Abgasaffäre VW gibt Gewinnwarnung raus

Die Volkswagen-Abgasaffäre weitet sich drastisch aus: Der betroffene Motortyp ist weltweit in elf Millionen Fahrzeugen eingebaut. Der Autokonzern stellt 6,5 Milliarden Euro zurück und spricht eine Gewinnwarnung aus.
VW-Jetta-Fahrzeuge in Mexiko: 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt

VW-Jetta-Fahrzeuge in Mexiko: 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt

Foto: Felix Marquez/ AP/dpa

Die Affäre um Manipulationen bei Abgasmessungen schlägt sich voraussichtlich erheblich auf die Geschäftszahlen von Volkswagen aus. Der größte Autohersteller Europas hat eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Demnach würden nach internen Prüfungen im dritten Quartal rund 6,5 Milliarden Euro "ergebniswirksam zurückgestellt", teilte VW am Dienstag mit. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher.

Interne Prüfungen hätten ergeben, dass die Software zur Manipulation der Abgaswerte in deutlich mehr Fahrzeugen eingebaut ist als bisher bekannt, teilte VW mit. Bei der Mehrheit dieser Motoren habe die Software allerdings keinerlei Auswirkungen. So erfüllten die aktuell in der EU angebotenen Dieselautos die gesetzlichen Anforderungen. Die Software beeinflusse bei ihnen weder Fahrverhalten noch Verbrauch und Emissionen.

Auffällig seien Fahrzeuge mit dem Motorentyp EA 189. Davon gebe es weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge. Nur bei diesem Typ sei "eine auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb festgestellt", heißt es in der VW-Mitteilung. Das Unternehmen stehe dazu in Kontakt mit den zuständigen Behörden und dem deutschen Kraftfahrtbundesamt.

Aktie stürzt erneut ab

Die 6,5 Milliarden Euro, die der Konzern zurückstellen will, unterliegen der Mitteilung zufolge "Einschätzungsrisiken" - eine Umschreibung dafür, dass der Konzern noch nicht weiß, wie teuer ihn die Abgasaffäre in den kommenden Monaten tatsächlich zu stehen kommt. Die Summe solle "notwendige Service-Maßnahmen" abdecken sowie "Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurückzugewinnen".

Die Volkswagen-Aktie   verlor nach der Gewinnwarnung massiv an Wert. Ihr Kurs fiel zeitweise um 23 Prozent, nachdem er schon am Montag 18,6 Prozent verloren hatte. Das entspricht einem Wertverlust von Volkswagen von knapp 27 Milliarden Euro seit Beginn der Abgasaffäre. Später am Dienstag stabilisierte sich der Kurs bei Verlusten von rund 18 Prozent.

Ermittlungen der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA hatten die Abgasaffäre ins Rollen gebracht. Bei Tests in den USA war festgestellt worden, dass einige VW-Diesel-Modelle auf dem Prüfstand deutlich geringere Abgaswerte anzeigten als im normalen Fahrbetrieb auf der Straße. Am Dienstag teilte das italienische Verkehrsministerium mit, Ermittlungen gegen Volkswagen einzuleiten. Auch die Behörden in Deutschland, Südkorea, der Schweiz und Frankreich haben inzwischen angekündigt, Dieselfahrzeuge auf Manipulationen zu untersuchen.

"Wir haben es völlig verbockt"

Allein in den USA drohen VW nun Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar - und darüber hinaus Rückrufkosten, strafrechtliche Folgen sowie mögliche Regressansprüche enttäuschter Kunden und Aktionäre. Einige Branchenexperten wie der Equinet-Analyst Holger Schmidt bezweifeln daher, ob die 6,5 Milliarden Euro an Rückstellungen ausreichen werden.

Volkswagen hatte kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits ein Fehlverhalten eingeräumt und versprochen, mit der EPA zu kooperieren. Der Konzern erließ zudem einen Verkaufsstopp für die betreffenden Modelle in den USA. US-VW-Chef Michael Horn bat am Montag öffentlich um Verzeihung. Volkswagen sei unehrlich zu den Umweltbehörden und seinen Kunden gewesen, sagte der Manager in New York: "Wir haben es völlig verbockt." Auch Konzernchef Martin Winterkorn hatte sich öffentlich entschuldigt.

VW-Amerika Chef im Video: "We screwed up"

fdi/bkr/dpa/AFP/Reuters
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