Reaktionen auf SPIEGEL-Enthüllung "Kein Mensch glaubt mehr an den Diesel"

Die Absprachen in der deutschen Autoindustrie alarmieren die Bundesregierung, das Kartellamt soll die Vorwürfe prüfen. Die Grünen sehen die Kanzlerin in der Pflicht.

Auspuffrohre eines Diesel-PKW
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Auspuffrohre eines Diesel-PKW


Die Bundesregierung hat das Kartellamt zu Ermittlungen aufgerufen, es solle die möglicherweise illegalen Absprachen zwischen Volkswagen, BMW und Daimler untersuchen, die der SPIEGEL aufgedeckt hat.

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Heft 30/2017
Audi, BMW, Mercedes, Porsche, VW - Enthüllt: Die heimlichen Absprachen der Autokonzerne

"Kartellrechtliche Absprachen wären eine zusätzliche Belastung für die Thematik, die wir gerade mit der Automobilindustrie haben. Die Kartellbehörden müssen ermitteln, die Vorwürfe detailliert untersuchen und gegebenenfalls notwendige Konsequenzen ziehen", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Auch die EU-Kommission prüft bereits den Fall. Sie hat bei den beteiligten Unternehmen - VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler - Unterlagen beschlagnahmt und erste Zeugen befragt. Die Autobauer schweigen weiterhin zu den Vorwürfen.

Die Grünen fordern politische Konsequenzen. "Der eigentliche Skandal ist, dass der zuständige Bundesverkehrsminister Dobrindt die Betrügereien von Teilen der Autoindustrie konsequent seit Bekanntwerden des Abgasskandals nicht aufklärt", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir dem SPIEGEL. Dobrindt halte seine schützende Hand über einen der größten Wirtschaftsskandale der Bundesrepublik.

Özdemir forderte eine lückenlose Aufklärung des Abgasskandals, Kanzlerin Merkel solle Dobrindt die Verantwortung entziehen und den Skandal zur "Chefsache machen".

Auch Privatpersonen könnten klagen

Bei den Absprachen der Autokonzerne könnte es sich um einen der größten Skandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte handeln. Für die Unternehmen dürfte das teuer werden. Ihnen droht eine Kartellstrafe, die im Milliardenbereich liegen kann. Dazu können Klagen von Firmen und Privatpersonen kommen, die sich um ihr Geld gebracht sehen.

"Die Frage ist, ob Autos durch mögliche Kartellabsprachen auf einem schlechteren technischen Stand verkauft wurden, als sie hätten sein können", sagte Christian Kersting von der Universität Düsseldorf der Nachrichtenagentur dpa. Klagen von Autokäufern seien deshalb nicht ausgeschlossen. "Vor Gericht ist es aber sehr schwer, nachzuweisen, dass ein finanzieller Schaden entstanden ist", sagte der Rechtsprofessor.

Autoexperten kritisieren das Verhalten der deutschen Hersteller. "Die Glaubwürdigkeit wird noch stärker erschüttert. Kein Mensch glaubt mehr an den Diesel", sagte Ferdinand Dudenhöfer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen dem MDR. Die Politik habe die Unternehmen zu lange und zu stark geschützt: "Und diese guten Beziehungen, sie waren eben zu gut. Man hat zu viel gemeinsam gemacht."

Lesen Sie hier die Titelgeschichte im aktuellen SPIEGEL.

hej/Reuters/dpa



insgesamt 230 Beiträge
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Seite 1
rrippler 22.07.2017
1. Bitte auch mal in der ....
Elektroindustrie, Bauindustrie, IT, Maschinenbau, Elektroversorgung, Chemieindustrie, Agrarwirtschaft usw. nachforschen. Wenn schon, dann wollen wir doch lieber gleich unsere ganze unsägliche Industrie versenken. Und wieder das werden, was wir eigentlich sind: Ein Volk der Dichter und Denker.
Neapolitaner 22.07.2017
2. Ich glaube an den Diesel
aber ich denke, es ist besser, sich kein deutsches Auto mehr zu kaufen, bis die Lage geklärt ist. Vielleicht gibt es dann ja gar keine deutschen Autobauer mehr und wir kaufen unsere Autos eben aus dem Ausland.
acitapple 22.07.2017
3.
Auch diese Untätigkeit von Dobrindt sorgt für Ungewissheit. Anstatt aufzuklären und Tatsachen zu schaffen, wird weiterhin nichts getan. Er glaubt damit der Automobilindustrie einen Gefallen zu tun, aber der Schrecken wird nur hinausgezögert und er macht alles noch schlimmer. Eigentlich sehr peinlich und gefährlich. Angeblich möchte man ja deutsche Jobs retten. Wie denn, mit weiterem Betgrug ? Das deutsche Krisenmanagement ist selbst die reinste Katastrophe. Er hätte im Herbst 2015 gleich Nägel mit Köpfen machen sollen und eine klare Ansage an die anderen Hersteller. Es wäre zwar teuerer geworden, aber heute wäre die Sache wohl schon vergessen. Naja, die Profis haben jedenfalls ihre Schäfchen im Trockenen. Demnächst wird es wohl die EU richten und für Stilllegungen sorgen. Zumindest wird Dobrindt dann einen Sündenbock haben. Dafür ist die EU noch gut.
grommeck 22.07.2017
4. Gute Idee, leider steht dem das Schulsystem entgegen..
Zitat von rripplerElektroindustrie, Bauindustrie, IT, Maschinenbau, Elektroversorgung, Chemieindustrie, Agrarwirtschaft usw. nachforschen. Wenn schon, dann wollen wir doch lieber gleich unsere ganze unsägliche Industrie versenken. Und wieder das werden, was wir eigentlich sind: Ein Volk der Dichter und Denker.
das auf Wunsch eben dieser Industrie auf Malocher für diese ausgerichtet wurde. Denken ?? Ist nicht so angesehen, wenn es nicht dem Profit dient. Aber die Katastrophen der Zukunft werden uns den Weg weisen, ganz sicher.
haraldj77 22.07.2017
5. German Car Maker, Trump und Erdogan
Gibt es sonst nichts anderes zu berichten womit ein Journalist auch noch Geld verdienen könnte? Unser Wohlstand basiert wesentlich auf dieser Industrie. in andern Industrien geht es viel unsäglicher zu - z.B. Finanzsektor! Viel Spaß mit diesem Thema!
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