Dieselaffäre Vier VW-Mitarbeiter belasten Winterkorn und Diess

Was wusste der heutige VW-Konzernchef Herbert Diess über den Abgasbetrug wirklich? Nach SPIEGEL-Informationen haben vier Beschuldigte ausgesagt, er und sein Vorgänger Martin Winterkorn seien frühzeitig informiert worden.
Herbert Diess, seit April 2018 Vorstandschef der Volkswagen AG

Herbert Diess, seit April 2018 Vorstandschef der Volkswagen AG

Foto: Steve Marcus/ REUTERS

In der VW-Dieselaffäre geraten der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn und der amtierende Vorstandsvorsitzende Herbert Diess immer stärker in den Blick der Justiz. Nach SPIEGEL-Informationen haben vier in der Affäre beschuldigte Techniker und ehemalige Manager bei der Staatsanwaltschaft in Braunschweig Aussagen getätigt, die Winterkorn und Diess belasten könnten. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL .)

Dabei stimmen sie im Kern in ihren Aussagen überein, dass die VW-Führungsspitze frühzeitig und umfassend über die in den USA eingesetzte Umschaltsoftware in Diesel-Pkw und über drohende Strafzahlungen informiert worden seien. Trotzdem seien die US-Behörden später hingehalten worden. Auch eine Information für die Aktionäre gab es nicht.

Bei ihren Aussagen beziehen sich die Mitarbeiter auf den sogenannten Schadenstisch am 27. Juli 2015, eine Veranstaltung, die Ex-Chef Winterkorn ins Leben gerufen hatte, um Missstände und Fehler zu besprechen, und an der auch der damalige VW-Vorstand Diess teilnahm.

Bei dem Treffen soll im Kreis von etwa einem Dutzend Managern ungefähr eine halbe Stunde lang über wesentliche Aspekte der später als illegal eingestuften Umschaltsoftware, über drohende Schäden, Strafen und Handlungsoptionen in den USA gesprochen worden sein. Es wurden auch Folien präsentiert, aus denen das Ausmaß des US-Betruges sichtbar geworden sein soll. Ausgeteilte Kopien habe man aus Sicherheitsgründen später wieder eingesammelt.

VW: Nicht den Eindruck eines unlösbaren Problems vermittelt

Trotz der eindeutigen Präsentation seien die US-Behörden im Anschluss an diese Veranstaltung wochenlang hingehalten worden, und die Aktionäre habe der Konzern gar nicht über den Betrug und die Konsequenzen informiert.

VW verbreitet eine andere Version. Danach hat es im Anschluss an den Schadenstisch lediglich eine Art informelles Treffen im kleinen Kreis gegeben. Diess und Winterkorn sei nicht der Eindruck vermittelt worden, dass es ein nicht lösbares Problem in den USA gebe. Schon gar nicht, dass es sich um Betrug handeln könne.

Diess und Winterkorn äußern sich nicht zu dem laufenden Verfahren. Bei internen Untersuchungen haben sie ausgesagt, sie seien nicht über mögliche Gesetzesverstöße informiert worden. Diess will angeboten haben, persönlich in die USA zu fahren und die Probleme mit den dortigen Behörden zu klären.

Bislang hat Volkswagen immer erklärt, die Dieselaffäre sei nur das Werk einer Gruppe von Ingenieuren unterhalb der Vorstandsebene gewesen. Gegen diese geht der Konzern nun in aller Härte vor. Nach SPIEGEL-Informationen droht mehreren Beschuldigten die Kündigung - darunter auch jene, die Diess und Winterkorn belastet haben.