VW-Affäre USA und EU kündigen schärfere Abgastests an

Der VW-Skandal um manipulierte Autos hat auch für alle Hersteller Folgen. USA und EU wollen künftig die Emissionstests verschärfen. Teile der SPD verlangen einen Massenrückruf der in Deutschland betroffenen Fahrzeuge.

VW-Autos im französischen Villers-Cotterêts: "Wir werden ihnen nicht erzählen, was für Tests dies sind"
AFP

VW-Autos im französischen Villers-Cotterêts: "Wir werden ihnen nicht erzählen, was für Tests dies sind"


Erst rund eine Woche ist der Skandal um Volkswagen-Autos in der Öffentlichkeit, schon reagieren US- und EU-Behörden mit strengeren Regeln. Künftig sollen die Abgastests verschärft werden. Die US-Umweltbehörde EPA wies in einem Schreiben an die Hersteller darauf hin, dass sie zusätzliche Prüfungen verlangen könne.

In diesen würde dann untersucht, ob die Abgasnormen unter normalen Fahrbedingungen auf der Straße erfüllt werden - und nicht nur in Testlaboren. "Wir werden ihnen nicht erzählen, was für Tests dies sind. Das brauchen sie nicht zu wissen", sagte EPA-Vertreter Chris Grundler.

Auch EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska kündigte ein konsequentes Vorgehen an. "Unsere Botschaft ist klar: strenge Befolgung der EU-Regeln und null Toleranz bei Betrug." Die EU hat Emissionstests entwickelt, die Autos im Straßenverkehr überprüfen. Sie sollen ab Januar eingeführt werden. Eine Sprecherin der EU-Kommission betonte allerdings, die Brüsseler Behörde gebe nur den regulatorischen Rahmen vor, für die Umsetzung seien die Mitgliedsländer zuständig.

Vor gut einer Woche hatte die US-Behörde EPA bekannt gegeben, dass VW in Diesel-Modellen eine Software zur Umgehung von Emissionskontrollsystemen verbaut habe. Das Programm erkennt, ob das Auto auf einem Teststand läuft, und reguliert dann den Motor so, dass Grenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb liegen die Werte jedoch bis zu 40-mal höher als vorgegeben.

VW hatte daraufhin zugegeben, eine Software zur Manipulation von Abgaswerten eingesetzt zu haben. Stück für Stück kamen in den vergangenen Tagen Details ans Licht: Der Wolfsburger Konzern hatte nach internen Untersuchungen bekannt gegeben, dass weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeuge mit dem umstrittenen Programm ausgestattet seien. In Deutschland sollen nach Angaben von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) 2,8 Millionen Fahrzeuge betroffen sein. Martin Winterkorn war am Mittwoch vom Posten des VW-Vorstandsvorsitzenden zurückgetreten. Am Freitag hatte der Aufsichtsrat den Porsche-Chef Matthias Müller als seinen Nachfolger bestätigt.

"Sofort und freiwillig in die Werkstätten rufen"

Der SPD-Bundestagsfraktion reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus. Sie fordert die kostenlose Umrüstung der in Deutschland betroffenen VW-Fahrzeuge. "VW muss die manipulierten Fahrzeuge in Deutschland sofort und freiwillig in die Werkstätten rufen und die Manipulation beheben", sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol der "Bild"-Zeitung. Der Konzern müsse verloren gegangenes Vertrauen wieder gutmachen.

Der Geschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte, Volkswagen helfe in dieser Krise nur Transparenz und Kulanz: "VW wird den Abgas-Skandal nur überstehen, wenn der Konzern alle Manipulationen veröffentlicht und alle betroffenen Fahrzeuge zurückruft und umweltgerecht umrüstet."

Erklärvideo: Wie das Auto merkt, dass es geprüft wird

SPIEGEL ONLINE

yes/Reuters/AFP

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Circular 26.09.2015
1. Jetzt hilft nur eine Reduzierung der Motorleistung
und eine fixe Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Schneller muss nicht sein.
herbst 26.09.2015
2. Was für ein Unsinn
Wiedermal zeigt sich die deutsche Politik völlig dämlich. Man muss nur einfach wieder anfangen wieder richtig zu messen statt die (manipulierten) Werte aus dem Bordcomputer abzufragen. Oder man verzichtet ganz auf die Geldschneiderei und baut einfach eine Warn-LED ein, die der TÜV mit prüft.
empörteuch! 26.09.2015
3. Es ist unklar was die Motoren können!
Die Manipulation des Verbrennungsvorganges geschieht doch, weil eben diese Motoren keine optimale Leistung unter den "abgasoptimierten" Bedingungen bringen. Mir fehlen die fachlichen Berichte hierzu! Was ist technisch eigentlich das wirkliche Problem.
ctwalt 26.09.2015
4. endlich...
hat es ein Ende mit 2,5 Tonnen SUV, die im Drittelmix 7 Liter auf 100km verbrauchen sollen........
rudi.waurich 26.09.2015
5. Na, da bin
ich mal gespannt. Es braucht ja wohl niemand zu vermuten, daß nur bei VW getrickst wurde. In der restlichen Automobilindustrie dürfte es kaum viel besser aussehen.
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