Abgasaffäre Hessen und Baden-Württemberg verklagen VW

Hessen hat 3,9 Millionen Euro durch den Wertverfall der VW-Aktie verloren, Baden-Württemberg 400.000 Euro - nun fordern die Bundesländer Schadensersatz. Der Vorwurf: Verstoß gegen Mitteilungspflichten.

Kraftwerk am VW-Sitz Wolfsburg
DPA

Kraftwerk am VW-Sitz Wolfsburg


Hessen und Baden-Württemberg folgen dem Beispiel aus Bayern: In den kommenden Tagen wollen die beiden Bundesländer Klage auf Schadensersatz gegen Volkswagen einreichen. Für Hessen teilte dies Wirtschaftsminister Thomas Schäfer mit, für Baden-Württemberg das Finanzministerium des Landes.

Hessen habe durch den Wertverlust der Volkswagen-Aktie rund 3,9 Millionen Euro verloren. "Wer sein Geld in Aktien anlegt, muss auch Verluste hinnehmen. Nicht hinnehmen müssen wir jedoch, wenn Verluste dadurch entstehen, dass eine Aktiengesellschaft gegen Mitteilungspflichten verstoßen hat. VW hat dies getan", sagte Schäfer.

Das Finanzministerium Baden-Württembergs teilte mit: "Es spricht derzeit einiges dafür, dass VW Insiderinformationen zu manipulierten Abgaswerten nicht unverzüglich veröffentlich hat". Das Land hielt bei Bekanntwerden der Diesel-Affäre in zwei Sondervermögen aus einem sogenannten Versorgungsfonds und einer Versorgungsrücklage insgesamt rund 64.600 Aktien des Autobauers.

"Um eine mögliche Verjährungsfrist nicht verstreichen zu lassen, wird das Land für den Versorgungsfonds nun Klage vor dem zuständigen Landgericht Braunschweig erheben", teilte das Finanzministerium weiter mit. Einer ersten Berechnung nach könnte sich die Schadenshöhe nach Angaben des Ministeriums auf etwa 400.000 Euro belaufen.

Hessen hatte bereits im August mitgeteilt, es prüfe eine Klage gegen den Konzern. Das Bundesland hat den Angaben zufolge bis zum Bekanntwerden der Abgasaffäre VW-Aktien gehalten. Sie waren Teil eines Anlagepakets für die Versorgungsrücklage des Landes. Rund 2,2 Prozent des Aktienanteils seien betroffen gewesen. Die Klagen soll beim Landgericht Braunschweig eingereicht werden.

Anfang August hatte Bayern angekündigt, Volkswagen wegen der Folgen des Abgasskandals auf Schadensersatz zu verklagen. Wie andere klagende VW-Anleger geht Bayern davon aus, dass der Konzern zu spät über die Risiken des Betrugs informiert hat. Die VW-Aktie Chart zeigen war nach Bekanntwerden des Skandals vor einem Jahr auf Talfahrt gegangen. Volkswagen hatte bislang alle Anlegerklagen als unbegründet zurückgewiesen und betont, man habe alle Mitteilungspflichten ordnungsgemäß erfüllt.

brk/msc/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.