Verkauf von Versuchsautos Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen gegen VW

Die Affäre um Tausende unzulässig verkaufte Vorserienautos hat für den VW-Konzern nun auch juristische Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat auf einen Bericht des SPIEGEL hin Vorermittlungen eingeleitet.
Volkswagen- und Audi-Modelle im Emdener Hafen

Volkswagen- und Audi-Modelle im Emdener Hafen

Foto: Jˆrg Sarbach/ picture alliance/dpa

Seit Montag untersuchen Ermittler der Staatsanwaltschaft Braunschweig, ob Volkswagen beim Verkauf Tausender Risikofahrzeuge womöglich Betrug begangen hat. Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe sagte gegenüber dem SPIEGEL, im Rahmen eines Vorermittlungsverfahrens werde geprüft, "ob der Anfangsverdacht strafbaren Verhaltens besteht".

Mit den Vorermittlungen reagiert die Staatsanwaltschaft Braunschweig auf die jüngste Berichterstattung des SPIEGEL . Demnach hat VW Tausende Vorserienfahrzeuge, die zu Testzwecken dienten, ungeprüft als Neu- oder Gebrauchtwagen auf den Markt gebracht, viele davon im Ausland. Die interne Revision hat allein für die Baujahre 2010 bis 2015 mehr als 9000 Fahrzeuge mit "unklarem Bauzustand" ausgemacht. Autos, die so nie auf den Markt hätten kommen dürfen, weil sie die unterschiedlichsten Mängel aufweisen können.

Volkswagen hat mittlerweile zugegeben, zwischen 2006 und 2018 ungefähr 6700 Fahrzeuge ohne gültige Zulassung verkauft zu haben, davon 4000 in Deutschland. Der Konzern behauptet, Vorserienautos zu verkaufen sei grundsätzlich erlaubt. Allerdings habe man es versäumt, zu dokumentieren, was an den betroffenen Fahrzeugen nicht serienmäßig sei.

"Unzulässig in den Verkehr gekommen"

Im September hat Volkswagen das Kraftfahrt-Bundesamt darüber informiert. Die Behörde ordnete daraufhin einen verpflichtenden Rückruf an und informierte die EU. "Diese Fahrzeuge sind unzulässig in den Verkehr gekommen", sagte das Bundesverkehrsministerium vergangene Woche dem SPIEGEL. Das Verkehrsministerium prüft nun seinerseits, ob es ein Bußgeld gegen Volkswagen verhängt.

Betroffene Kunden hat Volkswagen vergangene Woche per Post informiert. VW wolle die Autos gerne zurückkaufen: "Wir bedauern diese Umstände zutiefst und bitten Sie um Entschuldigung."

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