Geheime Absprachen Ex-Hypo-Chef Berlin zu Haftstrafe verurteilt

Der frühere Chef der Bank Hypo Alpe Adria, Tilo Berlin, muss womöglich 26 Monate ins Gefängnis. Er hatte geheime Absprachen mit Investoren getroffen.

Die Hypo Alpe Adria: Geheime Nebenabsprachen
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Die Hypo Alpe Adria: Geheime Nebenabsprachen


Klagenfurt - Ex-Bankvorstand Tilo Berlin ist nach geheimen Absprachen mit Investoren zu 26 Monaten Haft verurteilt worden. Im Untreue-Prozess gegen ehemalige Top-Manager der österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria sah es das Landgericht Klagenfurt als erwiesen an, dass der Ex-Manager die Bank durch Nebenvereinbarungen mit Investoren geschädigt hat.

Berlin und anderen Bankmanagern wurde vorgeworfen, beim Verkauf der Kärntner Bank an die BayernLB wichtige Informationen über die Kapitalausstattung des österreichischen Instituts verschwiegen zu haben. Ende Februar waren bereits drei andere Ex-Hypo-Vorstände zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Berlin konnte damals aus gesundheitlichen Gründen nicht am Prozess teilnehmen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Verteidigung, die zuvor in einem mehrstündigen Plädoyer einen Freispruch gefordert hatte, kündigte Berufung an.

Die Hypo Alpe Adria hatte vor dem Verkauf an die BayernLB Vorzugsaktien ausgegeben, um ihre dünne Eigenkapitaldecke aufzupolstern. Damit sich diese Vorzugsaktien leichter verkaufen, hatte die Kärntner Bank den Investoren Put-Optionen eingeräumt: Sie konnten die Papiere jederzeit wieder an die Bank zurückverkaufen. Diese Nebenabsprache sei jedoch geheim gehalten worden, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Hat die BayernLB zu viel bezahlt?

Der Vorzugsaktien-Prozess war einer von zahlreichen Rechtsstreitigkeiten um die Hypo und den missglückten Einstieg der BayernLB. Die Schuldsprüche in Kärnten könnten der zweitgrößten deutschen Landesbank im Schadensersatz-Prozess gegen einen der damaligen Hypo-Verkäufer, die Mitarbeiter-Privatstiftung (Maps), in die Hände spielen.

Denn auch in diesem Fall spielen die Nebenabsprachen zu den Vorzugsaktien eine zentrale Rolle. In dem Prozess vor dem Handelsgericht Wien wirft die BayernLB der Maps vor, die Bayern beim Verkauf ihrer Beteiligung übers Ohr gehauen zu haben. Durch die Put-Optionen auf die Vorzugsaktien seien Angaben zur Bilanz und zum Kernkapital falsch gewesen - die BayernLB habe also für die Hypo zu viel bezahlt.

Der Maps-Prozess gilt als Pilotverfahren, dem Schadensersatz-Prozesse gegen weitere frühere Hypo-Eigner folgen könnten. Die Stiftung war der kleinste von mehreren Verkäufern, es geht um Schadensersatz im Umfang von zehn Millionen Euro. Wenn dieses Pilotverfahren im Sinne der BayernLB ausgeht, wird eine weitaus größere Schadensersatzklage gegen das Bundesland Kärnten als Hauptverkäufer erwartet.

Auch ehemalige BayernLB-Vorstände stehen wegen des missglückten Kaufs der österreichischen Bank vor Gericht: Die Staatsanwaltschaft in München beschuldigt die frühere Führungsriege um Werner Schmidt und Michael Kemmer, die Hypo überteuert gekauft und damit Geld der BayernLB veruntreut zu haben.

isa/Reuters/dpa



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hevopi 09.04.2014
1. Und wer finanziert den Schaden?
Wir Bürger wissen ja inzwischen, dass Persönlichkeiten mit dem richtigen Status ja nach 4 Wochen "Freigänger" werden, dafür gibt es ja spezialisierte Anwälte. Viel wichtiger ist doch, dass im Falle einer Straftat der Verantwortliche in vollem Umfang den Schaden monetär ausgleichen muß. Mich würde es sehr interessieren, ob Tilo Berlin schon wieder eine Ausnahme darstellt, denn er weiß doch zuviel.
katzenheld1 09.04.2014
2. Schritt eins
Zitat von sysopDPAFür 26 Monate muss der frühere Chef der Bank Hypo Alpe Adria, Tilo Berlin, ins Gefängnis. Er hatte geheime Absprachen mit Investoren getroffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vorzugsaktien-prozess-ex-hypo-chef-tilo-berlin-muss-ins-gefaengnis-a-963400.html
Na bitte, klappt doch wenigstens in Österreich mit dem Gefängnis. Aber die finanzielle Wiedergutmachung müsste noch festgelegt werden. Von mir aus in kleinen monatlichen Raten, so ab 99.000 EUR.
gog-magog 09.04.2014
3.
Zitat von sysopDPAFür 26 Monate muss der frühere Chef der Bank Hypo Alpe Adria, Tilo Berlin, ins Gefängnis. Er hatte geheime Absprachen mit Investoren getroffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vorzugsaktien-prozess-ex-hypo-chef-tilo-berlin-muss-ins-gefaengnis-a-963400.html
26 Monate Haft, von denen kaum einer wirklich abzusitzen ist, für einen Schaden von 6-7 Milliarden für den Steuerzahler, das ist wahrlich wieder mal ein Schnäppchen-Urteil. Das ist keine Strafe, sondern eine Einladung zumal sich der Herr ja finanziell nicht unerheblich bereichert hat. Abermillionen an Boni für Riesenschäden und strafbare Handlungen, da wäre ein Urteil mit Pfändung des gesamten Privatbesitzes bis zur lebenslangen Pfändung des Gesamteinkommens oberhalb des Lebensminimums angebracht gewesen. Was muss man eigentlich noch machen, um mal schmerzhaft bestraft zu werden? Pfandbons einlösen?
raber 09.04.2014
4. Wieder eine sehr milde Strafe
Bei so einem Schaden nur 26 Monate Haft ist wieder ein unverständlcih mildes Urteil. Zumindest kommen sie in Österreich ins Gefängnis. Nehme an, dass Herr Gauck so etwas bestens verstehen kann.
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