Trotz Abgasskandal VW-Vorstände bestehen auf hohen Bonuszahlungen

Sie sprechen von einer "existenzbedrohenden Krise", doch auf ihren Bonus wollen die VW-Vorstände nach SPIEGEL-Informationen nicht verzichten. Aufsichtsratschef Pötsch ließ sich den Wechsel ins Kontrollgremium besonders teuer bezahlen.
Hans Dieter Pötsch und Matthias Müller

Hans Dieter Pötsch und Matthias Müller

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Die Vorstände des angeschlagenen Autobauers VW wollen eine Streichung ihrer Boni nicht akzeptieren. Kurz vor der Entscheidung des Aufsichtsrats über die Vorstandsentlohnung wollen Top-Manager nach Informationen des SPIEGEL nun allenfalls eine Kürzung ihrer Boni hinnehmen, aber nicht völlig auf sie verzichten. Im Jahr zuvor hatte der damalige VW-Chef Martin Winterkorn mehr als drei Millionen Euro Bonus kassiert.

VW-Chef Matthias Müller hatte Ende vergangenen Jahres noch eine Gehaltskürzung für den Vorstand angeregt. "Dabei geht es um den Bonus für 2015", hatte er gesagt: "Es ist klar, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen. Auch hier muss die Unternehmensspitze Vorbild sein."

Besonders brisant ist eine Sonderzahlung an Hans Dieter Pötsch. Als der Manager im Oktober 2015 vom Vorstand an die Spitze des Aufsichtsrats wechselte, ließ er sich eine Entschädigung dafür zahlen, dass sein Vorstandsvertrag noch bis 2017 gelaufen wäre und ihm deutlich höhere Einnahmen garantierte. Es soll sich dabei um knapp zehn Millionen Euro handeln.

Pötsch hatte damals gesagt, der Volkswagen-Konzern gerate durch den Abgasskandal und die drohenden Strafzahlungen in eine "existenzbedrohende Krise". Für seine eigene Existenz sorgte er aber offenbar umso eifriger vor.

Im Aufsichtsrat wird es in der Bonus-Frage zum Konflikt mit den Arbeitnehmervertretern kommen. Ein Betriebsrat sagt: "Dem Management fehlt offenbar jedes Gespür für den Ernst der Lage."