Dieselskandal Volkswagen zahlte Bleibeprämien an US-Manager

Der Dieselskandal in den USA bekommt eine neue Facette. Volkswagen zahlte mehrere Millionen Dollar an Manager, damit sie nicht abwandern. US-Anwälte interpretieren die Zahlungen als "Schweigegeld".
Volkswagen in den USA

Volkswagen in den USA

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Volkswagen hat in den USA rund 150 Beschäftigten Bleibeboni im Umfang von 4,5 Millionen Euro gezahlt, unter anderem für Manager, die in der Abgasaffäre eine Rolle gespielt haben. Das berichtet die Recherchegemeinschaft "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR. 

Die Gelder flossen dem Bericht zufolge unter anderem an den US-Chefjustiziar David Geanacopoulos. Mit 450.000 Dollar habe der Audi-Amerika-Chef Scott Keogh den höchsten Betrag erhalten. Bereits zehn der Geldempfänger mussten als Zeugen im Dieselskandal aussagen.

US-Anwälte vermuten, dass es sich angesichts der teils hochkarätigen Empfänger und der Höhe der Zahlungen um "Schweigegeld" gehandelt haben könnte, um die Betroffen nicht nur zum Bleiben zu überreden, sondern im Falle eines Verhörs auch zu loyalen Aussagen gegenüber dem Konzern zu verleiten.

"Erkaufte Loyalität"

"Das sieht nach einem Schweigegeld aus, danach, dass Loyalität erkauft wird. Nicht im Sinne der Wahrheit, sondern im Sinne der Firma", zitiert die "Süddeutsche Zeitung"  Anwalt Michael Hausfeld, der in der Abgasaffäre VW-Kunden vertritt. Die Zahlungen kämen einem Signal an die Mitarbeiter gleich stillzuhalten.

Der Volkswagen-Konzern weist den Verdacht als "Unsinn" zurück und weist zugleich auf die Wahrheitspflicht der VW-Mitarbeiter bei den US-Ermittlungen in der Abgasaffäre hin. Falsche oder unrichtige Aussagen hätten schließlich "schwere strafrechtliche Konsequenzen" für die VW-Beschäftigten in den USA. Auch habe VW solche Boni schon vor der Abgasaffäre gezahlt und im Herbst 2015 "mit einer Reihe hoch qualifizierter Mitarbeiter, die wichtig für das Unternehmen waren", solche Bonus-Vereinbarungen getroffen.

US-amerikanische Arbeitgeber zahlen Bleibeprämien vergleichsweise oft. So werden sie zum Beispiel nicht nur in guten Zeiten gewährt, sondern auch in Krisenzeiten - etwa wenn sich eine Insolvenz abzeichne, aber eben noch nicht feststehe, oder wenn sich Ermittlungen in einem Unternehmen abzeichneten. Fast die Hälfte aller US-Konzerne gewährt laut dem Gehalts-Informationsdienst Payscale solche Boni.

Umstrittene Affentests - Verantwortlicher bekam 150.000 Dollar

Bleibeboni flossen dem Bericht zufolge allerdings auch an Manager, die offensichtlich in die umstrittenen Abgastests mit Affen involviert waren. Der VW-Jurist Geanacopoulos zum Beispiel hatte von diesen Tests gewusst, die Studie dem Bericht zufolge sogar persönlich genehmigt und zugleich von Tests an Menschen abgeraten. Bei einem Gehalt von 800.000 Dollar habe sein Bonus 150.000 Dollar betragen.

Andere gutbezahlte VW-Manager hätten bis zu einem Drittel ihres Jahresgehalts an Bonus bezogen, so etwa der Volkswagen-Manager Stuart Johnson. Er hatte dem Bericht zufolge das Labor für den Affentest noch vor Beginn der Experimente besucht. Verdächtig wirkt in diesem Kontext: Der Mann arbeitet laut dem Bericht seit mehr als 30 Jahren für den Konzern und habe zuvor nie einen Bleibebonus bekommen.

Wolfgang Schaupensteiner, einer der führenden Ermittler bei Wirtschaftsstrafsachen, sieht diese Zahlungen kritisch: "Wenn ein Mitarbeiter nachweislich in kriminelle Machenschaften verstrickt ist oder wenn er in schwerwiegender Weise gegen Unternehmensstandards verstoßen hat, dann darf man nicht mit einem Bonus rechnen, sondern mit einer Kündigung", zitiert die "Süddeutsche" den Juristen.

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