Vorwürfe gegen HSBC Größte Bank Europas soll Geldwäsche ermöglicht haben

Die britische Großbank HSBC soll über Jahre hinweg die Finanzierung krimineller Machenschaften zugelassen haben. Der US-Senat wirft dem Institut vor, durch laxe Kontrollen Geldflüsse für Terror, Drogenhandel und Geldwäsche ermöglicht zu haben. Die Bank gibt sich zerknirscht.

HSBC-Logo (in Genf): Vorwürfe aus den USA
AFP

HSBC-Logo (in Genf): Vorwürfe aus den USA


Washington - Die Finanzbranche hat ihren nächsten Skandal. Diesmal steht die britische Großbank HSBC im Zentrum. Der US-Senat beschuldigt das Institut, über Jahre Geldwäsche bis hin zur möglichen Finanzierung von Terrorismus und Drogenhandel ermöglicht zu haben. Europas größte Bank habe über Jahre Kunden geholfen, fragwürdige Gelder aus Ländern wie Mexiko, Iran, Saudi-Arabien oder Syrien zu transferieren, heißt es in einer Mitteilung des zuständigen Senatsausschusses.

Dem Senatsbericht zufolge überwies die mexikanische HSBC-Niederlassung allein in den Jahren 2007 und 2008 sieben Milliarden Dollar an die Zweigstelle in den USA. Mexikanische und amerikanische Behörden hätten HSBC Chart zeigen gewarnt, dass ein derartiger Geldbetrag nur mit Hilfe des Drogenhandels zusammengekommen sein könne.

In dem Bericht heißt es auch, HBSC habe zwischen 2001 und 2007 Transaktionen aus dem Nahen Osten verschleiert und durch das Kontrollsystem der USA geschleust. Das Volumen dieser rund 28.000 verdeckten Überweisungen - davon seien allein 25.000 nach Iran zurückzuverfolgen - belaufe sich auf 19,7 Milliarden Dollar. Zudem habe HBSC Geschäfte mit Banken getätigt, die bekannt für ihre Verbindung zu al-Qaida seien.

Die Bank räumte sogleich schwere Fehler bei der Aufsicht ihrer Filialen ein. Bei einer Anhörung im US-Senat wurden am Dienstag HSBC-Vertreter zu den Vorwürfen befragt. Der für Compliance, also die Einhaltung von Recht und Gesetz, zuständige Manager David Bagley trat nach den Vorwürfen von seinem Posten zurück. Vor dem Ausschuss gab er die Probleme zu: "Trotz bestmöglicher Anstrengungen und Absichten vieler Banker hat HSBC die eigenen Erwartungen und die der Aufsichtsbehörden nicht erfüllt", sagte er. Zudem erklärte er, die Bank sei dabei, Tausende Konten auf den Cayman Islands zu schließen. Diese gelten als Steuerparadies.

Die Nordamerika-Chefin von HSBC, Irene Dorner, sagte ebenfalls vor dem Ausschuss, sie bedauere die Fehler der Bank. Man habe umfassende Schritte unternommen, um die Defizite zu beheben. "Ich möchte ganz klar sagen, dass wir es zutiefst bedauern und uns dafür entschuldigen, dass die HSBC den Erwartungen unserer Regulierer, Kunden, Angestellten und der Öffentlichkeit nicht gerecht geworden sind", sagte die Topmanagerin. Es seien Änderungen in der Unternehmenskultur, der Struktur, den Regeln und beim Personal der Bank vorgenommen worden, um den US-Kontrollstandards zu genügen. Dorner hatte 2010 die Leitung der nordamerikanischen Niederlassungen übernommen.

Senator droht HSBC mit Entzug der Lizenz

HSBC habe ihre US-Filialen als "Einfallstor in das amerikanische Finanzsystem" benutzt und dabei zahlreiche US-Regelungen missachtet, sagte der Ausschussvorsitzende Carl Levin. "In Zeiten des internationalen Terrorismus, der Drogengewalt auf unseren Straßen und der Organisierten Kriminalität ist es eine unbedingte Notwendigkeit der nationalen Sicherheit, den illegalen Geldfluss zu stoppen, der solche Scheußlichkeiten unterstützt", sagte Levin.

Er drohte der Bank mit schwerwiegenden Konsequenzen: Wenn eine internationale Bank nicht in der Lage sei, ihre eigenen Filialen zu kontrollieren, müsse der Entzug der Zulassung in den USA erwogen werden. Nach Einschätzung von Analysten droht HSBC zudem eine Strafe in Höhe von einer Milliarde Dollar.

