Abgasaffäre VW will Diesel-Verkäufe mit Billigkrediten ankurbeln

Autohändler fühlen sich von Volkswagen in der Dieselkrise allein gelassen. Nun hat das Unternehmen den Verkäufern Hilfe versprochen: Für einige Modelle soll es nach SPIEGEL-Informationen eine Sonderfinanzierung geben.

Wolfsburger Autohändler
DPA

Wolfsburger Autohändler


Nach scharfer Kritik durch die Autohändler hat Volkswagen seinen Partnern Hilfe beim Verkauf von Dieselfahrzeugen zugesagt. Die Diskussion um Fahrverbote habe "deutliche Veränderungen im Kaufverhalten" verursacht, räumt der Autohersteller in einem Brief an seine Handels- und Servicepartner in Deutschland ein. "Die Dieselanteile geraten im Gesamtmarkt und auch bei uns unter Druck." (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 39/2017
Zehn Wege für Bildung und Erziehung - Wie Schule endlich gelingt

VW habe sich daher entschlossen, "ab sofort" die Vermarktung von Dieselautos der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 "verstärkt zu unterstützen". Vorgesehen sei eine Null-Prozent-Sonderfinanzierung. Die Kosten für diese Maßnahme will VW allein tragen. Bislang hatte die unternehmenseigene Volkswagen Bank in der Regel nur Autokredite mit fast zwei Prozent Effektivzins angeboten.

Am Samstag teilte VW in einer Stellungnahme mit, die Sonderfinanzierung gelte nur für gebrauchte Fahrzeuge.

Das Zugeständnis an die Händler kommt nur wenige Tage, nachdem Händlerverbandschef Dirk Weddigen von Knapp die VW-Führung im SPIEGEL-Interview attackiert hatte: Volkswagen lasse die Händler mit verunsicherten Kunden allein. Die versprochenen Softwareupdates seien unzureichend, der Verband prüfe Schadensersatzforderungen. "Wir haben einen Skandal, und wie der Konzern damit umgeht, ist unglaublich. Man bekennt sich nicht mehr schuldig für das, was man verursacht hat", sagte Weddigen von Knapp.

Auf die Vorwürfe geht VW in dem Brief allerdings nur beiläufig ein - und äußert Unverständnis. Die "Kommunikation des Gesamtverbands", schreibt der Autohersteller, habe "für Verwunderung gesorgt". Man lasse sich davon "nicht beirren".

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

amp/sh



insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ein-berliner 23.09.2017
1. Wir haben verstanden
Dem deutschen privaten Käufer kann man schnell noch die dreckigsten Touarek schmackhaft machen bevor sie vom Markt verbannt werden und ihre Zulassung verlieren. Auf zu neuen Ufern der Verkaufsstrategen, bevor der schlafende Kunde aufwacht und den Betrug bemerkt. Den Dienstwagenfahrer tangiert dieses Thema allerdings nur sehr peripher, da hilft der Fiskus garantiert.
thequickeningishappening 23.09.2017
2. Kosmetische Maßnahme
Damit wird sich kein potentieller Kaeufer zusaetzlich anlocken lassen! Die Allgemeine Verunsicherung bzgl der Zukunft des Diesel ist wesentlich größer als 2% auf Raten! Bei Barzahlung gibt's eh schon bis zu 30% Rabatt auf den Listenpreis !
ganzeinfach 23.09.2017
3. VW muss zuerst alle angerichteten Schäden beheben
Erst dann ist daran zu denken - falls die Kasse immer noch im Plus ist - günstigere Finanzierungen aus deren Haus anzubieten. Sonst bezahlt das alles der deutsche Steuerzahler im Falle einer Insolvenz. VW-Verhalten bis jetzt: arrogant, überheblich, uneinsichtig. Ganzeinfach eine unerträgliche Schweinerei.
prince62 23.09.2017
4. Ohne Hardwarelösung ist der Diesel mausetot und am verwesen.
VW will und kann es offenkundig nicht kapieren, ohne Hardwarelösung ist der Diesel schlicht und einfach unverkäuflich, weil in naher Zukunft massive Fahrverbote fürdiese Dreckschleudern in den Städten kommen werden, ärgert und wundert mich sowieso schon seit Monaten, warum diese Dreckskarren überhaupt noch in die Städte fahren dürfen, aber für die Regierung der marktkonformen Demokratie ist das betrügerische und hochkriminelle Gewinnstreben weniger vorrangig vor dem grundgesetzlich garantierten Recht auf Unversehrtheit für alle Bürger. Übrigens hat jetzt auch der ADAC bewiesen, daß die Hardwarelösung für den größten Teil der Dieselstinker funktioniert, aber das wollen bzw. können VW-Müller, Audi-Stadler und Co. offenkundig nicht zur Kentnis nehmen, weil die fälligen Umrüstungskosten die Konzerne bezahlen müssten und deshalb nicht sein kann, was nicht sein darf, denn sonst sinken ja die Gewinnprämien zu Jahresende.
lalito 23.09.2017
5. 2 %
Zwei Prozent . . . für Euro 5 und 6 . . . da fliegt ja gleich das Blech weg, hui! Heißt ja wohl: Bis die Produktionslinien abgeschrieben sind, also bis zum bitteren dreckigen Ende, na denn. Obersmarte Typen wie Müller lassen einen Neuanfang nicht zu. Vertrauen gibt's erst wieder über lange Zeiträume generiert, mit anderen Charakteren und vor allem von Grund auf sauberen Produkten. So geht Vorreiten jedenfalls nicht, Mr. 2 Percent. Und für den gemachten Mist einstehen, das sieht auch ganz anders aus als irgendwas mit Software.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.