Abgasaffäre VW und Bosch schließen Milliardenvergleiche in den USA

Nun ist klarer, wie viel Volkswagen und Bosch Vergleiche in den USA kosten werden: Mindestens 1,26 Milliarden Dollar wird der Autohersteller an Kunden zahlen, der Zulieferer 327,5 Millionen Dollar.

VW-Händler in Boston
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VW-Händler in Boston


Der Volkswagen-Konzern und Bosch haben im Zuge der Affäre um manipulierte Abgaswerte Zahlungen von insgesamt mindestens 1,6 Milliarden Dollar an Kunden und Händlern in den USA akzeptiert. VW will wenigstens 1,26 Milliarden Dollar zahlen, um Klagen von mehr als 80.000 Besitzern großer Dieselfahrzeuge mit umweltbelastenden Drei-Liter-Motoren beizulegen. Bosch zahlt 327,5 Millionen Dollar an 554.000 betroffene Autobesitzer. Das geht aus Gerichtsunterlagen in den USA hervor.

In Grundzügen waren beide Vergleiche bereits im Dezember bekannt geworden, nun wird klarer, wie viel sie die Firmen kosten werden. Konkret geht es im Fall Volkswagen Chart zeigen auch um Dieselautos der Konzerntöchter Audi Chart zeigen und Porsche Chart zeigen. Etwa 20.000 Fahrzeuge will VW zurückkaufen, weitere 63.000 sollen umgerüstet werden. Dafür müssen die US-Behörden allerdings noch die Genehmigung erteilen.

Sollten diese die technische Lösung aber nicht abnehmen, könnte es für Volkswagen noch wesentlich teurer werden. Laut Gerichtsunterlagen müsste der Konzern dann bis zu vier Milliarden Dollar aufwenden, um alle betroffenen Fahrzeuge zurückzukaufen. Zusätzlich zu den Rückkäufen und Umrüstungen erhalten die Besitzer noch Entschädigungen in Höhe von 7000 bis 16.000 Dollar.

Audi prüft nun, noch mehr Geld zurückzustellen als die 980 Millionen Euro, die das Unternehmen bislang reserviert hat. "Wir bewerten anhand der Gerichtsunterlagen, was wir mit dem Jahresabschluss noch zurückstellen müssen", sagte ein Audi-Sprecher. Für die 480.000 betroffenen Dieselfahrzeuge mit Zwei-Liter-Motoren hat Volkswagen in den USA bereits einen Vergleich erreicht. Dieser wird den Konzern rund 15 Milliarden Euro kosten.

Der Zulieferer Bosch wird 554.000 betroffene Dieselbesitzer in den USA entschädigen. Dafür zahlt das Unternehmen 327,5 Millionen Dollar. Zahlreiche Betroffene hatten Bosch verklagt und dem Konzern aktive Mithilfe bei der Manipulation vorgeworfen. Bosch hatte die Software geliefert, die bei Dieselautos von Volkswagen dafür sorgte, dass die Motoren die Abgaswerte auf dem Prüfstand einhielt, während sie im realen Fahrbetrieb weit mehr Abgase ausstießen.

Der Zulieferer hatte jedoch jegliche Verantwortung für den Einsatz der Software von sich gewiesen. Auch mit dem nun geschlossenen Vergleich räumt Bosch ausdrücklich keine Schuld ein. Das unterscheidet Bosch von VW, der Autobauer hat Fehlverhalten eingeräumt.

Beide Vergleichsvereinbarungen haben jedoch noch eine Hürde zu nehmen: Am 14. Februar muss der zuständige US-Bundesrichter Charles Breyer in San Francisco die Vereinbarungen genehmigen.

fdi/Reuters



insgesamt 13 Beiträge
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manfred.senghaus 01.02.2017
1. Vorauseilender Gehorsam?
Wurden amerikanische VW Kunden mehr geschädigt als europäische und wie lässt sich der Schaden definieren. Die Prüfstandwerte und andere wurden nicht gefordert, erfüllten die Fahrzeuge. Dass beim nicht zertifizierten Straßentest andere Werte gemessen wurden ist unbestritten und dafür zahlt man Milliardenbeträge. Wurden eigentlich schon einmal die amerikanischen Vehikel auf der Straße getestet und wenn ja ,wer hat den Test bezahlt? Zum Glück kaufen wir Europäer ohne zu fragen und zahlen erheblich mehr als die US Kunden für so einen "Volkswagen". Da kann man in der Geschäftsleitung schon etwas großzügiger sein.
werner-xyz 01.02.2017
2. Sowieso alles nur eine Kampagne
gegen deutsche Hersteller. In Amerika sterben täglich fast 80 Personen an Schmerzmitteln. (Fentanyl) Die Hersteller machen 20-30 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr und wurden nur zu 600 Mill. Bußgeld verdonnert, weil Sie Ärzte und Patienten belügen und betrügen bei den Nebenwirkungen und den Dosierungen. Ich habe nichts dagegen, dass VW für Ihren Betrug bestraft wird. Und das zuständige Management gehört ins Gefängnis. Aber bei der Höhe der Strafen geht es ausschlieslich um die Zerstörung eines Wettbewerbers und um sonst nichts. Wäre das ein amerikanischer Hersteller gewesen, wären die Strafen locker um den Faktor 10-100 geringer ausgefallen.
ehrenwort 01.02.2017
3. Eine feste Größe
im US Haushalt dürften diese Strafzahlungen der Deutschen Bank AG, VW und Siemens werden.
funny-smartie 01.02.2017
4. Wann...
.... werden mal amerikanische Autos für den europäischen Markt auf die Einhaltung der Verbrauchs- und Abgaswerte überprüft?
Mister Stone 01.02.2017
5.
Also ich finde jetzt wären endlich auch mal die Chinesen dran. Auch die sollten VW in den USA (!) auf Schadenersatz verklagen. Läuft!
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