Trotz Abgasaffäre Ex-VW-Chef Winterkorn erhält Millionengehalt

Wegen des Abgasskandals trat Winterkorn als Chef bei Volkswagen zurück. Dennoch streicht der Ex-Chef noch ein Millionengehalt ein. Aufsichtsratschef Pötsch will auf einen Teil seines Bonus verzichten.

Ex-VW-Chef Winterkorn
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Ex-VW-Chef Winterkorn


Der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat für das Geschäftsjahr, in dem der Abgasskandal ausbrach, 7,3 Millionen Euro Gehalt eingestrichen. Das geht aus dem VW-Geschäftsbericht hervor. Winterkorn war im September nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen zurückgetreten.

VW hatte unterm Strich im vergangenen Jahr einen Rekordverlust in Höhe von 1,6 Milliarden Euro gemacht - Winterkorn erhält dennoch sogenannte erfolgsabhängige variable Gehaltsbestandteile in Höhe von fast 5,9 Millionen Euro. Nachfolger Matthias Müller bekam rund 3,9 Millionen Euro. Müller saß als Chef der VW-Tochter Porsche bereits das gesamte Jahr 2015 über im Vorstand des Wolfsburger Konzerns - das Gros seines Gehalts stammt aus dieser Zeit.

Der ehemalige Finanzvorstand und jetzige Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch erhielt laut Geschäftsbericht 2,9 Millionen Euro. Er verzichtete wie alle aktuell aktiven Vorstandsmitglieder wegen des Skandals auf einen Teil seines Bonus. Allerdings soll er für den Wechsel vom Vorstand an die Spitze des Aufsichtsrats nach Angaben von Unternehmensinsidern einen zweistelligen Millionenbetrag kassiert haben. Aufsichtsräte verdienen deutlich weniger als Vorstandsmitglieder. Für seine Tätigkeit als Chef des Kontrollgremiums erhielt Pötsch von Anfang Oktober bis zum Jahreswechsel 13.400 Euro.

Topmanager könnten restliche Boni später bekommen

In den vergangenen Wochen hatte die Frage der Boni für die VW-Vorstandsmitglieder in der Öffentlichkeit für Aufsehen gesorgt. Kritiker hatten gefordert, die Manager sollten wegen des Abgasskandals komplett auf ihre Prämien verzichten.

De facto bekommen die Topmanager 70 Prozent ihrer zugesagten Boni. Je nachdem wie der Konzern den Skandal bewältigt und sich die Geschäfte in den kommenden Jahren entwickeln, ist jedoch ab 2019 die rückwirkende Auszahlung der vollständigen Sonderprämie möglich. Nach dieser Rechnung könnte Vorstandschef Müller rückwirkend für 2015 im für ihn besten Fall 8,6 Millionen Euro kassieren, im schlechtesten Fall bliebe ihm sein Fixgehalt von 1,1 Millionen plus Vorsorgeaufwendungen.

Topverdiener im Vorstand des größten europäischen Autobauers war vergangenes Jahr Andreas Renschler, der für das Nutzfahrzeuggeschäft zuständig ist. Er bekam rund 15 Millionen Euro - darin enthalten ist allerdings eine Antrittsprämie von 11,5 Millionen Euro für seinen Wechsel von Daimler zu Volkswagen. Dem Chef der Kernmarke VW, Herbert Diess, zahlte der Wolfsburger Konzern für seinen Wechsel von BMW eine Prämie über fünf Millionen Euro. Insgesamt lag sein Gehalt bei 6,8 Millionen Euro.

Im Rahmen der Bilanzpressekonferenz entschuldigte sich Müller für technische Probleme beim Diesel-Rückruf."Wir sind damit noch nicht so weit, wie wir es gerne wären", sagte er. Nach dem geplanten Start im Januar mit dem Pickup Amarok habe sich das weitere Ausrollen des Planes bei dem Volumenmodell Passat "unerwartet verzögert".

