Verdacht auf Marktmanipulation Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-VW-Chef Winterkorn

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren VW-Chef Winterkorn eingeleitet. Es geht um Marktmanipulation.

Martin Winterkorn
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Martin Winterkorn


Im Abgasskandal bei Volkswagen rückt der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn ins Visier der Strafermittler. Grund sei ein Anfangsverdacht auf Marktmanipulation bei Wertpapieren von Volkswagen, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit.

Die Staatsanwälte gehen dem Verdacht nach, dass Volkswagen möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte. Die Ermittler seien auf eine Strafanzeige der Finanzaufsicht BaFin hin aktiv geworden.

Neben Winterkorn richteten sich die Untersuchungen auch gegen ein zweites damaliges Vorstandsmitglied. Die Behörde betonte, dabei handle es sich nicht um den amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch, der früher Finanzvorstand des Konzerns war. Den Namen der zweiten Person nannte die Behörde nicht. Volkswagen lehnte eine Stellungnahme ab. Zunächst wolle man sich die Vorwürfe ansehen.

Weitere Zeugen werden vernommen

Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe sagte, es habe im Zusammenhang mit den neuen Vorwürfen bisher keine Durchsuchungen gegeben. Er könne noch nicht absehen, wie lange das Ermittlungsverfahren dauere. "Wir müssen die Beteiligten jetzt natürlich anhören und weitere Zeugen vernehmen", sagte er.

Der Staatsanwalt sagte weiter: "Ob sich der genannte Anfangsverdacht verdichtet oder entkräften lässt, hängt von dem Ergebnis der erforderlichen weiteren Ermittlungen ab." Es gelte wie in allen anderen Ermittlungsverfahren die Unschuldsvermutung.

Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, bei Dieselautos in den USA Testwerte zum Ausstoß schädlicher Stickoxide manipuliert zu haben. Dies stürzte den Konzern in eine schwere Krise. Eine Pflichtmitteilung an die Finanzwelt über die drohenden Folgen der Affäre gab Volkswagen am 22. September heraus - der Verdacht lautet, dass dies "bewusst verspätet" geschehen sein könnte.

Neuer Konfliktstoff für die Hauptversammlung

Mit den Ermittlungen gegen die beiden damaligen Vorstandsmitglieder erhöht sich die Zahl der Beschuldigten weiter. Bereits im März hatte die Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungen von sechs auf 17 Beschuldigte deutlich ausgeweitet. Dabei geht es um den Verdacht auf Betrug. Im Juni kamen Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter wegen des Löschens von Daten hinzu.

Die Nachricht über die Ermittlungen gegen Winterkorn kommt zwei Tage vor der Hauptversammlung. Bislang hatte der Konzern trotz bereits laufender Ermittlungen im Dieselskandal seinen Aktionären empfohlen, der kompletten Führungsspitze, also allen Mitgliedern von Vorstand und Aufsichtsrat, das Vertrauen auszusprechen. Bei den Untersuchungen zur Abgasaffäre hätten sich bis dato "keine eindeutigen und schwerwiegenden Pflichtverletzungen" von amtierenden oder früheren Vorstandsmitgliedern ergeben, die gegen eine Entlastung sprächen, so Volkswagen.

Am Aktienmarkt hatte die Nachricht kaum Auswirkungen. Die VW-Vorzugsaktie lag am Nachmittag in einem sehr festen Markt weiter mehr als vier Prozent im Plus und war damit in der Spitzengruppe im Dax.

Die wichtigsten Daten und Fakten zur Abgasaffäre

msc/Reuters/dpa

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