Kritik äußerten die Senatoren auch an der Aufsichtsbehörde OCC, die unter anderem für die Filialen ausländischer Banken in den USA zuständig ist. Trotz zahlreicher Hinweise seien die Aufseher nicht gegen HSBC vorgegangen. So habe sich die Geldwäsche zu einem massiven Problem ausgeweitet.

Kontrolleure sollen ständig gewechselt haben

Dem Institut selbst wird vorgeworfen, die bankeigenen Kontrolleure seien unfähig gewesen, gegen verdächtige Transaktionen vorzugehen. So habe es in der zuständigen Abteilung eine hohe Personalfluktuation gegeben. Die Untersuchung des Senats, für die 1,4 Millionen Dokumente gesichtet sowie 75 HSBC-Vertreter und Behördenvertreter befragt wurden, dauerte ein Jahr.

HSBC erklärte, die Untersuchung gebe der gesamten Branche wichtige Hinweise, wie verhindert werden könne, dass Kriminelle das weltweite Finanzsystem nutzten. Das Unternehmen gebe inzwischen mehr Geld für Kontrollen aus.

Der Fall HSBC wird in Großbritannien als weiterer Schlag für die Bankenbrache gewertet, die für das Land so wichtig ist. Mit Barclays ist eine weitere der vier großen britischen Banken wegen Manipulationen beim Libor-Zinssatz massiv in der Kritik. Die beiden anderen Großbanken, Royal Bank of Scotland und Lloyds, mussten in der Finanzkrise teilverstaatlicht werden.

mmq/lgr/Reuters/dpa-AFX



insgesamt 115 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
klappertopf 17.07.2012
1. Bankster
Zitat von sysopAFPDie britische Großbank HSBC soll über Jahre hinweg die Finanzierung krimineller Machenschaften zugelassen haben. Der US-Senat wirft dem Institut vor, durch laxe Kontrollen Geldflüsse für Terror, Drogenhandel und Geldwäsche ermöglicht zu haben. Die Bank gibt sich zerknirscht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844958,00.html
Die Banken, die Vatikan-Bank eingeschlossen, sind nur am Profit orientiert. Deshalb spielt es keine Rolle, woher das Geld kommt. Die Banken sind nur ein Durchlauferhitzer, der immer Geld verschlingen wird, wenn man in gewähren lässt.
idealist100 17.07.2012
2. Lasst uns
Zitat von sysopAFPDie britische Großbank HSBC soll über Jahre hinweg die Finanzierung krimineller Machenschaften zugelassen haben. Der US-Senat wirft dem Institut vor, durch laxe Kontrollen Geldflüsse für Terror, Drogenhandel und Geldwäsche ermöglicht zu haben. Die Bank gibt sich zerknirscht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844958,00.html
doch einmal in die Anderen herein schauen. Da wird ganz bestimmt genau so gehandelt. Wo Geld zu verdienen ist wohl keine Bank zimperlich. Ist doch ganz einfach; Wer erwischt wird z.B. Interbankenzins, Lizens weg. Dann würde wohl Commerz, Deutsche Bank usw. demnächst arbeitslos; schaden würde es nicht.
antizins 17.07.2012
3. Dicht machen...
Zitat von sysopAFPDie britische Großbank HSBC soll über Jahre hinweg die Finanzierung krimineller Machenschaften zugelassen haben. Der US-Senat wirft dem Institut vor, durch laxe Kontrollen Geldflüsse für Terror, Drogenhandel und Geldwäsche ermöglicht zu haben. Die Bank gibt sich zerknirscht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844958,00.html
...ganz einfach. Bankster und Politiker -> die Gross-Kriminellen der Neuzeit. Hmm? Neuzeit? Vielleicht doch schon immer? Heute nur nicht mehr versteckt, da vollste Immunitaet dank too big to fail...
mischpot 17.07.2012
4. Die haben dass nur nicht zugelassen
sondern daran reichlich profitiert, dh. mitgemacht.
Öhrny 17.07.2012
5. Weil...
Zitat von sysopAFPDie britische Großbank HSBC soll über Jahre hinweg die Finanzierung krimineller Machenschaften zugelassen haben. Der US-Senat wirft dem Institut vor, durch laxe Kontrollen Geldflüsse für Terror, Drogenhandel und Geldwäsche ermöglicht zu haben. Die Bank gibt sich zerknirscht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,844958,00.html
...sowas von sowas kommt. Die anglo-amerikanische Liberalisierung des Bank(un)wesens rächt sich jetzt. Zinsschiebereien, Geldwäsche, Politiker die wegsehen wenn die Supermänner oben in den Glastürmen ihre Schweinereien austüfteln. Blankfein, Diamond und wie sie alle heissen taten göttliche Werke (Zitat). Schaunmermal was da noch kommt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.