Umstrittener Wohnungskonzern Vonovia verdient gut eine Milliarde Euro

Deutschlands größter Wohnungskonzern hat 2018 einen satten Gewinn gemacht. Das lag neben Zukäufen auch an steigenden Mieten - die in den Ballungsräumen weiter steigen sollen.

Firmenzentrale von Vonovia
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Firmenzentrale von Vonovia


Dank Zukäufen im Ausland und höherer Mieteinnahmen hat der Immobilienkonzern Vonovia im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld verdient. Das wegen seiner Geschäftspraktiken umstrittene Unternehmen verdiente 2018 nach eigenen Angaben rund 1,07 Milliarden Euro, 15,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Deutschlands größter Wohnungskonzern hat im vergangenen Jahr mit dem Kauf der Buwog in Österreich und der Victoria Park in Schweden kräftig expandiert. Inzwischen verwaltet der Konzern fast 400.000 Wohnungen, davon rund 23.000 in Österreich und etwa 14.000 in Schweden.

Weitere Zukäufe habe er aktuell nicht im Blick, sagte Konzernchef Rolf Buch bei einer Telefonkonferenz. "Wir schauen uns aber immer Portfolios an." Es gebe einige Regionen und Ballungsräume, in denen er gern präsent wäre. Dazu gehöre etwa der Großraum Amsterdam und vor allem die Ile-de-France, also der Großraum Paris.

In Deutschland laufen die Geschäfte für Vonovia gut: Am Jahresende 2018 war der Wohnungsbestand des Bochumer Unternehmens nahezu voll vermietet. Der Leerstand lag mit 2,4 Prozent leicht unter dem Niveau von 2017. Die Mieteinnahmen stiegen um gut 13 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro.

Weitere Mieterhöhungen geplant

Insgesamt erhöhte Vonovia die Mieten im Schnitt auf 6,52 Euro pro Quadratmeter - rund vier Prozent mehr als 2017. Vor allem in den Ballungsräumen, in denen Wohnraum knapp ist und in die immer mehr Menschen ziehen, will der Konzern auch 2019 die Mieten erhöhen.

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Vorstandschef Buch erwartet nicht zuletzt deshalb einen Anstieg des operativen Ergebnisses auf 1,14 bis 1,19 Milliarden Euro. Für den Neubau von Wohnungen, Modernisierungen und die Instandhaltung will er in diesem Jahr rund zwei Milliarden Euro ausgeben.

Neu fertiggestellt wurden 2018 rund 1100 Wohnungen, in diesem Jahr peilt Buch 2700 an. In den kommenden Jahren will das Unternehmen insgesamt mehr neu bauen, nachverdichten und auf bestehende Wohnhäuser weitere Stockwerke setzen. Das ist unter anderem in Dortmund, Köln, Berlin, Leipzig, Hamburg und Wien geplant.

ssu/dpa/Reuters



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charlybird 07.03.2019
1. Es wird Zeit
Konzerne wie diesen zu zerschlagen. Sie gefährden aufs höchste die Demokratie und eine halbwegs funktionierende Gesellschaft. Es ist ihre Marktmacht, die mit dazu beiträgt, dass Wohnraum zum Luxusgut wird und das ist keine gute Entwicklung in einem Staat, der damit nicht mehr Herr wichtiger sozialer Probleme ist. Das hässliche Gesicht des Privatisierungswahns schält sich ja auch in einigen anderen Segmenten nach und nach heraus. Die Kurzsichtigkeit vergangener Politik ist jetzt auch hier zu sehen, auch wenn die Scheuklappen noch getragen werden.
fatherted98 07.03.2019
2. Solche Konzerne...
...sind durch die Politik groß gemacht worden....wo bitte sind denn die Verantwortlichen von damals....so lange ist das noch nicht her....bitte mal benennen und befragen....aber das will hier bei SPON natürlich keiner....
so-long 07.03.2019
3. Danke
u.a. an den RegierendenOB von Berlin: der hatte ca. 2004 seine Finger im Verkauf von 60.000(!) Wohnungen an Grossinvestoren. Wenn sich wenigstens mehr Deutsche Vonoviaaktien zugelegt hätte..... Dafür schlummert das Geld im Sparbuch.
crazyris 07.03.2019
4. "Marktmacht"
Der Mietwohnungsbestand in Deutschland 2014 betrug ca. 19,7 Mio. Stück. Man kann davon ausgehen, dass diese Zahl sich nicht wesentlich verändert hat. Es kommen zwar laufend neue Wohnungen dazu, allerdings werden auch viele Wohnungen in Eigentum umgewandelt. Vonovia verwaltet in Deutschland ca. 363.000 Wohnungen - das sind ca. 1,8% des Gesamtbestandes. Also meiner Meinung nach keine "Marktmacht". Die Schuld an der Lage des Wohnungsmarktes kann man also nicht allein vonovia zuschieben. Von den "Praktiken" des Unternehmens spreche ich hier nicht, die sind für die Betroffenen natürlich nicht so schön, aber an der Gesamtsituation gemessen fallen diese nicht so ins Gewicht. Das Problem ist vor allem, dass auf einem Angebotsschwachen Markt natürlich die Anbieter im Vorteil sind und ihre Preise (und "Praktiken") durchsetzten können. Unternehmen wie vonovia können dabei sogar einen positiven Effekt haben, denn sie haben das Kapital, neuen Wohnraum zu schaffen. Und ist der Markt ersteinmal gesättigt, kann auch vonovia nicht mehr jeden Preis verlangen.
maturin001 07.03.2019
5.
440.000 Wohnungen, 1 Mrd. Gewinn, macht ca. 2800€ Gewinn/Jahr pro Wohnung. Zyniker mögen erwägen, dort Aktien zu erwerben.
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