Vorwurf der Tierquälerei Schweizer Supermärkte boykottieren Wiesenhof

Nach der ARD hat nun auch das Schweizer Fernsehen einen Film über Arbeitsmethoden beim Geflügelproduzenten Wiesenhof ausgestrahlt. Darin zu sehen: üble Tierquälerei. Laut einem Pressebericht haben die größten Supermärkte in der Schweiz nun reagiert - mit einem Boykott.
Jungtiere in einem Stall des Geflügelproduzenten Wiesenhof: Boykott wegen Tierquälerei

Jungtiere in einem Stall des Geflügelproduzenten Wiesenhof: Boykott wegen Tierquälerei

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Visbek - Es sind schockierende Szenen, die auf einer Wiesenhof-Vertragsfarm gefilmt wurden: Von dem deutschen Geflügelproduzenten beauftragte Mitarbeiter treten Puten, schleudern sie durch die Luft und werfen sie in Käfige auf einen Lastwagen. Zu sehen waren die Aufnahmen in einem Beitrag der ARD, der am 31. August gesendet wurde. Titel: "Das System Wiesenhof. Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet". Am Dienstagabend wurde er auch in der Schweiz ausgestrahlt - und die dortigen Supermarktketten reagierten umgehend.

Wie die Berliner "taz" in ihrer Donnerstagausgabe berichtet, verzichten die größten Schweizer Ketten - Migros, Coop und Denner - bis auf weiteres auf den Kauf von Wiesenhof-Produkten. "Das wird sicher sogar für Wiesenhof nicht mehr aus der Portokasse zu begleichen sein", sagte Migros-Sprecher Urs Peter Naef dem Blatt mit Blick auf den Boykott. Allein Migros und Coop verbuchen dem Bericht zufolge ungefähr die Hälfte des Schweizer Einzelhandelsumsatzes.

Bei Coop hieß es, das Unternehmen sei vom Filmmaterial "sehr betroffen" und bedauere zutiefst, dass es anscheinend zu diesen Vorfällen gekommen sei. "Aufgrund der erhobenen Vorwürfe gegen Wiesenhof hat Coop als erste Maßnahme unverzüglich einen Belieferungs-Stopp für Truthahn ausgelöst." Die Tierschutzorganisation Peta hatte bereits Ende August Strafanzeige gegen den niedersächsischen Geflügelproduzenten erstattet.

Das Unternehmen aus Visbek hatte gegen die Ausstrahlung des Films erfolglos Beschwerde eingereicht. Die PHW-Gruppe, zu der Wiesenhof gehört, erklärte im Schweizer Fernsehen, dass Wiesenhof aus den Fernsehbildern Konsequenzen gezogen habe. Die in der Reportage gezeigten Mitarbeiter einer externen Firma dürften nicht mehr für Wiesenhof tätig sein.

Bereits Anfang 2010 waren ähnliche Bilder aus einem Wiesenhof-Betrieb veröffentlicht worden. Wiesenhof habe damals glaubhaft versichert, "dass sie Maßnahmen ergreifen werden", erklärte Migros-Sprecher Naef der "taz". Aber offensichtlich könne das Unternehmen "unsere Anforderungen wie tiergerechten Umgang nicht garantieren".

aar/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.