Vorwürfe gegen Geflügelriesen Wiesenhof missachtete Hygieneauflagen

Schimmel, schlechte Kühlung und mangelhafte Kontrollen: In einem Betrieb des Geflügelproduzenten Wiesenhof herrschten laut "Stern" unhygienische Zustände. Wiederholt sei gegen Vorschriften der Behörden verstoßen worden. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.
Hühner im Mastbetrieb: Fleischbeschauzeiten von 1,5 Sekunden pro Tier

Hühner im Mastbetrieb: Fleischbeschauzeiten von 1,5 Sekunden pro Tier

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Hamburg - Wiesenhof-Hähnchen liegen in fast jeder Supermarkt-Kühltheke. Die Deutschen lieben die Geflügelprodukte des Großkonzerns, pro Woche schlachtet der Marktführer 4,5 Millionen Tiere.

Doch nun gibt es massive Vorwürfe: In einem seiner 13 Geflügelschlachtbetriebe soll mehrfach gegen Hygieneauflagen verstoßen worden sein. Das berichtet der "Stern". In dem Betrieb in Möckern bei Magdeburg könne die zuständige Veterinäraufsicht "eine hygienisch bedenkenlose Schlachtung nicht garantieren", berichtet der "Stern" und beruft sich auf amtliche Dokumente.

Laut "Stern" haben die zuständigen Behörden seit Anfang 2010 wiederholt Mängel in der Tiefkühlschlachterei beanstandet. So würden Berichte und Fotos der amtlichen Kontrolleure dokumentieren, dass Schlachtereiräume mit Schwarzschimmel befallen und bereits geschlachtetes Geflügel mit Kot verunreinigt seien. Zudem gebe es Verstöße bei Fleischbeschau und Kühlung sowie Überschreitungen der zulässigen Schlachtmenge.

Spätestens seit einer Betriebsbegehung im April vergangenen Jahres seien den Behörden die Mängel bekannt. Trotzdem habe das Landesverwaltungsamt Halle am 26. August dem Schlachthof in Sachsen-Anhalt eine neue EU-Zulassung erteilt - allerdings unter der Maßgabe, die Mängel sofort abzustellen. Laut "Stern" heißt es im EU-Zulassungsbescheid, dass "erhebliche Verletzungen hygienerechtlicher Bestimmungen" sowie ein "erhebliches Gefährdungspotential für die Verbraucher" bestünden.

Wiesenhof weist Vorwürfe zurück

Einige der Mängel seien in der Zwischenzeit behoben worden. Doch vor allem gegen Auflagen, die vorgeschriebenen Fleischbeschauzeiten von 1,5 Sekunden pro Tier einzuhalten, sträube sich Wiesenhof nach "Stern"-Informationen weiterhin. Auch würden die Kontrolleure des zuständigen Landkreises Jerichower Land regelmäßig zu hohe Temperaturen der Schlachtkörper und Nachlässigkeiten bei der hygienischen Trennung zwischen verschiedenen Produktionsbereichen beanstanden.

Wiesenhof-Sprecher Frank Schroedter wies die Hygiene-Vorwürfe zurück. Alle Mängel seien abgestellt. Zudem sagte Schroedter SPIEGEL ONLINE, die meisten Beanstandungen seien nicht schwerwiegend gewesen. So seien Schwarzschimmel-Verunreinigungen in feuchten Räumen wie Schlachtereien ein häufiges Problem - die Sporen würden regelmäßig bekämpft.

Bei der Fleischbeschau gebe es keine Verstöße, sagte Schroedter SPIEGEL ONLINE. Jedes Tier werde von Veterinären untersucht, verunreinigte Tiere würden sofort aussortiert. Das die Zeit für eine ausreichende Kontrolle am Fließband nicht ausreichen soll, kann Schroedter nicht nachvollziehen. "Es sind niemals verunreinigte Tiere den Handel gegegangen", betonte der Sprecher.

Gegen das angedrohte Zwangsgeld wegen mangelhafter Kühlung habe das Unternehmen Widerspruch eingelegt. Auch die Schlachtmenge werde laut Schroedter nicht überschritten. Der Sachverhalt werde zur Zeit von einem unabhängigen Gutachter untersucht.

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