Führungsstreit bei Auto-Konzern Piëchs Angriff auf Winterkorn scheucht VW auf

"Ich bin auf Distanz zu Winterkorn": Mit dieser Aussage im SPIEGEL löst VW-Aufsichtsratschef Piëch Befremden im Konzern aus. Arbeitnehmervertreter beteuern ihre Loyalität zum VW-Chef, Niedersachsens Ministerpräsident ist "unangenehm überrascht".

Strippenzieher im Konzern: Piëch im Gespräch mit Winterkorn
DPA

Strippenzieher im Konzern: Piëch im Gespräch mit Winterkorn


Die öffentliche Distanzierung des Volkswagen-Patriarchen Ferdinand Piëch von Unternehmenschef Martin Winterkorn sorgt im Konzern für erhebliche Unruhe. Bislang galt Winterkorn als Nachfolger für Piëch, wenn dieser den Vorsitz des VW-Aufsichtsrates abgibt. Nun aber sagte Piëch dem SPIEGEL: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn". (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh reagierte umgehend auf die Äußerungen und stärkte dem Vorstandschef den Rücken: Ginge es nach dem Betriebsrat, werde Winterkorns Vertrag über 2016 hinaus verlängert, sagte Osterloh, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt. "Weitere Fragen stellen sich derzeit noch nicht, weil Dr. Piëch Aufsichtsratsvorsitzender ist und wir die Kombination zweier starker Persönlichkeiten an der Unternehmensspitze schätzen." Mit dem Betriebsrat werde es keine weiteren Diskussionen über Personen und Funktionen geben.

VW-Konzernsprecher Stephan Grühsem sagte, Winterkorn habe Volkswagen in den vergangenen acht Jahren zu einem der "weltweit erfolgreichsten Automobilkonzerne" gemacht. Auch VW-Aufsichtsrat und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stellte sich hinter Winterkorn. "Ich bin unangenehm überrascht über die zitierten Aussagen von Herrn Professor Piëch", sagte er.

Der frühere VW-Chef Piëch hatte Winterkorn 1981 als seinen Assistenten zu Audi geholt und jahrzehntelang eng mit ihm zusammengearbeitet. Die Familien Porsche und Piëch besitzen die Stimmenmehrheit bei Volkswagen. Ohne Piëch fällt keine zentrale Entscheidung im Unternehmen. Winterkorn und Piëch galten bislang auch als Weichensteller für die mittelfristige Zukunft von VW. Winterkorns Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus, dann geht er auf die 70 zu. Piëch wird Mitte April 78.

"Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen", sagte Piëch dem SPIEGEL. Die Entscheidung werde aber erst 2017 fallen, "kurz vor meinem Ausscheiden". Die Kandidaten seien bereits im Unternehmen. In Vorstand und Aufsichtsrat müssten jeweils Techniker die Führung übernehmen. Piëch dementierte zudem, dass seine Frau Ursula die Leitung des Aufsichtsrats übernehmen könnte, die jetzt schon in dem Gremium sitzt.

Piëch hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach durch sybillinische Äußerungen wichtige Entwicklungen im Konzern beeinflusst. Vor acht Jahren sorgte er dafür, dass Winterkorns Vorgänger an der Konzernspitze, Bernd Pischetsrieder, vorzeitig abtreten musste. Dabei nutzte er die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer, um den früheren BMW-Chef loszuwerden.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nabob 10.04.2015
1. Um gang mit Menschen war noch nie seine Stärke
Er konnte zwar Anfang der 70er Jahre mit dem Prinzip der Leichtigkeit phantastische Rennsportwagen bauen und mit schwächeren Motoren die größere Konkurrenz schlagen, aber offenbar hat er nie aufgehört, im Umgang mit auch geschäftlich nahen, professionell arbeitenden und erfolgreich bilanzierenden Managern in der gebotenen Art auch dann umzugehen, wenn man inhaltlich mal nicht harmoniert. In solchen Situationen lässt er immer den Monarchen raushängen und behandelt seine Leute letztlich wie Sklaven. Das schadet auch dem Ansehen der betreffenden Automarke.
Albalux 10.04.2015
2. Gestern
brachte SPON doch schon das Thema: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/fuehrungskraefte-heiner-thorborg-ueber-psychopathen-chefs-a-1001377.html Da dürften sich doch beide Herren locker wiederfinden, insbesondere die immerwährende österreichische Persönlichkeitsstörung mit ihren Allmachtphantasien.
tailspin 10.04.2015
3. Gehts noch?
Ich frage mich, ob der Piech nicht eine gespaltene Persoenlichkeit hat. Vor einigen Wochen wurde VW Vorstand Winterkorn noch als bestbezahlter Manager einer deutschen AG bezeichnet. Man sollte meinen, dass die Verguetung eines Vorstandes in etwa dem Erfoglserlebnis der Eigentuemer einer AG entspricht. Letzlich wird die Verguetung des Vorstandes durch den Aufsichtsrat von VW festgelegt, dessen Vorsitzender Herr Piech ist. Er ist wohl auch wesentlicher Miteigentuemer von VW. Woher kommt dieser Disconnect?
obruni.ningo 10.04.2015
4. Alles klar Herr Winterkorn...
Mit dem AR Vorsitz wirds wohl nix. Da sind sich ja Piech und moderne Corporate Governance ausnahmsweise mal einig. 2 Techniker an der Spitze der Gremien, wow, ob das gut geht.
catweezle 10.04.2015
5. Herr Piëch ...
... lebt von seinen Verbindungen in die Politik. Er ist schlechthin die "graue Eminenz" in der deutschen Wirtschaft. Wer jedoch derart Machtbesessen ist gehört in keinerlei Verantwortungsposition. Für Herrn Piëch sind Menschen nur Figuren auf einem Schachbrett. Und wenn es mal nicht so läuft wer er es sich wünscht wird es halt unfair. Herr Wiedeking, Herr Wulff und Herr Oettinger werden damit vermutlich ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.