Trotz Gewinnanstieg Volkswagen dämpft die Absatzerwartungen

VW hat im Sommerquartal deutlich mehr Gewinn gemacht. Doch angesichts der Krise der Autobranche ist der Konzern vorsichtig, was die Gesamtverkäufe für dieses Jahr angeht.

Ein Mitarbeiter poliert das VW-Zeichen auf einem neuen Golf 8: VW setzt künftig auf E-Autos
DAVID HECKER/EPA-EFE/REX

Ein Mitarbeiter poliert das VW-Zeichen auf einem neuen Golf 8: VW setzt künftig auf E-Autos


Bevor Volkswagen seine Elektro-Offensive so richtig startet, legt der Konzern noch mal ein kräftiges Gewinnplus hin. Das operative Ergebnis - also der um Zinsen und Steuern bereinigte Gewinn - verbesserte sich in den ersten neun Monaten um fast ein Viertel auf 13,5 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um rund sieben Prozent auf 186,6 Milliarden Euro, wie der weltgrößte Autokonzern mitteilte.

Im dritten Quartal legte das Ergebnis unterm Strich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von rund 2,7 Milliarden auf knapp 3,8 Milliarden Euro zu.

VW profitierte auch von der Offensive bei teureren SUV-Modellen. Allerdings senkte der Vorstand angesichts der Krise der Autobranche die Absatzerwartungen für das laufende Jahr. Die Auslieferungen an Kunden sollen nun auf dem Niveau des Vorjahres liegen. Bislang hatte der Konzern einen leichten Anstieg erwartet. Der Konzernumsatz soll weiterhin um bis zu fünf Prozent steigen

Die Kosten für Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Dieselskandal beliefen sich im Geschäftsjahr 2019 bislang auf 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt hat die Wiedergutmachung der Dieselmanipulation VW bisher schon mehr als 30 Milliarden Euro gekostet. Der Skandal war vor vier Jahren in den USA aufgeflogen.

VW hat nicht nur mit den Folgen des Dieselbetrugs zu kämpfen. Die Autobranche befindet sich im Abschwung und im Umbruch. VW-Chef Herbert Diess will den Konzern umkrempeln und setzt auf den Erfolg mit reinen Elektroantrieben.

Im laufenden Fünfjahreszyklus bis 2023 steckt VW mehr als 30 Milliarden Euro allein in die Elektrifizierung seiner Modellpalette, weitere 14 Milliarden in Vernetzung und Assistenzsysteme. Mit fast 70 neuen E-Modellen in den nächsten zehn Jahren will Volkswagen auf den eigenen Elektroplattformen 22 Millionen E-Autos bauen. Ob die Kunden die Fahrzeuge auch kaufen, bleibt abzuwarten.

Ein erster Test steht VW im kommenden Jahr bevor, wenn der ID.3 als neues Kompaktmodell die Erfolgsgeschichte von Käfer und Golf im Elektrozeitalter weiterführen soll. 2021 greifen dann endgültig auch die härteren Vorgaben der EU-Kommission zum Ausstoß des klimaschädlichen Abgases Kohlendioxid (CO2). Verkauft VW dann nicht genug Elektroautos in Europa, drohen hohe Milliardenstrafen.

Finanziert werden soll der Umstieg ins Elektrozeitalter aus dem Geschäft mit herkömmlichen Verbrennern - vor allem durch SUV. Bis 2025 soll jedes zweite Fahrzeug von VW ein solcher Stadtgeländewagen sein, an denen VW mehr verdient als an herkömmlichen Pkw. Auch der jüngst in achter Generation präsentierte neue Kompaktwagen Golf soll den Wechsel in die Elektromobilität absichern.

mmq/Reuters/dpa



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Seite 1
ganzeinfach 30.10.2019
1. 1,3 Mia EUR Summe für alle Rechtsrisiken 2019?
Völlig unglaubwürdig die Feststellung im Artikel: "Die Kosten für Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Dieselskandal beliefen sich im Geschäftsjahr 2019 bislang auf 1,3 Milliarden Euro." Das beinhaltet wohl die in 9 Monaten angefallenen KOSTEN für Vergleiche, Anwalts- und Gerichtskosten sowie für verhängte Kosten für kundenfreundliche Urteile - meist Einzelfälle. Tatsächlich sind von VW bisher sehr viele Fälle ans nächste Gericht "verschoben" worden, was wegen fehlender Rechtskraft in den Büchern NOCH keine Einträge verursacht. Die Klagewelle ist erst angelaufen. Die Musterfeststellungsklage und die auch von OLG's geäusserten fast durchgängig kundenfreundlichen Urteile (zT. ohne Widerspruch der VW-Gruppe) werden das letzte Quartal 2019 sowie das nächste Jahr verhageln. Wenn wir vom Begriff "Rechtsrisiken" ausgehen, dann gehören sämtliche Rückstellungen für alle Altlasten gelistet! Im Total. Alles andere ist weiterer Betrug am Staat und am Aktionär. Wie man hier erkennt: Nix gelernt bei VW. ganzeinfach
meinerlei 30.10.2019
2. Strategisch enteilt
Beim Diesel betrogen haben mit Ausnahme von BMW so viel ich weiß alle relevanten Hersteller. Wenn man die im Artikel gelisteten Fakten analysiert, springt etwas Anderes ins Auge: Ein Gewinnsprung trotz enormer Investitionen in neue Modelle, Elektromobilität und Vernetzung sowie der Restrisiken von Dieselgate. Strategisch ist VW den anderen Herstellern mehrere Nasenlängen voraus und kann seine Entwicklungskosten auf immense Stückzahlen und Marken verteilen. Die anderen Hersteller hecheln durch das Schmieden partieller Allianzen hinterher.
hru 30.10.2019
3.
Zitat von ganzeinfachVöllig unglaubwürdig die Feststellung im Artikel: "Die Kosten für Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Dieselskandal beliefen sich im Geschäftsjahr 2019 bislang auf 1,3 Milliarden Euro." Das beinhaltet wohl die in 9 Monaten angefallenen KOSTEN für Vergleiche, Anwalts- und Gerichtskosten sowie für verhängte Kosten für kundenfreundliche Urteile - meist Einzelfälle. Tatsächlich sind von VW bisher sehr viele Fälle ans nächste Gericht "verschoben" worden, was wegen fehlender Rechtskraft in den Büchern NOCH keine Einträge verursacht. Die Klagewelle ist erst angelaufen. Die Musterfeststellungsklage und die auch von OLG's geäusserten fast durchgängig kundenfreundlichen Urteile (zT. ohne Widerspruch der VW-Gruppe) werden das letzte Quartal 2019 sowie das nächste Jahr verhageln. Wenn wir vom Begriff "Rechtsrisiken" ausgehen, dann gehören sämtliche Rückstellungen für alle Altlasten gelistet! Im Total. Alles andere ist weiterer Betrug am Staat und am Aktionär. Wie man hier erkennt: Nix gelernt bei VW. ganzeinfach
Die Kosten sind die angefallenen, für das andere Thema werden Rückstellungen gebildet, die zu dem Zeitpunkt nur eine Rolle beim Gewinn spielen wenn sie aufgestockt oder aufgelöst werden. Im Artikel steht aber nicht wieviel Rückstellungen sie gebildet haben.
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