Die weiteren Nachrichten der Bilanzpressekonferenz:

  • Als Folge der massiven Probleme beim Rückruf des VW-Passat zieht VW die Rückrufaktion des Golf vor. Welche Varianten vom Golf nun den Vorzug bekommen ist bisher ebenso unbekannt wie der Starttermin.
  • Als Folge der Abgasaffäre schließt VW einen Verkauf von Geschäftsteilen nicht aus. Wegen der Kosten unter anderem für technische Lösungen, den Rückkauf von Fahrzeugen oder mögliche Strafzahlungen könnten sich "erhebliche weitere finanzielle Belastungen" ergeben, heißt es im Geschäftsbericht. "Der benötigte Finanzbedarf zur Deckung der Risiken kann dazu führen, dass Vermögensgegenstände lagebedingt veräußert werden müssen."
  • Im Ringen um eine Einigung mit den US-Behörden rechnet der VW-Konzern mit Milliardenkosten für "grüne" Projekte in den Vereinigten Staaten. Dafür veranschlagt der Konzern bisher rund 1,8 Milliarden Euro. Bei dem Budget gehe es um "mögliche Investitionen in Umweltprojekte und die Elektromobilität", heißt es im Geschäftsbericht. Allerdings schränkt der Konzern ein: "Inhalt sowie zeitliche Verteilung der Investitionen sind derzeit noch unbestimmt."
  • Parallel zur Aufarbeitung des Abgas-Skandals will VW seine Unternehmensstrategie radikal auf neue technische Innovationen wie die Elektromobilität und die Digitalisierung der Autobranche ausrichten. "2016 wird für uns ein Jahr des Übergangs sein, in dem wir den Wandel beschleunigen", sagte Müller. Elektroautos sollten zu einem "neuen Markenzeichen" werden.
  • Neu gründen will VW eine Konzerntochter für Mobilitätsleistungen . Darunter verstehen Autokonzerne meist das Geschäft rund ums Auto, zum Beispiel mit speziellen Smartphone-Apps oder Carsharing-Angeboten. Bei VW soll dieser Bereich bis 2025 einen "substanziellen Teil" des Umsatzes ausmachen.
  • China ist für den Autobauer der wichtigste Absatzmarkt - und der VW-Chef rechnet vorerst nicht mit Problemen dort. Im vergangenen Jahr steigerte VW seinen Gewinn dort leicht. "Quer durch die Weltwirtschaft grassierte die Sorge vor einer möglicherweise deutlich nachlassenden konjunkturellen Dynamik dort", sagte Müller. So gravierend ein solches Szenario für die Automobilindustrie wäre, aus Sicht des Konzerns ist es "eher unwahrscheinlich".

brk/Reuters/dpa



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Seite 1
vielflieger_1970 28.04.2016
1.
Redlich verdientes Geld. Volle Zustimmung. Wer bei VW eine Schraube in der Arbeitskleidung vergessen hat und vom Werkschutz erwischt wird, dem droht Kündigung. Dagegen ist das Versagen der Manager natürlich eine Bagatelle. Wundersame Welt...
papa55 28.04.2016
2. money for nothing
es ist bezeichnend für diese sogenannte Elite das die noch nicht mal Moral kennen. Für was denn 7 Mio...wenn man sich mal vorstellt wie viele Kinder davon ein besseres Leben haben könnten oder dem Hunger entgehen würden.Stattedssen wird diesen gierigen unfähigen sogenannten Managern das Geld in den Rachen geworfen.
chris_cross 28.04.2016
3. nichts neues
Zu dem Thema VW/Boni ist eigentlich schon alles gesagt. Bestärkt mich nur noch mal in meinem Entschluss, nie mehr ein Auto aus dem VW-Konzern zu kaufen.
monolithos 28.04.2016
4. Der real existierende Kapitalismus
Und die treue VW-Kundschaft zahlt es.
citizen01 28.04.2016
5. Wichtiges Detail: Er hat den Rücktritt nur angeboten!
So mußte der Aufsichtsrat darüber entscheiden und es gab andere die Modalitäten für das Ausscheiden. Ein Rücktritt wäre wahrscheinlich nicht vergoldet worden.
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