Abgasskandal Volkswagen entschuldigt sich bei US-Kunden

Im Abgasskandal bemüht sich Volkswagen, Vertrauen bei Kunden und Behörden zurückzugewinnen. Amerikanische VW-Fahrer erhielten ein Entschuldigungsschreiben. In Wolfsburg berät der Aufsichtsrat über weitere personelle Konsequenzen.

US-Chef Horn: Vertrauen der Käufer verletzt
AP/dpa

US-Chef Horn: Vertrauen der Käufer verletzt


Die Motivation für das Schreiben scheint klar: Schadensbegrenzung ist angesagt bei VW, vor allem in den USA, wo der Skandal um manipulierte Abgaswerte begann und voraussichtlich die größten Folgen haben wird. Also ließ US-Chef Michael Horn einen Brief an die amerikanischen Kunden aufsetzen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, entschuldigt sich Horn in dem Schreiben vom 29. September für den Skandal. VW habe das Vertrauen der Fahrzeugkäufer verletzt, schrieb Horn. Er bitte deshalb persönlich die Kunden um Verzeihung. Der Konzern arbeite hart daran, die betroffenen Autos so bald wie möglich in Ordnung zu bringen. Dies werde jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Bei seinen deutschen Kunden hatte sich Volkswagen unter anderem mit einer großen Werbekampagne in Zeitungen entschuldigt. Einen Brief von der Konzernspitze haben die hiesigen Autokäufer allerdings noch nicht erhalten. Wer wissen will, ob sein Wagen betroffen ist, kann sich im Internet darüber informieren, für Modelle der Marke VW etwa auf der Seite www.volkswagen.de/info. Demnächst sollen die betroffenen Kunden auch per Post informiert werden. Mit der Umrüstung der Fahrzeuge will der Konzern allerdings erst im Januar beginnen, wie der neue VW-Chef Matthias Müller angekündigt hat.

Der Aufsichtsrat berät über die Personalie Pötsch

Bis Ende 2016 sollen dann alle Autos in Ordnung sein", sagte Müller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Für die meisten Motoren genüge ein Update der Software in der lokalen Werkstatt. Manche Fahrzeuge aber könnten neue Injektoren und Katalysatoren brauchen. Bis Mittwochabend muss VW dem Kraftfahrt-Bundesamt mitteilen, wie die rund 2,8 Millionen Autos, die in Deutschland betroffen sind, umgerüstet werden sollen.

Volkswagen hatte vor wenigen Wochen zugegeben, Millionen Dieselfahrzeuge mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Abgaswerte manipulieren kann. Allein in Europa sind acht Millionen Fahrzeuge davon betroffen, weltweit sind es bis zu elf Millionen. Der Skandal war durch die US-Umweltbehörde EPA bekannt gemacht worden.

An diesem Mittwoch berät der Aufsichtsrat über weitere Konsequenzen aus dem Skandal. Auf der Agenda steht dabei auch die umstrittene Personalie Hans Dieter Pötsch. Der bisherige VW -Finanzchef soll nach dem Willen des Präsidiums Vorsitzender des Aufsichtsrats werden. Kritiker wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sehen in ihm den falschen Kandidaten zur Aufarbeitung der Abgaskrise, da nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei, dass er keine persönliche Verantwortung für Verfehlungen in der Affäre trage.

stk/Reuters/dpa

insgesamt 45 Beiträge
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HansPa 07.10.2015
1. Nur bei USA Kunden!
Selbstverständlich nur bei den Kunden aus den USA. Hier sollen die Leute schließlich das Maul halten und froh sein einen Arbeitsplatz bei VW zu haben! Der Passat in USA ist übrigens viel größer und viel billiger. Wir lassen uns hier sowas von verar...!
viceman 07.10.2015
2. wie soll es denn mit den betreffenden pkw weitergehen?
bastel ich an meiner abgasanlage und verschlechtere damit den schadstoffaustoß erschlischt die allg.betriebserlaubnis. von rechts wegenmuß doch also schnellstens der fehler beseitigt werden und der abgasausstoß auf den normwert gebracht werden. geschieht das nict innerhalb eines monats -siehe mängelzettel- darf das fahrzeug nicht mehr bewegt werden. so sollte doch der abklauf sein-oder?
iasi 07.10.2015
3. Nachrichtentheater - wieder mal
Da ist schlagzeilenträchtig von Kosten die Rede, die so manchen Staatshaushalt überfordern würden - wegen einer Abgasuntersuchung. Dabei sind Abgasuntersuchungen so bedeutsam, wie die Verbrauchsangaben der Autohersteller. Der Aktienkurs von VW ist also eingebrochen - und wieder können die Medien ein Drama daraus konstruieren. Dabei bleibt dann natürlich unerwähnt, dass die Aktien immer noch mehr als doppelt so viel wert sind, als vor 10 Jahren. Die Piechs und Porsches sind also noch nicht verarmt - und jeder Arbeitnehmer würde sich sicherlich über eine Verdoppelung seines Lohnes innerhalb von 10 Jahren freuen. Währenddessen ist z.B. Griechenland kein Krisenthema mehr - alle Probleme scheinen gelöst. Welche Schlagzeilen füllenden Krisen hatten wir denn in den vergangenen Wochen noch mal? Im Jan.2016 wird diese VW-Krise wohl ähnlich präsent sein.
rieberger 07.10.2015
4. Entschuldigung
Das ist ein Affront - Entschuldigung an die amerikanische Kunden. Deutsche bzw. europäische Kunden sind offensichtlich kein Wort der Entschuldigung wert?! Der Kunde hat es in der Hand - Boykott von Betrügerfahrzeugen. Allerdings haben Kunden auch keine Probleme damit, sich belügen zu lassen. Siehe ADAC.
bartsuisse 07.10.2015
5. bei allen Kunden um Entschuldigung bitten
auch bei nicht direkt betroffenen Kunden und auch allgemein für den Immageschaden
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