VW-Abgasaffäre Jurist wollte offenbar Daten verschwinden lassen

Kurz vor Bekanntwerden des VW-Abgasskandals hat eine Führungskraft offenbar versucht, Daten beiseite schaffen zu lassen. Einem Medienbericht zufolge wird wegen versuchter Strafvereitelung ermittelt.

VW-Kraftwerk in Wolfsburg
DPA

VW-Kraftwerk in Wolfsburg


In der Abgasaffäre bei Volkswagen gibt es offenbar Vorwürfe gegen eine Führungskraft des Autobauers. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen möglicherweise verschwundener Dokumente gegen einen Juristen.

Demnach soll der VW-Mitarbeiter im August vergangenen Jahres - kurz vor Bekanntwerden der Software-Manipulationen - Kollegen indirekt aufgefordert haben, Dokumente und Daten zu löschen. Dem sei auch nachgekommen worden, zitiert der Rechercheverbund den Sprecher der Behörde, Klaus Ziehe. Allerdings sei ein Teil der Daten wieder zurückgegeben worden.

"Bislang geht die Staatsanwaltschaft von keinem größeren Datenverlust aus, der die Ermittlungen im Dieselskandal maßgeblich behindern oder verzögern könnte. Endgültig kann dies aber derzeit nicht beurteilt werden", zitieren die Medien Ziehe. Ein Konzernsprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man äußere sich nicht zu laufenden Ermittlungen. Bei der Staatsanwaltschaft war zunächst niemand zu erreichen.

Bei dem Mitarbeiter soll es sich um einen Juristen von VW handeln, der mit Rechtsfragen der Produktsicherheit in den USA befasst war, berichtet der Rechercheverbund. Der Mann sei inzwischen beurlaubt. Der jetzt Beschuldigte spiele in den Rechtsstreitigkeiten zwischen VW und einigen Aktionären eine wichtige Rolle. In seiner Klageerwiderung benennt das Unternehmen demnach den Mann als Zeugen für die internen Abläufe.

Die Software-Manipulationen bei VW waren im September vergangenen Jahres aufgeflogen. Weltweit muss Volkswagen im Zuge der Abgasaffäre rund elf Millionen Dieselfahrzeuge in die Werkstätten rufen oder zurücknehmen. Der größte Teil entfällt mit 8,5 Millionen auf Europa. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Mitarbeiter des Autobauers. Fraglich ist nach wie vor, ab welchem Zeitpunkt der Vorstand von den Manipulationen wusste.

brk/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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Zambi 09.06.2016
1. Löschung Unmöglich
Alles, was an technischen Spezifikationen und Daten, als auch emails, auf Rechnern von VW gespeichert wird, wird in einem ordentlichen Konzern jeden Tag gesichert zwecks wiederherstellung bei Verlust und kann daher nie wieder gelöscht werden. Es muss sich also um interne Daten der Führungspersonen handeln. Der Jurist sollte sich drüber im klaren sein, dass er Amerikanischen Boden nie wieder betreten darf und die Anwälte Auskunft verlangen werden oder VW das weitere Milliarden kosten wird.
wibo2 09.06.2016
2. Sind die Faker bei VW unterwegs? Dauert deshalb die Aufklärung so lange?
"Demnach soll der VW-Mitarbeiter im August vergangenen Jahres - kurz vor Bekanntwerden der Software-Manipulationen - Kollegen indirekt aufgefordert haben, Dokumente und Daten zu löschen. Dem sei auch nachgekommen worden, ... " (SPON) Der Winkeladvokat, der in deutschen Fachkreisen auch Wortverdreher genannt wird, ist Beispiel für menschlichen Erfindungsgeist, der sich in diesem Fall darin ausdrückt, jeglicher Logik zu spotten. Der in diesem Artikel genannte VW Jurist hat offensichtlich auf unlautere Mittel zurück gegriffen. Diese VW interne Aufklärung erscheint damit zweifelhaft zu sein. Verdunkelung wird wohl angestrebt.
rentner2012 09.06.2016
3. Vorsorge
Bin mal gespannt wann der erste Verantwortliche dieses Skandals in Beugehaft genommen wird. Aber anscheinend ist dieses Instrument des Rechtsstaats der zuständigen Staatsanwaltschaft unbekannt.
rolli 09.06.2016
4.
Wer hat denn VW dazu gebracht Anstand, Moral, Gewissen und Gesetzestreue völlig über Bord zu werfen? Wer bringt denn ganz normale Menschen dazu sich an Tötungsdelikten und Verbrechen zu beteiligen? rolli
schwachewade 09.06.2016
5. Verantwortung
natürlich konnte von dieser "illegalen" Aktion die Firmenleitung keine Kenntnis haben. Deshalb trägt sie auch keine Verantwortung für diese Vorgänge und darf weiter (wenn auch leicht reduzierte) Boni kassieren. Man könnte verzweifeln ob dieser Geschichte.
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