Reaktionen auf SPIEGEL-Enthüllung "Kein Mensch glaubt mehr an den Diesel"

Die Absprachen in der deutschen Autoindustrie alarmieren die Bundesregierung, das Kartellamt soll die Vorwürfe prüfen. Die Grünen sehen die Kanzlerin in der Pflicht.
Auspuffrohre eines Diesel-PKW

Auspuffrohre eines Diesel-PKW

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Die Bundesregierung hat das Kartellamt zu Ermittlungen aufgerufen, es solle die möglicherweise illegalen Absprachen zwischen Volkswagen, BMW und Daimler untersuchen, die der SPIEGEL aufgedeckt hat.

"Kartellrechtliche Absprachen wären eine zusätzliche Belastung für die Thematik, die wir gerade mit der Automobilindustrie haben. Die Kartellbehörden müssen ermitteln, die Vorwürfe detailliert untersuchen und gegebenenfalls notwendige Konsequenzen ziehen", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Auch die EU-Kommission prüft bereits den Fall. Sie hat bei den beteiligten Unternehmen - VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler - Unterlagen beschlagnahmt und erste Zeugen befragt. Die Autobauer schweigen weiterhin zu den Vorwürfen.

Die Grünen fordern politische Konsequenzen. "Der eigentliche Skandal ist, dass der zuständige Bundesverkehrsminister Dobrindt die Betrügereien von Teilen der Autoindustrie konsequent seit Bekanntwerden des Abgasskandals nicht aufklärt", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir dem SPIEGEL. Dobrindt halte seine schützende Hand über einen der größten Wirtschaftsskandale der Bundesrepublik.

Özdemir forderte eine lückenlose Aufklärung des Abgasskandals, Kanzlerin Merkel solle Dobrindt die Verantwortung entziehen und den Skandal zur "Chefsache machen".

Auch Privatpersonen könnten klagen

Bei den Absprachen der Autokonzerne könnte es sich um einen der größten Skandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte handeln. Für die Unternehmen dürfte das teuer werden. Ihnen droht eine Kartellstrafe, die im Milliardenbereich liegen kann. Dazu können Klagen von Firmen und Privatpersonen kommen, die sich um ihr Geld gebracht sehen.

"Die Frage ist, ob Autos durch mögliche Kartellabsprachen auf einem schlechteren technischen Stand verkauft wurden, als sie hätten sein können", sagte Christian Kersting von der Universität Düsseldorf der Nachrichtenagentur dpa. Klagen von Autokäufern seien deshalb nicht ausgeschlossen. "Vor Gericht ist es aber sehr schwer, nachzuweisen, dass ein finanzieller Schaden entstanden ist", sagte der Rechtsprofessor.

Autoexperten kritisieren das Verhalten der deutschen Hersteller. "Die Glaubwürdigkeit wird noch stärker erschüttert. Kein Mensch glaubt mehr an den Diesel", sagte Ferdinand Dudenhöfer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen dem MDR. Die Politik habe die Unternehmen zu lange und zu stark geschützt: "Und diese guten Beziehungen, sie waren eben zu gut. Man hat zu viel gemeinsam gemacht."

Lesen Sie hier die Titelgeschichte im aktuellen SPIEGEL.

hej/Reuters/dpa
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