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08. Oktober 2015, 19:42 Uhr

US-Chef von VW im Kongress

"Was werden Sie im Gefängnis lesen?"

Von , Washington

Mit einer großen Geste der Entschuldigung tritt der Amerika-Chef von Volkswagen vor den US-Kongress. Die Verantwortung für die Schummel-Software schiebt Michael Horn einzelnen Technikern zu. Manchem Abgeordneten fällt es da schwer, die Ruhe zu bewahren.

Das fängt ja gut an. "VW hat die Nation betrogen. Es ist an der Zeit, die Sache wiedergutzumachen - oder von der Straße zu verschwinden", ruft ein Abgeordneter aus Michigan zu Beginn der Sitzung. "Sie haben uns belogen", sagt der Kollege aus Kalifornien. "Wir lassen uns nicht als Crash-Test-Dummies behandeln." Und Mister Welch aus Vermont fragt: "Was werden Sie im Gefängnis lesen?"

Die Amerikaner sind im Alltag meist umgänglich, aber vor Kongress-Ausschüssen möchte man lieber nicht sitzen, schon gar nicht, wenn man einen großen Skandal zu erklären hat. Die Sitzungen sind öffentlich, sie werden im Fernsehen übertragen, und so werden viele der Aufklärungsverhöre zu wahren Schaukämpfen. An diesem Donnerstag ist das Michael Horn, Amerika-Chef von VW, der wie ein Angeklagter vor den Abgeordneten sitzt.

Es ist ein sehr unangenehmer Auftritt für den VW-Manager. Horn ist der erste aktive VW-Manager, der so öffentlich und ausführlich Fragen zur Abgasaffäre beantwortet. Im September flog auf, dass Volkswagen in bestimmten Dieselmotoren eine illegale Software installiert hatte, die den Schadstoffausstoß manipulierte. Seitdem tut VW sich schwer, die Hintergründe des Skandals zu erklären.

Jedes Wort muss sitzen, das ist auch Michael Horn bewusst. Der VW-Mann, der seit 25 Jahren für den Konzern arbeitet, hat eine dreiseitige Stellungnahme vorbereitet. Schnell wird klar: Er ist vor allem gekommen, um sich zu entschuldigen. "Im Namen unseres ganzen Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland möchte ich eine aufrichtige Entschuldigung anbieten", sagt der VW-Manager. "Ich habe nicht gedacht, dass so etwas bei VW passieren kann." Kurzer Augenaufschlag und weiter geht's im Mea-Culpa-Kurs.

"Fix these things"

Horn versichert, mit den Behörden kooperieren zu wollen, die Autos schnellstmöglich von der Schummel-Software zu befreien und alles dafür zu tun, das Vertrauen amerikanischer Kunden zurückzugewinnen. Er macht das sehr ausführlich. Aber die Aufklärer sind dennoch unzufrieden. Horn ist nicht konkret genug. Er kann nicht sagen, bis wann genau VW das Problem gelöst haben wird, er kann auch nicht berichten, wie die Reparatur der betroffenen Modelle aussehen soll. Das ist schlecht, denn die Abgeordneten hätten es gerne konkret.

"Fix these things", ruft ein Abgeordneter Horn entgegen. "Bringen Sie diese Dinge in Ordnung."

Auch in anderer Hinsicht ist es ein unglücklicher Auftritt des Volkswagen-Managers. Denn so demütig er sich auch gibt: Was seine eigene Rolle angeht, hat Horn auffällig wenig zu verkünden. Im Kern sagt Horn nur: Ich war nicht für die Software verantwortlich. Die Sache haben andere verbockt: Ingenieure. Die Technikabteilung. Wolfsburg.

Dabei ist es schwer zu glauben, dass er gänzlich unbeteiligt war. Schaut man sich die Zeitleiste an, ist es - man muss das so hart sagen - erstaunlich, dass Horn noch immer im Amt ist. Vor dem Ausschuss gibt Horn an, im Frühjahr 2014 erstmals von den Unregelmäßigkeiten bei den Emissionstests erfahren zu haben - mehr als ein Jahr, bevor VW den Betrug eingestand. Unter seiner Führung startete VW im Frühjahr 2015 in den USA einen Rückruf, der den Umweltbehörden eine Lösung vorgaukeln sollte. Unter seiner Führung verheimlichte Volkswagen bis September 2015 den Einsatz der Software.

Horn verweist auf "seine Experten" und die "deutsche Technikabteilung". Diese hätten ihm im Frühjahr 2014 einen Plan versprochen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Darauf habe er sich verlassen. Ich wurde getäuscht, das ist die Botschaft. Doch selbst wenn das stimmte, stünde Horn als jemand da, der seinen Laden nicht unter Kontrolle hat. Hat Horn das Problem unterschätzt? Hat er es nicht wahrhaben wollen? Oder bewusst die Details von sich gehalten? Dazu äußert sich Horn nicht.

Von der Software habe er übrigens erst rund um den 3. September erfahren, jenem Tag, als der Autokonzern den Einsatz offenlegte. Das fällt vielen im Saal dann doch sehr schwer zu glauben.

"Ich kann", ruft ein Abgeordneter aus Texas, "nicht akzeptieren, dass Sie den Betrug auf ein paar Techniker abwälzen."

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