Fusionsplan von Vonovia und Deutsche Wohnen Immobilienkonzerne bieten Berlin Tausende Wohnungen zum Kauf an

Im Zuge ihrer geplanten Megafusion bieten Vonovia und Deutsche Wohnen dem Berliner Senat 20.000 Wohnungen zum Kauf an. Experten und Mieterlobby sehen einen Zusammenschluss kritisch – trotz Zugeständnissen.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (l.) mit Konzernchefs Michael Zahn (r.) und Rolf Buch (2.v.l.)

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (l.) mit Konzernchefs Michael Zahn (r.) und Rolf Buch (2.v.l.)

Foto: Christoph Soeder / dpa

Mit einem Angebot an das Land Berlin wollen Vonovia und Deutsche Wohnen aufgeschreckte Politiker und Mieter beruhigen. Die beiden Immobilienkonzerne bieten im Zuge ihrer geplanten Fusion der Berliner Landesregierung mehr als 20.000 Wohnungen zum Kauf an. Das kündigten der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Vonovia-Chef Rolf Buch an.

»Das ist die Größenordnung einer eigenen Wohnungsgesellschaft«, sagte Müller. Nunmehr werde mit allen Beteiligten im Detail besprochen, um welche Bestände es sich handle. »Mir liegen soziale Brennpunkte am Herzen, mir liegen Großsiedlungen am Herzen«, sagte Müller. Mehr Wohnungen in kommunaler Hand bedeuteten mehr Einfluss auf sozialverträgliche Mieten und mehr Sicherheit für viele Menschen im Bereich Mieten und Wohnen. Bei einer entsprechenden Einigung verfüge das Land Berlin zum Jahresende über rund 350.000 Wohnungen und somit über »echten Einfluss« auf dem Wohnungsmarkt und auf den Mietspiegel, sagte Müller.

Der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia hatte am Montagabend angekündigt, den Branchenzweiten Deutsche Wohnen für 18 Milliarden Euro kaufen zu wollen. Durch den Zusammenschluss sollen die jährlichen Kosten um 105 Millionen Euro gesenkt werden.

Es liege sowohl im Interesse des Landes als auch der Immobilienkonzerne, für Mietenstabilität zu sorgen, sagte Müller. Die Einigung auf maximale Mieterhöhungen von einem Prozent jährlich in den nächsten drei Jahren und anschließend bis 2026 nur im Rahmen des Inflationsausgleichs sei »eine wichtige Aussage für die Berlinerinnen und Berliner und ist auch eine wichtige sozialpolitische Aussage.«

»Chancen für eine Fusion nicht sehr hoch«

Der Ökonom Marcel Fratzscher dagegen sieht den geplanten Zusammenschluss von Vonovia und Deutsche Wohnen sehr kritisch. »Eine Fusion der beiden größten privaten Immobilienkonzerne Deutschlands ist problematisch, da es dadurch weniger Wettbewerb geben dürfte und die Marktmacht des neuen Konzerns noch stärker wird«, sagte der Chef des in Berlin ansässigen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Bereits jetzt hätten beide Konzerne in vielen Regionen einen erheblichen Einfluss auf den Wohnungsmarkt, sowohl auf Mietpreise als auch auf Kaufpreise. »Ich vermute, dass das Kartellamt dies ähnlich kritisch sehen wird und daher die Chancen für eine Fusion nicht sehr hoch sind«, sagte Fratzscher.

Vonovia hatte bereits 2016 einen Übernahmeversuch gestartet. Dieser war unter anderem am Widerstand der Deutsche-Wohnen-Führungsspitze und einem zu geringen Interesse der Aktionäre gescheitert. Besonders in Berlin wird der erneute Anlauf zur Fusion argwöhnisch beobachtet. Die Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist sehr angespannt. Die Wohnimmobilienkonzerne stehen wegen steigender Mieten in den Ballungszentren schon seit Längerem in der Kritik.

Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia hofft mit der milliardenschweren Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen auf einen Neuanfang in der Diskussion um hohe Mieten und Wohnungsmangel. Lesen Sie hier  ein SPIEGEL-Doppelinterview mit Vonovia-Chef Rolf Buch und Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn zur geplanten Fusion.

Mieterbund warnt vor Fusion

Die Berliner Initiative »Deutsche Wohnen und Co. enteignen« kündigte an, sie halte trotz der Fusionspläne an ihrem Volksbegehren fest. »Es ändert sich nichts«, sagte Sprecherin Jenny Stupka. »Auch der fusionierte Wohnungskonzern wäre von einer Vergesellschaftung aller Wohnungsunternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen in Berlin betroffen, wie sie die Initiative Deutsche Wohnen & Co. enteignen anstrebt«, teilte die Initiative mit.

Sie setzt sich dafür ein, Immobilien von Unternehmen in Berlin gegen eine Milliardenentschädigung zu verstaatlichen, die am Stichtag 26. September mehr als 3000 Wohnungen haben. Noch bis zum 25. Juni muss sie dafür 175.000 gültige Unterschriften sammeln. Zur Halbzeit Ende April hatten die Initiative rund 130.000 Unterstützer unterschrieben. SPD-Politiker haben sich von den Vorschlägen distanziert, während Linke sie begrüßen.

Es sei »zutiefst erschreckend«, wie eindeutig sich der Senat den Interessen der beiden Unternehmen andiene, kritisierte Initiativensprecherin Stupka. Die zugesagte Mietbegrenzung betreffe einen zu kurzen Zeitraum.

Auch der Deutsche Mieterbund warnte vor zusätzlichen Belastungen im Zuge der geplanten Großfusion. Bei manchen Zusagen zur Begrenzung von Mieterhöhungen oder der Modernisierungsumlage handele es sich teilweise um Selbstverständlichkeiten, die den Unternehmen wenig abverlangten, kritisierte Mieterbund-Präsident, Lukas Siebenkotten. Er befürchtet, dass die Mieter die Kosten der Fusion tragen müssten, ohne dass sich für sie dadurch irgendetwas verbessern werde.

mmq/Reuters/dpa
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