VW-Abgasaffäre US-Staatsanwalt wirft Ex-Chef Winterkorn Vertuschung vor

Mehrere US-Bundesstaaten werfen in einer Klage der Führungsetage von Volkswagen vor, im Abgasskandal Beweise vertuscht zu haben. Genannt wird auch Ex-Chef Winterkorn.

Martin Winterkorn (2015)
DPA

Martin Winterkorn (2015)


Volkswagen drohen wegen des Abgasskandals in den USA weitere Konsequenzen. Der Generalstaatsanwalt von New York stellte am Dienstag in Washington eine Klage mehrerer Bundesstaaten vor, in der "Hunderte Millionen Dollar" an zusätzlichen Strafen für die Wolfsburger verlangt werden.

Der Klage zufolge sollen Dutzende VW-Mitarbeiter und Manager an dem Abgasbetrug beteiligt gewesen sein. Auch der frühere Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sei nach übereinstimmenden Medienberichten früh über die Abgasmanipulation informiert gewesen. Winterkorn habe im Frühjahr 2014 von der Existenz einer illegalen Abschalteinrichtung gewusst.

In der Klage bezieht sich Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman unter anderem auf eine E-Mail von Frank Tuch, der damals das Qualitätsmanagement von Volkswagen leitete, an Winterkorn. Darin schreibt Tuch den Angaben zufolge, eine detaillierte Erklärung für die dramatisch hohen Stickoxidemissionen könne den Behörden nicht gegeben werden.

Vorstandsvorsitzender Müller als möglicher Mitwisser

Erstmals eine Teilmitwisserschaft wird auch Winterkorns Nachfolger im Amt des Vorstandsvorsitzenden, Matthias Müller, gegeben. In der Klageschrift ist von einem "H. Müller" die Rede, der bereits 2006 in seiner Funktion als Projektmanager bei Audi zu Kenntnissen über die Diesel-Problematik gelangt sein soll. Ein weiterer leitender Audi-Mitarbeiter habe die Bezeichnung "H. Müller" dem heutigen Volkswagen-Vorstandschef zugeordnet.

Ein Volkswagen-Sprecher wies die Vorwürfe am Dienstag als unbegründet zurück. Sie seien "im Wesentlichen nicht neu". Der Sprecher erklärte: "Wir haben sie in unseren Diskussionen mit den US-Behörden - auf nationaler Ebene und auf Ebene der Bundesstaaten - bereits adressiert." Volkswagen kooperiere mit den US-Behörden.

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, eine illegale Software eingesetzt zu haben. Diese erkennt, ob ein Wagen auf dem Prüfstand steht und hält nur dann die Grenzwerte ein. Im normalen Verkehr auf der Straße ist der Schadstoffausstoß um ein Vielfaches höher. Das Unternehmen ist deshalb mit zahlreichen Klagen und Schadensersatzforderungen konfrontiert.

Volkswagen hatte sich im Juni mit US-Behörden und Privatklägern auf einen 15,3 Milliarden Dollar teuren Vergleich geeinigt, um den Abgasskandal beizulegen. Trotzdem klagen drei US-Bundesstaaten, darunter New York, weiter gegen den Konzern.

asa/sun/dpa/Reuters/AP



insgesamt 42 Beiträge
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_adler_ 19.07.2016
1. Was ist mit den anderen Herstellern?
Was ist eigentlich mit den Betrugsfällen anderer Hersteller geworden? Ich habe so langsam das Gefühl, dass die USA hier extrem bestrafen, wohl um die eigenen Hersteller zu stärken (insbesondere Crysler). Das VW bestraft werden muss, steht außer Frage. Auch muss mir keiner sagen, das Herr Winterkorn von nichts wusste. Zudem stellt sich die Frage, inwieweit selbst die Politik in diese Affäre verwickelt ist, denn die wusste ja auch schon längst von den Unstimmigkeiten der Abgase!
Forums-Geschwurbel 19.07.2016
2.
Zitat von _adler_Was ist eigentlich mit den Betrugsfällen anderer Hersteller geworden? Ich habe so langsam das Gefühl, dass die USA hier extrem bestrafen, wohl um die eigenen Hersteller zu stärken (insbesondere Crysler). Das VW bestraft werden muss, steht außer Frage. Auch muss mir keiner sagen, das Herr Winterkorn von nichts wusste. Zudem stellt sich die Frage, inwieweit selbst die Politik in diese Affäre verwickelt ist, denn die wusste ja auch schon längst von den Unstimmigkeiten der Abgase!
Bei welchem Diesel-Fahrzeug soll Chrysler denn betrogen haben ? Stellen die überhaupt Diesel-PKW her ... oder ging's Ihnen nur um substanzlosen whataboutism ?
tulius-rex 19.07.2016
3. Nicht nur alle anderen Hersteller sondern
Der Oberlobbyist und Chef des Lobbyverbandes VDA Matthias Wissmann steht ebenfalls im Zentrum der fortgesetzten Vertuschung. Ihm und dem gesamten Verband war die Umgehung der Vorgaben längstens bekannt...weiter so, die Politik wird schon nicht reagieren.
paula_f 19.07.2016
4. Haftung in den USA
viele Unternehmen haben in den USA haarstraeubende Erfahrungen machen muessen. Audi mit Automatikgetrieben, Enercon Windraeder usw. Ein deutscher Herstellen von High End Titanfahrradrahmen traut sich aus Haftungsgruenden nicht mehr nach USA mit TTIP will man angeblich dem Mittelstand in den USA den Markt oeffnen - ein Scheinargument spaetestens wenn diese Unternehmen ihre Garatie und Gewaehrlsistungen anpassen bekommen sie kalte Fuesse und liefern nach China.
JerryKraut 19.07.2016
5. Ja was?
"Was ist eigentlich mit den Betrugsfällen anderer Hersteller geworden? Ich habe so langsam das Gefühl, dass die USA hier extrem bestrafen, wohl um die eigenen Hersteller zu stärken (insbesondere Crysler)." Die anderen Hersteller haben in den USA nicht rotzfrech mit Clean Diesel geworben - nach dem Motto "Wir können nix aber uns kann niemand nix!". An dem droht VW jetzt zu ersticken, so wie viele von deren Abgasemissionen Krankgemachte. VW ist in den USA keine ernstzunehmende Konkurrenz für die einheimischen Hersteller oder die Japaner. Wer mal einige Stunden auf einer Interstate unterwegs war weiß das aus eigener Erfahrung. Ein wirklich Clean Diesel hätte VW angeblich zwischen 300-500 Euro pro Wagen mehr gekostet. Leider war das bei deren geringen Margen wohl nicht drin. Jetzt dürften die Margen noch geringer werden, denn sowohl Gewerkschaften als auch Management pochen auf ihre Lohnerhöhungen bzw. fetten Boni. "Apres moi le deluge!" scheint das neue Motto zu sein.
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