien vor vielen Jahren seine krude Ziele eines nach dem anderen durch. Die Türkei erwartet wahrscheinlich mehr Hinwendung zur Religion. Insgesamt kein gutes Klima für motivierte innovative Mitarbeiter. Rumänien und Bulgarien sind nach Tschechien und Slowenien besser geeignet für einen VW Standort.
tayyipcik 16.10.2019
3. Hoffentlich wird das Werk
In einem EU Land gebaut. Zumindest ist man innerhalb der EU und muss nicht mit.bürokratischem Kram wie Zoll oder dergleichen Kämpfen. Außerdem ist es nützlich durch solche Investionen Länder wie Bulgarien und Rumänien voranzubringen. Je mehr Menschen dort Arbeit haben umso weniger muss die EU in diesen Ländern einzahlen.
rainerwäscher 16.10.2019
4. Warum nicht in Deutschland?
Es gibt auch hier strukturschwache Orte, z.B. Bremerhaven mit einer Arbeitslosenquote von 12 Prozent. Der Vorteil hier wäre, dass der Exporthafen gleich da ist.
camilli79 16.10.2019
5.
Zitat von numbat3Wir waren vor Jahren in Rumänien im Urlaub. Wir haben uns über das Land informiert und seitdem lese ich Artikel über Rumänien. Was ist sagen kann, das ist, dass Rumänien kein sicherer Ort ist für die Ansiedlung eines großen VW-Werkes. Rumänien ist von der Mafia unterwandert und Teile der Politik sind es auch.
Da sind Sie aber schlecht über die Türkei informiert, wenn Sie meinen, Rumänien sei gefährlicher wegen der Mafia. Die Türkei belegt Spitzenplätze in Korruption und politischer Unsicherheit. Falls VW aber trotzdem zu der weisen Einsicht kommen sollte, doch mal in der EU zu investieren, würde sich die Arbeitnehmerfreizügigkeit auszahlen. Denn wenn dank Rezession in D die Lichter ausgehen, bekommen wir wenigstens in Rumänien einen Job bei VW nach der Vermittlungsgebühr eines Jahresgehalts, wie das auch in Turin bei Fiat so Tradition ist.
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