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17. April 2015, 11:44 Uhr

Machtkampf im Aufsichtsrat

Winterkorn bleibt als VW-Vorstandschef im Amt

Nach der Kritik von Aufsichtsratsboss Ferdinand Piëch galt er als angezählt. Doch VW-Chef Martin Winterkorn bleibt im Amt. Der Vertrag des 67-Jährigen könnte sogar über 2016 hinaus verlängert werden.

Trotz des Machtkampfs mit Konzernpatriarch Ferdinand Piëch bleibt VW-Chef Martin Winterkorn im Amt. Das Präsidium stelle fest, dass Winterkorn "der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen ist", teilte VW am Freitag mit. Man habe sich darauf verständigt, dass der Vertrag des 67-Jährigen über 2016 hinaus verlängert werden solle. Allerdings solle die Entscheidung darüber erst im kommenden Jahr fallen. Ob Winterkorn nach seiner Zeit im Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln soll, blieb offen.

Die von VW verbreitete Erklärung ist nur sieben Zeilen lang. "Das Präsidium legt großen Wert darauf, dass Herr Professor Dr. Winterkorn seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands auch weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher verfolgt und hat hierbei die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums", heißt es darin. Das Präsidium werde dem Aufsichtsrat vorschlagen, den Vertrag von Winterkorn in der Februar-Aufsichtsratssitzung des Jahres 2016 zu verlängern. Winterkorns Vertrag läuft nach bisherigem Stand Ende 2016 aus.

Aus Sicht des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer ist der Machtkampf bei VW trotz des Festhaltens an Winterkorn noch nicht zu Ende. "Die Schlacht ist noch lange nicht geschlagen", sagte er. Die VW-Mitteilung sei ein "Signal, um zunächst einmal wieder Ruhe in den Konzern zu bringen". Mit Blick auf die mögliche Vertragsverlängerung für Winterkorn sagte Dudenhöffer: "Noch ist ja kein Vertrag unterzeichnet, das ist nur eine Willensbekundung. Piëch wird sich das bis dahin weiter genau angucken."

Entscheidung fiel in Salzburg

Am Donnerstag hatte sich der engste Kreis des Volkswagen-Aufsichtsrats zu einer Sondersitzung in Salzburg getroffen. Zum Präsidium zählen neben Chefaufseher Ferdinand Piëch dessen Cousin Wolfgang Porsche, Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD), Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, dessen Vize Stephan Wolf und Berthold Huber von der IG Metall.

Insgesamt hat der Aufsichtsrat 20 Mitglieder. Das Präsidium bereitet entscheidende Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor. Der Aufsichtsrat muss nun der Vertragsverlängerung von Winterkorn noch zustimmen. Das Bundesland Salzburg, wo das Treffen stattfand, ist nicht nur die Heimat von Piëch. Auch der Familiensitz der Porsches befindet sich dort. Beide Familienzweige halten zusammen die Mehrheit bei Europas größtem Autobauer.

Zu dem Sondertreffen am Donnerstag war auch Winterkorn geladen. In Salzburg soll es auch um strategische Fragen rund um den Kurs des Vorstands gegangen sein. Am Abend saß Winterkorn dann mit Betriebsratschef Osterloh auf der Tribüne beim Europa-League-Spiel des VfL Wolfsburg gegen den SSC Neapel.

Chefaufseher Ferdinand Piëch war Ende vergangener Woche öffentlich von Winterkorn abgerückt. Dem SPIEGEL hatte er gesagt, er sei "auf Distanz zu Winterkorn". Bis dahin galt Winterkorn als gesetzter Nachfolger des VW-Patriarchen als Chefkontrolleur. Piëch ist bis zum Frühjahr 2017 als Aufsichtsratschef gewählt. Er feiert am heutigen Freitag seinen 78. Geburtstag.

Der überraschende Bruch Piëchs mit seinem einstigen Zögling Winterkorn war auf Ablehnung im Aufsichtsrat gestoßen. Der einflussreiche Betriebsratschef Bernd Osterloh stellte sich ebenso wie das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär hinter den Manager.

An der Börse wurde die Mitteilung von Volkswagen mit Erleichterung aufgenommen. Mit einem Plus von 1,49 Prozent setzte sich die Aktie von VW an die Dax-Spitze.

mmq/Reuters/dpa

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