Neue Strategie VW prüft Verkauf von einem Fünftel seines Geschäfts

VW steht offenbar vor einer umfassenden Umstrukturierung. Konzernchef Müller erwägt den Verkauf von Sparten, die bislang ein Fünftel zum VW-Umsatz beitragen. Gerüchte über eine Fusion mit Fiat seien aber "Spekulation".
Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller

Foto: Philipp von Ditfurth/ picture alliance / Philipp von Ditfurth/dpa

Der Volkswagen-Konzern will eine geplante Restrukturierung nicht auf die lange Bank schieben. Ein neues Team des Autobauers arbeite aktiv am Verkauf mehrerer Bereiche, die nicht länger zum Kerngeschäft des Konzerns gehörten. Das sagte Vorstandschef Matthias Müller in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" .

Die zum Verkauf stehenden Bereiche machten bis zu 20 Prozent des Jahresumsatzes von Volkswagen aus. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Wolfsburger Unternehmen Erlöse von rund 217 Milliarden Euro.

Gerüchte über eine mögliche Fusion mit Fiat Chrysler nannte Müller "Spekulation". Der Konzern führe zwar routinemäßig Verhandlungen mit vielen Rivalen. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass Volkswagen bald an einem Zusammenschluss mit einem anderen Massenhersteller beteiligt sein werde. "Wir sind bereits ein großer Konzern und haben kein Interesse daran, uns zu überladen", sagte Müller.

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Dem Bericht zufolge spreche Volkswagen mit Fiat Chrysler womöglich auch über die gemeinsame Entwicklung leichter Nutzfahrzeuge. Das wollte Müller allerdings nicht bestätigen.

"Wir lassen uns von keinem die Entscheidung diktieren"

VW hatte vor kurzem den 1,5 Milliarden Euro schweren Verkauf der Motorradtochter Ducati auf Eis gelegt. Gründe seien Widerstand des deutschen Betriebsrats und interne Unstimmigkeiten über die Strategie, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Liste der Verkäufe sei nicht zu den Akten gelegt worden. "Aber wir lassen uns von keinem diktieren, welche Entscheidungen wir treffen sollen", sagte Müller in dem Interview.

Der Konzernchef spielt damit offenbar auf wiederkehrende Forderungen von Investoren an, sich zum Beispiel von Volkswagen Trucks oder von Audi zu trennen, um damit den VW-Aktienkurs zu steigern. Als Vorbild gelte diesen Investoren der in ihren Augen erfolgreiche Spin-Off der weltbekannten Tochter Ferrari des Fiat-Chrysler-Konzerns, schreibt das "Wall Street Journal" .

Welche Bereiche sind betroffen?

Spekulationen über den Verkauf einzelner VW-Sparten machen seit einiger Zeit die Runde. Ende Juli hatten Arbeitnehmervertreter den Verkauf des Getriebeherstellers Renk, an dem die VW-Tochter MAN 76 Prozent der Anteile hält, strikt abgelehnt. "Wir sagen es jetzt noch einmal unmissverständlich: Die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat von Volkswagen wird weder dem Verkauf von Ducati noch dem von Renk oder MAN Diesel & Turbo zustimmen", so ein Sprecher des VW-Konzernbetriebsrats damals.

Der Motorradbauer Ducati, der wiederum zur Premiumtochter Audi zählt, ist seit langem Gegenstand hartnäckiger Gerüchte. Volkswagen hatte die italienische Firma 2012 übernommen. Der amerikanische Motorradhersteller Harley-Davidson soll an Ducati interessiert sein. Gut informierten Kreisen zufolge gibt es keine Entscheidung. Ein VW-Sprecher sagte, dass er Marktspekulationen nicht kommentiere.

Bereits 2016 hatte sich VW von Beteiligungen getrennt - darunter der milliardenschwere Anteil am Leasing-Weltmarktführer LeasePlan. Dies spülte 2,2 Milliarden Euro in die Kasse. Der Autobauer hielt 50 Prozent an LeasePlan, war 2004 dort eingestiegen und verhandelte Anfang 2009 noch über eine Komplettübernahme. Im Herbst 2015 hatte der Verkauf von Suzuki-Anteilen zudem 1,5 Milliarden Euro gebracht.

beb/dpa
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