Dieselskandal VW scheitert mit Kündigung von Managerin

Wegen des Dieselskandals hat VW viele Führungskräfte entlassen, sieben zogen dagegen vor Gericht. Eine erste Kündigung wurde nun für unwirksam erklärt - weitere Niederlagen für den Konzern könnten folgen.

VW-Werk in Wolfsburg
Julian Stratenschulte/DPA

VW-Werk in Wolfsburg


Volkswagen hat am Arbeitsgericht Braunschweig eine Niederlage gegen eine ehemalige Managerin kassiert. Das Gericht erklärte die Kündigung der Frau im Rahmen des Dieselskandals für unwirksam und wies Schadenersatzansprüche des Autobauers ab.

VW hatte die Abteilungsleiterin entlassen, weil sie aus Sicht des Konzerns ihre Pflichten verletzt hatte. Sie hätte Vorgänge bei der Produktion einer Schummelsoftware zum Kleinrechnen von Dieselabgasen übergeordneten Führungsebenen melden müssen, so der Vorwurf.

Die Frau hatte daraufhin eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Das Gericht gab dieser statt. Da VW der Frau erst 2018 gekündigt habe, drei Jahre nach Bekanntwerden ihrer Verwicklung in die Manipulationen, sei das Kündigungsrecht verwirkt gewesen, hieß es zur Begründung.

Der Autobauer müsse sich eine "grob fahrlässige Unkenntnis" des damaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn zurechnen lassen, so das Urteil weiter.

Das Gericht verwies auf eine Studie der unabhängigen Forschungsorganisation ICCT, die bereits 2014 darauf hingewiesen hatte, dass Stickoxidwerte von VW-Dieselfahrzeugen in den USA um ein Vielfaches über den Grenzwerten lagen. Zudem habe die amerikanische Umweltbehörde EPA bereits ermittelt.

Winterkorn hätte eine an ihn gerichtete Mitteilung vom 5. November 2014 über ein geplantes Emissionssoftwarepaket beachten und Maßnahmen im Hinblick auf die Manipulationssoftware ergreifen müssen.

Managerin war sogar noch befördert worden

Die frühere Abteilungsleiterin hatte argumentiert, sie sei lediglich mit der Erstellung einer neutralen Software befasst gewesen, über deren Verwendung sie nicht zu befinden gehabt habe. Die ihr übergeordneten Managementebenen hätten außerdem an den Manipulationen mitgewirkt.

Ein ihr zur Last gelegtes Löschen von Daten sei ferner auf Anweisung erfolgt. Der Autobauer habe mit ihrer Kündigung außerdem zu lange gewartet und sie nach Bekanntwerden des Dieselskandals sogar noch befördert.

Ob Volkswagen gegen die Entscheidung beim Landesarbeitsgericht in Berufung geht, war zunächst nicht klar.

Der Streit mit der Ex-Managerin ist nur eine von mehreren Kündigungsschutzklagen, mit denen sich VW auseinandersetzen muss. Ob sich für den Autobauer aus der Entscheidung Schlüsse für die Klagen von sechs weiteren Managern ergeben, könne man erst nach Bewertung der schriftlichen Urteilsbegründung sagen, sagte ein Sprecher.

Im Dieselskandal hatte VW Schadstoffgrenzwerte bei Tests nur mit Software-Manipulationen eingehalten. 2015 hatten US-Behörden die Manipulationen aufgedeckt. Weltweit waren Millionen von Autos betroffen, in den USA waren es rund 600.000 Fahrzeuge des Konzerns.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
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Piantao 25.07.2019
1. Die Chefs lernen nicht dazu
logisch das man es sich nicht vorstellen kann das eine Abteilungsleiterin etwas derartig entscheidendes unternimmt ohne Absprache mit "oben". Das halte ich auch heute noch für ein Gebot des "Obrigkeitsgefühl" in Deutschland.
tatsache2011 25.07.2019
2.
"Die kleinen hängt man, die großen lässt man laufen" funktioniert nicht in einem demokratischen Rechtssystem.
Lesenkönner 25.07.2019
3. Oh je...
damit hat VW die Tatsache einer Manipulation also eingeräumt, wenn deshalb der Angestellten gekündigt wurde. Das hat VW bislang immer bestritten und behauptet, die Software sei legal. Klassisches Eigentor und grober Fehler in der Rechtsberatung.
lucky.sailor 25.07.2019
4. Vorsätzlich trotz Kenntnis ...
... und nicht nur "grob fahrlässig" hat Herr Winterkorn und das Topmanagement der VW-Gruppe Millionen Kunden, die Behörden und die Aktionäre betrogen. Gut, dass Herr Diess das mittlerweile (unabsichtlich?) auch öffentlich eingeräumt hat. Schlecht, dass VW noch immer nicht juristisch gegen die wahren "Ganoven" vorgeht, sondern weitermacht mit VORSPRUNG DURCH TÄUSCHUNG!
gelikiel 25.07.2019
5. VW Arroganz
So geht der VW Vorstand mit Kunden und Mitarbeitern um. Nach 3 Jahren fristlose Kündigung und Schadenersatz über 30 Mdr.Euro was für eine Frechheit vom Vorstand der ja von allem nichts wusste ???????? Wer so mit seinen Mitarbeitern umgeht von dem kaufe ich kein Auto. Was sagt dazu der Vorstand für Recht und Compliance ?
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