Abgas-Affäre VW-Chef Winterkorn tritt zurück

Jetzt ging es doch schnell: Der Chef von Volkswagen, Martin Winterkorn, gibt seinen Posten auf. Der 68-jährige Manager zog damit die Konsequenzen aus dem Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA.
Winterkorn: Rücktritt nach Abgas-Affäre

Winterkorn: Rücktritt nach Abgas-Affäre

Foto: Uli Deck/ dpa

Martin Winterkorn tritt als Konzernchef von Volkswagen zurück. "Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell", teilte Winterkorn mit. Er habe daher den Aufsichtsrat gebeten, eine Vereinbarung zur Beendigung seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns zu treffen. Der 68-jährige Manager zog damit die Konsequenzen aus dem Skandal um manipulierte Abgaswerte in den USA.

"Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren", heißt es in der Erklärung. Als Vorstandschef übernehme er die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren. "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin", so Winterkorn.

Über die Nachfolge an der VW-Spitze will der Aufsichtsrat nicht vor Freitag entscheiden. Das sagte der Vorsitzende des Gremiums, Berthold Huber. Winterkorn habe keine Kenntnis von den Machenschaften gehabt, aber die Verantwortung übernommen. Ursprünglich hatte der Aufsichtsrat in seiner Sitzung den Vertrag Winterkorns verlängern wollen. Das Präsidium des Aufsichtsrats war am Mittwoch zu einer Krisensitzung zusammengekommen.

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Winterkorn hatte sich noch am Dienstagabend für die Manipulation entschuldigt und eine umfassende Aufklärung angekündigt. Nun wolle er mit seinem Rücktritt den Weg für einen Neustart freimachen, teilte er am Mittwoch mit. "Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen-Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."

An der Börse verlor die VW-Aktie nach Bekanntgabe des Rücktritts. Während sie zuvor noch um mehr als acht Prozent höher lag als am Vortag, schloss der Kurs danach nur noch bei einem Plus von 5,2 Prozent.

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Winterkorn-Rücktritt: Das sind die Kandidaten für die VW-Spitze

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Wegen des Abgas-Skandals geriet VW am Mittwoch auch in Deutschland ins Visier der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab den Beginn von Vorermittlungen gegen den Autohersteller bekannt. Mögliche rechtliche Schritte gegen verantwortliche Mitarbeiter der Volkswagen AG stünden dabei im Mittelpunkt, hieß es aus der Behörde.

Auch Volkswagen werde seinerseits wegen des Abgas-Skandals Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig stellen, teilte das das Präsidium des Aufsichtsrats am Mittwochabend mit. "Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können."

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brk/dpa/Reuters