Abgasskandal VW-Konzern wehrt sich gegen Milliardenklage

Volkswagen verteidigt sich gegen Vorwürfe der US-Behörden, auch bei Autos mit größeren Motoren geschummelt zu haben. Es geht um Modelle von VW, Audi und Porsche. Dennoch werde weiter über einen Vergleich verhandelt.

VW Touareg bei einem Autohändler in New York
REUTERS

VW Touareg bei einem Autohändler in New York


Im Abgasskandal hat Volkswagen einige Vorwürfe der Milliardenklage von US-Behörden vorerst zurückgewiesen. Der Autohersteller wehrt sich gegen die Anschuldigung der amerikanischen Umweltbehörden, auch bei seinen 3,0-Liter-Autos geschummelt zu haben. Die US-Anklage habe keine Belege dafür erbracht, dass VW, Audi und Porsche bei diesen Modellen wissentlich manipuliert hätten, erwiderte der Konzern auf die Klage. Bei den 2,0-Liter-Motoren seiner Fahrzeuge, die den weitaus größten Teil der beanstandeten Fahrzeuge ausmachen, hatte der Konzern zuvor Manipulationen durch eine Schummelsoftware eingestanden.

Die Anwälte des Autobauers forderten den zuständigen Richter Charles Breyer auf, beim laufenden Rechtsstreit die 3,0-Liter-Modelle betreffenden Punkte der Anklage abzuweisen. Dennoch werde weiter über einen Vergleich verhandelt, so Volkswagen Chart zeigen.

Beim Streit über die Modelle mit größeren Motoren geht um rund 85.000 Fahrzeuge, etwa Audi-Luxusmodelle, einige VW-"Touareg" und Porsche-"Cayenne". Für diese Motoren hatte Audi im November eingeräumt, dass sie mit einer strittigen Software ausgestattet sind. Der Konzern hatte es versäumt, dies den US-Behörden vorschriftsmäßig zu melden. VW weist allerdings zurück, dass diese Software ein Schummelprogramm sei. Sie gleiche nicht derjenigen der rund 480.000 von der Affäre um manipulierte Abgaswerte betroffenen 2,0-Liter-Autos, die den größte Teil der angeprangerten Motoren ausmachen. Insgesamt sind aus dem VW-Konzern rund 580.000 Autos in den USA von Manipulationen betroffen.

Das US-Justizministerium, das die Klage wegen Verstößen gegen das Luftreinhaltegesetz im Januar im Auftrag des Umweltamts EPA eingereicht hatte, ließ Anfragen zunächst unbeantwortet. Bei den Dieselautos mit den kleineren 2,0-Liter-Motoren hatte der Konzern im April eine Grundsatzeinigung auf einen Vergleich mit der US-Justiz erzielt. Bis zum 21. Juni sollen die abschließenden Details geklärt sein, fordert Richter Breyer. Über Zwischenstände sollen die Streitparteien bereits an diesem Donnerstag bei einer Anhörung in San Francisco informieren.

kig/dpa



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Rubyconacer 17.05.2016
1. GM in Deutschland anklagen
Bin mal gespannt, ob Deutschland jetzt gegen GM auch klagt, da die Opel-Schummelsoftware angeblich sogar in den USA geschrieben worden sein soll. Umd selbst wenn, ist Opel ei amerikanisches Unternehmen. Da kann man die gewünschten Milliarden ja fein gegeneinander aufrechnen. Ich sterbe nämlich auch bald an Opelabgasen und bin der Meinung, dass nur die Opels hier ganz allein für die Innenstadtvergiftung infrage kommen. ;-)
raber 17.05.2016
2. Hat Audi-Porsche-VW 2 Betrugsprogramme entwickelt?
Bei diesen Modellen wurde laut VW nicht "wissentlich manipuliert". Vielleicht also unwissend wie bei VW anscheinend üblich und erst recht in den oberen Etagen. Was wurde denn nun seitens VW im November als strittige Software eingeräumt? Abgesehen von der Verniedlichung der Sachlage und sie als Schummel zu beurteilen, ist der Bericht auch konfus. Merkwürdiges Vorgehen des konzerns zu dieser Krise auf allen Ebenen und in allen Aspekten.
vegeta73 17.05.2016
3. Schummeln und betrügen
Wann endlich werden in Deutschland die Dinge beim Namen genannt. Es geht hier nicht um Kinderschummeln sondern den grössten Wirtschaftsbetrugsfall aller Zeiten!!! Hört endlich mit diesem Verniedlichen auf. Das ist peinlich, falsch und skandalös!!
rathat 17.05.2016
4. Nichts gelernt.
Was ist mit der versprochenen Transparenz geworden? Mit dem groß angekündigten Neustart? Nichts! VW ist unwillens und unfähig sich zu Ändern. Es wird weiter betrogen, wie eh und je. Warum sollte man denn sonst Software bei den Behörden nicht anmelden? 'Vergessen' ist in einem Unternehmen mit 600.000 Mitarbeitern keine glaubwürdige Entschuldigung. Vielleicht hat die in den 3.0L Motoren die Software nicht so auffällig betrogen, wie in den 2.0L Motoren, dass aber eine nicht-angemeldete Software zu einem Behördenbetrug verwendet wurde, davon kann - und muss - ausgegangen werden. 'In dubio pro reo' kann in einem solchen Fall nicht gelten, da es für Behörden praktisch nicht möglich ist, in den verwendeten Quellcode Einsicht zu nehmen. Hier sollte die Beweislast umgekehrt werden und VW GLAUBWÜRDIG darlegen, dass die verwendete Software legal ist. Im Nachhinein und in Anbetracht der Umstände bei den 2L Motoren ist das eben schwierig - aber eben das Problem von Volkswagen und nicht das der Strafverfolgungsbehörden.
estabia1 17.05.2016
5. @vegeta73
bei größtem betrug fällt mir eher enron ein - nicht unbedingt vw ;)
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