Abgasskandal Gericht erlaubt Musterverfahren gegen VW

Viele Aktionäre von Volkswagen fordern Schadensersatz wegen des Dieselskandals. Doch haben sie auch Anspruch darauf? Das soll jetzt ein Musterverfahren in Braunschweig klären.

Volkswagen-Gebäude in Wolfsburg
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Volkswagen-Gebäude in Wolfsburg


Es geht um fast vier Milliarden Euro: So hoch ist der Streitwert von 170 Schadensersatzklagen, die Besitzer von VW-Aktien Chart zeigen wegen des Dieselskandals beim Landgericht Braunschweig eingereicht haben. Mit einem sogenannten Vorlagebeschluss hat das Gericht nun den Weg frei gemacht, um die Forderungen in einem Musterverfahren zu klären. "Das ist der Startschuss", sagte Richterin Maike Block-Cavallaro.

Mit dem Beschluss vom 5. August legt das Landgericht dem Oberlandesgericht (OLG) inhaltliche und rechtliche Fragen zum Dieselskandal und möglichen Ansprüchen geschädigter Aktionäre vor. Das OLG legt nun fest, wessen Verfahren repräsentativ für Hunderte anderer VW-Anleger entschieden wird. Mit der Bekanntmachung könne frühestens im vierten Quartal 2016 gerechnet werden, teilte das Landgericht mit.

Die Kläger werfen dem Wolfsburger Konzern vor, über die gesetzeswidrige Manipulation von Dieselfahrzeugen zu spät informiert zu haben. Durch den starken Kursverlust der VW-Aktien nach Bekanntwerden des Verstoßes im September 2015 sei den Investoren Schaden entstanden. Das Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz sieht die Möglichkeit vor, stellvertretend für andere vor dem Oberlandesgericht ein Verfahren zu führen und Streitfragen zu klären.

Die größte Klage über insgesamt 3,255 Milliarden Euro reichte im Namen von 277 institutionellen Investoren der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp ein. Die zweitgrößte Klägergruppe mit einer Forderungssumme von knapp 680 Millionen Euro wird von der Kanzlei Quinn Emanuel vertreten. Kläger, die kein Musterverfahren beantragten, müssen auf eine Entscheidung bis nach einem Urteil im Musterverfahren warten.

VW äußerte sich zunächst nicht zu dem geplanten Verfahren.

dab/dpa/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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winipek 08.08.2016
1. Aktien?!
Ab sofort werden Aktien eingekauft und nachdem diese in den Keller rauschen wird sofort eine Klage angestrebt. Wäre doch gelacht, wenn wir dieses Risikogeschäft nicht abmildern können.... Werden eigentlich auch Aktiengewinne zurückgezahlt, die durch die Manipulation erwirtschaftet wurden?
MartinS. 08.08.2016
2. ...
Nun ja, der Ansatz ist doch schon recht klar umrissen. Der primäre Kursrutsch gehört zum Risiko eines Aktieninhabers. Allerdings steht dem gegenüber eben auch eine Informationspflicht der Aktiengesellschaft. Wenn man VW jetzt nachweisen kann, dass sie ihre Aktionäre nicht rechtzeitig über kritische Untersuchungen informiert haben, sondern da schön den Deckel drauf gehalten, dann könnte das tatsächlich Grundlage für einen Schadenersatzanspruch bei den Aktionären sein. Wenn jetzt natürlich auch noch herauskommt, dass Mitglieder der Geschäftsleitung im kritischen Zeitraum VOR der Veröffentlichung nennenswert Aktienpakete verkauft haben, dann bekommt es tatsächlich ein sehr unangenehmes Geschmäckle.
Frokuss 08.08.2016
3. Naja... eigentlich finde ich das nicht gut...
Es war ja letzten Endes nicht der Konzern, der dies gemacht hat, sondern die Manager, die die Richtung vorgegeben haben... Also sollen auch jene Manager, die davon wussten mit ihrem privaten Vermögen haften... Und nicht am Ende der arbeiter, weil er seinen Job los wird wegen irgendwelcher Einsparvorgängen...
w.diverso 08.08.2016
4. Wenn man es genau nimmt,
dürften nur Käufer klagen, die zwischen dem internen Bekanntwerden der amerikanischen Ermittlungen und der offiziellen Bekanntgabe, gekauft haben. Alle anderen Halter haben einfach Pech gehabt. Warum die großen Investoren nicht mehr mit stop-loss arbeiten, ist auch nicht ganz klar. Man müsste jetzt mit einer von externe kommenden Prüfung klären, ab wann der nette Herr Pötsch von den Ermittlungen gewusst haben sollte. (Warum der überhaupt noch im Konzern tätig ist, ist unerklärlich.) Bin selber mit VW ST, VW VZ und Porsche VZ auch ordentlich im Minus und jammere nicht. Aber man nicht ganz dumm ist, verteilt man auch das Risiko.
d-c-r 08.08.2016
5. dreht sich im Kreis
Wenn die Gesellschaft an ihre Gesellschafter Schadenersatz zahlt, dann werden die Aktien ja noch weniger wert. Wie #03 schon schrieb, könnte nur Geld vom Management gefordert werden. Aber ich denke, deren Verträge werden wohl wasserdicht (oder auf VW-Kosten gut versichert) sein.
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