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25. September 2015, 18:39 Uhr

Winterkorn-Nachfolge

Matthias Müller ist neuer VW-Chef

Er soll den Konzern aus der schwierigsten Phase seiner Geschichte führen: Matthias Müller wird neuer VW-Chef. Der bisherige Vorstandsvorsitzende von Porsche will die Abgas-Affäre jetzt "schonungslos aufklären".

Matthias Müller wird neuer Chef des VW-Konzerns. Das teilte das Unternehmen am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in Wolfsburg mit. Der bisherige Porsche-Chef übernimmt die Nachfolge von Martin Winterkorn, der wegen des Abgas-Skandals bei Europas größtem Autobauer zurückgetreten war. "Wir können und werden diese Krise bewältigen", sagte Müller in Wolfsburg.

Es sei seine Aufgabe, "Vertrauen für den Konzern zurückzugewinnen", sagte Müller: "Durch schonungslose Aufklärung und maximale Transparenz, aber auch, indem wir die richtigen Lehren aus der aktuellen Situation ziehen."

Müller war bereits vor dem Treffen der Aufseher als Favorit für den Spitzenposten gehandelt worden. Die Großaktionäre Piëch/Porsche stehen hinter ihm, im Konzern hat er nicht viele Feinde. Man hätte die Personalie eigentlich schon längst verkünden können, doch wahrscheinlich war es allen lieber, dass alles seinen geordneten Gang geht, wo doch sonst praktisch nichts mehr in Ordnung ist.

2,8 Millionen manipulierte Autos in Deutschland

Der 62-Jährige muss VW nun aus der schweren Vertrauenskrise führen, die die Affäre um manipulierte Messwerte bei Abgasen von Dieselmotoren in den USA ausgelöst hatte. Nach Angaben von VW sind weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Bei 2,8 Millionen Autos in Deutschland wurden die Abgaswerte manipuliert, wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag im Deutschen Bundestag sagte. Winterkorn hatte am Mittwoch sein Amt niedergelegt. Inzwischen soll eine US-Anwaltskanzlei die Abgas-Affäre aufklären, wie Volkswagen mitteilte.

Matthias Müller soll dagegen nun ankämpfen. In der Öffentlichkeit kennt man ihn fotogen und oft provozierend lässig: Während andere Marken-Chefs des VW-Konzerns zur pompösen Präsentation neuer Modelle auf Automessen im Anzug erscheinen, tritt der Porsche-Chef schon mal im Pullover ohne Krawatte auf. Seine kleinen Etiketteverstöße sollte man aber nicht mit Disziplinlosigkeit und Mangel an Entschlossenheit verwechseln. Müllers fachliche Qualitäten müssen Ferdinand Piëch überzeugt haben.

Müller, der mit seinem bereits fortgeschrittenen Alter kokettiert, hat praktisch sein gesamtes Berufsleben im VW-Konzern zugebracht. Zunächst als Werkzeugmacherlehrling bei Audi, nach einem Informatikstudium dann als Produktmanager für das Erfolgsmodell A3. Da war Martin Winterkorn Audi-Chef und erkannte Müllers strategisches Talent. Als Winterkorn 2007 zum VW-Chef aufstieg, machte er Müller zum Produktstrategen des Konzerns in Wolfsburg.

Konzernstratege als Hoffnungsträger

Drei Jahre später schickte Piëch ihn in heikler Mission als neuen Chef zu Porsche. Er sollte dafür sorgen, dass die Stuttgarter Sportwagenschmiede ihren Widerstand gegen die Integration in den VW-Konzern aufgibt. Müller schaffte das, ohne sich wirklich Feinde zu machen.

Bei der Aufsichtsratssitzung wurde auch über andere Personalien entschieden: Der Vertriebschef des VW-Konzerns, Christian Klingler, verlässt das Unternehmen wegen des Ärgers um den Abgas-Skandal. Michael Horn leitet trotz des Abgas-Skandals weiter das US-Geschäft von VW in den USA. Der Aufsichtsrat beschloss, das Wolfsburger Auto-Imperium mit seinen zwölf Marken in vier Gruppen zu gliedern. Dabei sollen die einzelnen Marken stärker vom Konzernvorstand koordiniert werden und mehr Verantwortung für die Regionen erhalten.

Die Krise bei Volkswagen wirkt sich neben Audi auch auf weitere Töchter wie Skoda und Seat aus. Innerhalb des Konzerns teilen sich die Unternehmen etliche Bauteile, darunter Motoren und Getriebe. Eine vollständige Liste der betroffenen Modelle gibt es noch nicht. 2009 kam der erste VW-Jetta mit dem Softwaretrick in den USA auf den Markt. Während der Entwicklung war Müller in Wolfsburg für die Konzernstrategie zuständig. Es könnte sich ja möglicherweise herausstellen, dass er von den Vorgängen zumindest einmal gehört hat. Bis es soweit ist, gilt Müller jedoch erst mal als Hoffnungsträger.

mka/mik/dpa/Reuters/AFP

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