Verdacht der Marktmanipulation Zeuge belastet VW-Aufsichtsrat Pötsch

Ein Zeuge will den VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch Monate vor dem Bekanntwerden des Dieselskandals über den Einsatz einer verbotenen Software unterrichtet haben. Eine E-Mail stützt diese Version.

Hans Dieter Pötsch
DPA

Hans Dieter Pötsch


Der Aufsichtsratsvorsitzende des VW-Konzerns, Hans Dieter Pötsch, gerät in der Abgasaffäre stärker unter Druck. Ein Zeuge belastete den ehemaligen Finanzvorstand in einer Aussage vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig, die wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Pötsch ermittelt.

Der damals für die Zulassung von Volkswagen-Modellen bei den Behörden zuständige Jurist P. sagte aus, er habe bereits Anfang Juni 2015 Pötsch und den damaligen Chefjuristen G. über den Einsatz einer verbotenen Software ("defeat device") in US-Fahrzeugen informiert. Er habe beiden die Zahl der betroffenen Autos und die drohenden Strafzahlungen genannt, ebenso die möglichen strafrechtlichen Folgen für VW-Manager in den USA bis hin zu Gefängnisstrafen.

Der VW-Konzern informierte die Öffentlichkeit aber nicht, bis die US-Behörden den Skandal am 18. September 2015 bekannt machten. Gegenüber der Braunschweiger Staatsanwaltschaft sollen Anwälte von Pötsch und G. zunächst bestritten haben, dass es einen Termin ihrer Mandanten mit dem Zeugen gegeben habe.

E-Mail stützt Version des Zeugen

Der Zeuge erinnerte sich jedoch, seinen Vorgesetzten damals über das Gespräch mit dem Finanzvorstand informiert zu haben. Im E-Mail-Postfach des Vorgesetzten konnten Ermittler die entsprechende Nachricht tatsächlich finden. Sie stützt die Version des Zeugen.

VW bezeichnet den Sachverhalt als nicht zutreffend. Die Darstellung durch den Zeugen P. wird nachdrücklich zurückgewiesen, da eine solche Information nach Angaben mehrerer dazu befragter Personen nicht Inhalt der fraglichen Besprechung war. Bis zu der für den Vorstand unerwarteten Veröffentlichung der Notice of Violation durch die US-Behörden am 18. Sept. 2015 hatte der Vorstand demnach zu keinem Zeitpunkt hinreichend konkrete Anhaltspunkte für eine kursrelevante Situation.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wird Anfang kommenden Jahres entscheiden, ob sie gegen Pötsch, Ex-Chef Martin Winterkorn und möglicherweise auch VW-Chef Herbert Diess Anklage wegen Marktmanipulation erhebt. Alle Beteiligten hatten die Anschuldigungen stets zurückgewiesen.

insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
merlin 2 25.10.2018
1. Wenn Pötsch dann auch ...
... Piech!
Vogel VT 25.10.2018
2. Die Aktionäre werden entschädigt.
Die Kunden gucken in die Röhre. Und die Politclowns wundern sich über dier Wähler.
claus7447 25.10.2018
3. Es werden noch mehr Köpfe rollen!
Das gestrige Urteil gegen die Porsche SE, zwar wird dies in die nächste Instanz gehen, hat bereits einige Hinweise gegeben wie die Entscheidungen ausfallen können. Es spricht sich in der Belegschaft herum wie mit den nachgeordneten Ebenen umgegangen wird. Zudem wird mehr Material auch von Zulieferern gesichtet. VW hat sich entschieden den teuersten aller Wege zu gehen. Verwunderlich, das offensichtlich Käufer dies nicht oder nur unwesentlich abschreckt. Einerseits gut für die Beschäftigten, andererseits zeigt es Moral wird käuflich. Für mich ist der Konzern gestorben...
docker 25.10.2018
4. Die anderen Autobauer
Informationen über französische, italienische, japanische, koreanische und englische Autobauer zu diesem Thema wären brennend interessant. Nur Volvo kam vor kurzem mit LKW Motoren in die Schlagzeilen. Fand die betrügerische Software tatsächlich nur in der deutschen Autoindustrie Verwendung?
dirkcoe 25.10.2018
5. Ich denke
wir dürfen berechtigt vermuten, dass der gesamte Vorstand zu jeder Zeit voll informiert war. Entscheidungen mit dieser Tragweite trifft in einem Konzern weder ein Sachbearbeiter, noch ein Abteilungsleiter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.