Kritik an Arbeitskosten Hedgefonds TCI will Niedersachsen aus VW-Aufsichtsrat drängen

Für den britischen Hedgefonds TCI ist das Engagement von Niedersachsen bei VW ein Hemmschuh. Der Investor fordert von dem Bundesland, seine beiden Aufsichtsräte zurückzuziehen.

VW-Tower
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Der britische Hedgefonds TCI drängt Niedersachsen zum Rückzug bei Volkswagen. Der für aktivistische Kampagnen bekannte Investor forderte das Land auf, seine zwei Aufsichtsräte aus dem 20-köpfigen Kontrollgremium abzuziehen.

"Wir möchten, dass sie von ihren Aufsichtsratsposten zurücktreten und es dem neuen Management sofort ermöglichen, Maßnahmen zur Produktivität und Effizienz einzuleiten", sagte TCI-Partner Ben Walker der Nachrichtenagentur Reuters.

TCI hatte Aufsichtsrat und Vorstand des von der Abgaskrise schwer gebeutelten Wolfsburger Konzerns bereits vor Kurzem in einem Brief zu Reformen aufgefordert. Der Fonds will erreichen, dass Europas größter Autobauer mehr Geld an seine Aktionäre ausschüttet und hatte insbesondere die hohen Arbeitskosten kritisiert.

Weder die Landesregierung noch Volkswagen wollten sich dazu äußern. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD) sitzen in dem Kontrollrat. Eine Vertretung im Aufsichtsrat steht dem Land aufgrund des VW-Gesetzes zu, das aus den Sechzigerjahren stammt.

Investoren kritisieren starken Gewerkschaftseinfluss

Angelsächsische Investoren kritisieren seit Langem, dass Niedersachsen zusammen mit der bei Volkswagen besonders mächtigen IG Metall die Geschicke des Autobauers bestimmt. Zusammen stellen die Arbeitnehmer und Niedersachsen zwölf Mitglieder in dem 20-köpfigen Kontrollgremium. Das Land kann zudem als zweitgrößter VW-Eigner dank seiner Sonderstellung mit seinem 20-Prozent-Anteil wichtige Entscheidungen blockieren.

Jede Landesregierung, egal welcher politischer Zusammensetzung, hat sich bisher für die Arbeitsplätze bei VW eingesetzt. In Niedersachsen arbeiten rund 120.000 VW-Beschäftigte, die Wolfsburger unterhalten dort mehrere Werke.

TCI (The Children's Investment Fund) kritisierte, die beiden Politiker im Aufsichtsrat blockierten jede Art von Vorschlägen des Managements, die Produktivität und Effizienz von VW zu steigern, weil sie vor allem die Beschäftigten im Blick hätten. Dies schade der langfristigen Entwicklung von Volkswagen. Arbeitsplätze könnten damit allenfalls kurzfristig gesichert werden, langfristig würden dadurch Stellen gefährdet.

Volkswagen müsse zudem in der Lage sein, im weltweiten Konkurrenzkampf zu bestehen. Derzeit versuche der Wolfsburger Autobauer jedoch, wie "mit beiden Händen auf dem Rücken gefesselt" zu agieren, sagte Walker.

brt/Reuters

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aurichter 13.05.2016
1. Nomen est Omen
Es ist nicht nur ein Hohn, nein der Überflieger bei TCI heisst auch wirklich so. Auch der Grashüpfer, ach nee Heuschrecken werden diese Raffzähne ja genannt, wird sich auch noch eine blutige Nase holen. Die Eigentümer mit richtigem Gewicht bei Stammaktien werden auch diesen Yuppie in die Schranken weisen, aber bei Denen mit ihren wandernden Pensionstöpfen gehört das überschwenglich Klappern zum täglichen Geschäft. Sollte man nicht all zu ernst nehmen, von Denen redet übermorgen kein Mensch mehr.
aurichter 13.05.2016
2. Nachtrag
Zitat/ Dies schade der langfristigen Entwicklung von Volkswagen. Arbeitsplätze könnten damit allenfalls kurzfristig gesichert werden, langfristig würden dadurch Stellen gefährdet./Ende. Allein schon an der Aussage kann man Ermessen, wieviel Ahnung diese Typen haben, nämlich Null. Gerade Volkswagen hat mit Erfolg immer den Personalstand, im Gegensatz zu der Hire&Fire Politik in den USA, trotz diverser Probleme mit klugen Entscheidungen halten können. Welche Ami-Bude kann dies schon von sich behaupten? Mir fällt keine ein. Wer jetzt noch diesen Toilettenskandal dort betrachtet, der braucht nicht sonderlich intelligent zu sein, um den Arbeitsmarkt und die Personalpolitik dort bördengesteuert zu begreifen. Was den Europäern nun mit diesem Gebilde TTIP bevorsteht, läßt sich erahnen. Malmström und Consorten verfolgen gewisse Ziele, zum großen Leidwesen der arbeitenden Bevölkerung.
Bueckstueck 13.05.2016
3. Hintergrundrauschen
Das Gesäusel von Hohn ist bestenfalls Hintergrundrauschen an das man sich nicht mal mehr erinnern wird. Die wirklichen Probleme sitzen bei VW woanders.
MisterD 13.05.2016
4.
So schnerzlich es ist, wir leben nicht mehr im Jahre 1975. Wenn VW seine Lohnkosten nicht in den Griff kriegt und die Effizienz steigert, dann wird es die längste Zeit ein großer Autobauer gewesen sein.
LJA 13.05.2016
5. Grundsätzlich
ist die Kritik nicht unberechtigt. Die Landesregierung muß sich tatsächlich entscheiden, ob sie die Interessen Niedersachsens oder die der IG Metall vertreten will. Beides geht nicht mehr. Es ist aber zu befürchten, daß Weil die Genossen näher stehen als sein Land. Da der Volkswagenkonzern über erhebliche stille Reserven verfügt, die man noch verschwenden kann, wird dann erst einem von Weils Nachfolgern, in ein paar Jahren, die Katastrophe in Form einer Insolvenz auf die Füße fallen.
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