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24. Oktober 2015, 14:49 Uhr

Sparmaßnahme nach Abgasaffäre

Volkswagen will Beförderungen stoppen

Bei VW werden die Sparmaßnahmen konkreter. Nach Informationen des manager magazin will der Autohersteller im kommenden Jahr keine Mitarbeiter befördern. Doch der Betriebsrat sperrt sich.

Viele Angestellte der Marke Volkswagen sollen infolge des Abgasskandals offenbar karrieretechnisch erst einmal auf der Stelle treten. Wie das manager magazin berichtet, haben sich der Markenvorstand und der Betriebsrat unter anderem darauf geeinigt, für 2016 auf Beförderungen zu verzichten.

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh erklärte jedoch, die Arbeitnehmervertreter hätten diesem Plan noch nicht zugestimmt. "Hier handelt es sich um einseitige Vorstellungen des Vorstands, die wir so nicht akzeptieren werden. Das haben wir Freitag mit dem Personalwesen besprochen", sagte Osterloh der Nachrichtenagentur dpa.

Der Betriebsrat werde sich gegen "bloße Symbolpolitik auf dem Rücken von Beschäftigten" nach Kräften wehren. "Wir erwarten andere Symbole zuerst: zum Beispiel eine klare Aussage, wie sich der Konzernvorstand zu seinen Boni-Zahlungen stellt. Hier muss die Devise lauten: mit gutem Beispiel voran", sagte Osterloh.

VW reagiert mit einem Sparkurs auf die drohenden Milliardenkosten durch den Abgasskandal. Zum Beispiel sei auch geplant, für die nächste Generation des Konzernbestsellers Golf möglichst viele aktuelle Bauteile erneut zu verwenden, zitierte das manager magazin aus VW-Kreisen. Die Golf-Plattform sei technisch gut genug, und man werde so Hunderte Millionen Euro sparen.

Die Kosten der Abgasaffäre werden demnach in VW-internen Analysen auf mehr als 30 Milliarden Euro taxiert. Der neue Konzernchef Matthias Müller plane, diese Ausgaben möglichst weitgehend bei der für die betroffenen Dieselmotoren verantwortlichen Marke VW zu verbuchen. Töchter wie Audi und Porsche sollten stabil gehalten werden, hieß es.

Bereits Mitte Oktober hatte der Konzern angekündigt, die Investitionen für die Marke Volkswagen um jährlich eine Milliarde Euro zusammenzustreichen. Zudem werde man ein "Effizienzprogramm", das bereits der zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn aufgelegt hatte, forcieren.

Auch Stellenabbau nicht ausgeschlossen

Laut manager magazin will VW-Markenchef Herbert Diess diesen Sparkurs in den kommenden Monaten noch einmal verschärfen. Der Manager wolle auch die Produktivität und Effizienz der VW-Werke verbessern - und dort gegebenenfalls Stellen abbauen, hieß es. Darüber gebe es jedoch Insidern zufolge noch keine Einigung mit dem Betriebsrat. Die Arbeitnehmer lehnten einen Stellenabbau ab und stimmten bislang lediglich der Reduzierung der beschäftigten Leiharbeiter zu.

Zuletzt hatte der neue Volkswagen -Konzernchef Matthias Müller den VW-Mitarbeitern zugesagt, sie müssten keine Kurzarbeit fürchten. Laut Betriebsrat hat der Abgasskandal noch nicht auf die Verkäufe durchgeschlagen.

VW hatte vor gut einem Monat eingeräumt, die Abgaswerte von Millionen Dieselwagen manipuliert zu haben. Ans Licht gebracht hatte den Fall die US-Umweltbehörde EPA.

Der Konzern muss wegen des Abgasskandals allein in Deutschland bisher 2,4 Millionen Diesel in die Werkstatt rufen - darunter auch Tausende Polizeifahrzeuge. Die Aktion soll im Januar beginnen. EU-weit sind rund 8,5 Millionen Fahrzeuge betroffen, weltweit elf Millionen Fahrzeuge.

mmq/dpa

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