Dieselskandal Piëch beschuldigt VW-Aufsichtsräte

Volkswagens ehemaliger Konzernwächter Ferdinand Piëch will vier Aufsichtsräte des Autobauers schon früh über den Dieselbetrug informiert haben. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe gegenüber dem SPIEGEL zurück.
Ferdinand Piëch, Stephan Weil

Ferdinand Piëch, Stephan Weil

Foto: imago

Volkswagens früherer Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat nach Informationen des SPIEGEL vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt, er habe vier Aufsichtsräte des VW-Konzerns frühzeitig über Hinweise auf den Dieselbetrug informiert: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), VW-Betriebsrat Bernd Osterloh, Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber und Wolfgang Porsche.

Piëch hat bei seiner Befragung durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Dezember vergangenen Jahres ausgesagt, ihm selbst habe der ehemalige israelische Botschafter Avi Primor im Februar 2015 ein Schreiben gezeigt, mit dem US-Behörden den VW-Konzern über den Einbau verbotener Software zur Motorsteuerung konfrontiert hätten.

Er habe Anfang März auf dem Automobilsalon in Genf den damaligen Konzernchef Winterkorn dazu befragt. Dieser habe gesagt, es gebe ein solches Schreiben der US-Behörden nicht. Später will Piëch auch die vier Präsidiumsmitglieder des Kontrollgremiums Weil, Osterloh, Huber und Porsche darüber in Kenntnis gesetzt haben.

In einer Erklärung gegenüber dem SPIEGEL erklärt der VW-Aufsichtsrat, dies sei falsch. Die Kontrolleure hätten erst durch die Veröffentlichung der US-Behörden am 18. September 2015 von dem Dieselskandal erfahren. Der damalige Aufsichtsratschef Piëch habe sie zuvor nicht informiert.

Ein Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums sagt: Er sei bereit, eidesstattliche Versicherungen dafür abzugeben. Eine solche Behauptung sei auch völlig unsinnig. "Sonst hätten wir ja nicht auf einen Rückzug Piëchs aus dem Aufsichtsrat gedrängt, sondern kritische Fragen zu Herrn Winterkorn gestellt."

Ministerpräsident Weil erklärte gegenüber dem SPIEGEL: "Mir sind diese Vorwürfe seit einigen Monaten bekannt. Sie sind einer unabhängigen Prüfung unterzogen und als unglaubwürdig bewertet worden. Tatsächlich hat es im Frühjahr 2015 von keiner Seite Hinweise an mich gegeben, Volkswagen nehme unzulässigerweise Einfluss auf Schadstoffwerte. Davon habe ich erst am 19. September 2015 erfahren. Jede anderslautende Darstellung ist schlichtweg falsch."