Medienkonzern Jäkel soll alleinige Gruner + Jahr-Chefin werden

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe plant nach Informationen des manager magazin einen radikalen Umbau beim Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr. Die Vorstände Torsten Klein und Achim Twardy müssen gehen, Julia Jäkel soll die alleinige Führung übernehmen.

G+J-Bilanz-Managerin Jäkel: Alleinige Chefin beim Verlagshaus
DPA

G+J-Bilanz-Managerin Jäkel: Alleinige Chefin beim Verlagshaus

Von manager-magazin-Redakteur Klaus Boldt


Gütersloh - Radikale Pläne verfolgt Bertelsmann-Premier Thomas Rabe (47) mit dem Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr ("Stern", "Geo", "Brigitte"). Der Modellversuch mit einem dreiköpfigen, gleichberechtigten Vorstandsteam wird schon nach einem halben Jahr für beendet erklärt.

Julia Jäkel (41), die erst im September - nach dem Abgang des Vorstandsvorsitzenden Bernd Buchholz - in das Leitungsgremium eingezogen war und seither zuständig ist für das Deutschland-Geschäft, übernimmt die alleinige Führung im Range eines Chief Executive Officer (CEO).

Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein (48) und Finanzchef Achim Twardy (52) hingegen müssen das Unternehmen verlassen. Ihre Positionen werden nicht wiederbesetzt.

Oliver Radtke und Stephan Schäfer neu im Vorstand

Neu in den Vorstand rücken Oliver Radtke, Geschäftsführer der G+J-Blätter "Sächsische Zeitung" und "Dresdner Morgenpost", und Stephan Schäfer, Mehrfach-Chefredakteur ("Brigitte", "Essen & Trinken", "Schöner wohnen") und Boss der Frauentitel. Radtke ist als Chefoperateur oder COO vorgesehen, Schäfer als sogenannter "Vorstand Produkt". Er wird darüber hinaus seine redaktionellen Funktionen (weitgehend) abgeben.

Für Europas größten Zeitschriftenverlag, an dem auch die Hamburger Familie Jahr mit 25,1 Prozent beteiligt ist, hat das Revirement weitreichende Konsequenzen. Dass das Auslandsressort nicht wiederbesetzt werden soll, deutet darauf hin, dass die internationalen Geschäfte für G+J künftig nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Bertelsmann drängt seit Monaten auf einen Verkauf der Tochterverlage in Spanien und Frankreich (Prisma Presse).

Warum der neue Zuschnitt der G+J-Führung die Abschaffung des wichtigen Finanzressorts erfordert, ist unklar. Einige Bereiche von Rechnungswesen und Controlling übernimmt Radtke, andere werden auf einer noch zu schaffenden Führungsebene unterhalb des G+J-Vorstands betreut. Auch Gütersloh, heißt es, mische in Finanzfragen künftig stärker mit.

Wie ein Filialbetrieb

Der Grund für den Umbau des einst stolzen Großverlags liegt in der schwierigen wirtschaftlichen Situation des Gewerbes im Allgemeinen und der Wachstumsschwäche und der Menge an vertanen Möglichkeiten (vor allem im Digitalgeschäft) von G+J im Besonderen. Im vergangenen Jahr war der Umsatz um 3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gesunken, das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern sogar um 28 Prozent auf 168 Millionen Euro eingebrochen. Aufgrund hoher Sonderaufwendungen meldete man sogar einen Verlust von 11 Millionen Euro nach Gütersloh.

Noch im vergangenen Jahr war Bertelsmann-Chef Thomas Rabe bei dem Versuch gescheitert, den Mitgesellschafter Jahr herauszukaufen. Man wurde sich über den Preis nicht einig. Offenbar aber hat man einen Weg gefunden, die Enttäuschung darüber zu kompensieren, und sich darauf verständigt, dass Bertelsmann den Hamburger Verlag künftig wie einen Filialbetrieb führen darf.



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
masc672 10.04.2013
1. Quotentussi :-)
Zitat von sysopDPABertelsmann-Chef Thomas Rabe plant einen radikalen Umbau beim Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr. Die Vorstände Torsten Klein und Achim Twardy müssen gehen, Julia Jäkel soll die alleinige Führung übernehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vorstandsumbau-bei-gruner-twardy-raus-a-893618.html
Eindeutig. Jetzt soll die Frau zeigen was die kann. und ich wette das einige Männer sie gerne abschmieren sehen würden.
Deify 10.04.2013
2. Oh, Mann....
was ist nur aus G J, aus dem Stern, geworden.... Ichbin sicher, dass das keine gute Entscheidung war mit Frau Jäkel, schon rein psychologisch nicht. Wir werden es sehen. Sowie Bertelsmann die Hände im Spiel hat, und leider geht das durch Mehrheitsbeteiligung, verheißt das nichts Gutes. Waren das noch Zeiten, als Henri Nannen da war.
geode 10.04.2013
3. Die Qualität
der Zeitschrifteninhalte bei Gruner Jahr ist derart gesunken, dass ich mein langjähriges Sternabonnement gekündigt habe. Das Magazin ist zu einer Illustrierten verkommen. Ein Großteil dieser Zeitschrift besteht nur noch aus Mode, Wohnungseinrichtung und anderen femininen Themen. Die Personalauswahl soll wohl dazu führen, dass es genau so weiter geht.
5 star anonymous 10.04.2013
4. Klasse!
Ich kenne zwar Frau Jaekel nicht - dass Firmen mit Frauen in leadership positionen bessere Ergebnisse erzielen als die wo die Raenge nur Maennern besetz sind ist ja nun bekannt. Dazu gibts Studien aber jeder kann sich ja auch selber ueberzeugen: Sehen Sie sich die Ergebnisse von ein paar Firmen an und dann die executive teams. In Europa brauchen Sie auch gar nicht erst gucken, US Firmen (vor allem Westkueste) haben es vorgemacht. Vermutlich tritt Frau Jaekel ein schwieriges Erbe an. Immer dann - wenn es fast keinen Ausweg mehr gibt, dann gibt man einer Frau ne Chance in Europa (immerhin!). Alle Gute Frau Jaekel, ich druecke Ihnen die Daumen.
juergw. 10.04.2013
5. Ich habe etliche Abbos ..
Zitat von geodeder Zeitschrifteninhalte bei Gruner Jahr ist derart gesunken, dass ich mein langjähriges Sternabonnement gekündigt habe. Das Magazin ist zu einer Illustrierten verkommen. Ein Großteil dieser Zeitschrift besteht nur noch aus Mode, Wohnungseinrichtung und anderen femininen Themen. Die Personalauswahl soll wohl dazu führen, dass es genau so weiter geht.
gekündigt-lohnt nicht mehr.Nur noch nach Bedarf am Kiosk.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.