SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

25. September 2016, 09:28 Uhr

VW-Abgasaffäre

Winterkorn soll Vertuschung gebilligt haben

Ex-VW-Chef Winterkorn hat offenbar zugestimmt, die Abgasmanipulationen zunächst nicht zuzugeben. Führungskräfte sollten einem Bericht zufolge gegenüber US-Behörden das Problem nur "teilweise" offenlegen.

Offenbar gerät Ex-Volkswagen-Vorstand Martin Winterkorn in der VW-Abgasaffäre wieder stärker unter Druck. Wie die "Bild am Sonntag" ("BamS") schreibt, soll Winterkorn sogar daran beteiligt gewesen sein, die Manipulationen an Dieselfahrzeugen zu vertuschen, nachdem er davon erfahren hat.

Laut Zeugenaussagen informierten VW-Entwickler Winterkorn spätestens am 27. Juli 2015 über die illegale Software, die VW zur Erkennung von Prüfzyklen in Millionen Dieselfahrzeuge verbaut hatte. Aber erst sieben Wochen später machten amerikanische Umweltbehörden den Skandal öffentlich.

Die Zeitung hat jetzt ein Dokument mit dem Titel "Zulassung Diesel USA" veröffentlicht, das auf den 30. Juli 2015 datiert sein soll. Darin heißt es demnach, dass zwei VW-Mitarbeiter "sich mit Herrn Dr. Ayala, Deputy Executive Officer zu einem inoffiziellen Informationsaustausch in den USA treffen". Bei diesem Gespräch solle die "Problematik" aber nur "teilweise" offengelegt werden. Diese "Vorgehensweise", so steht es laut "BamS" in dem Dokument, "wurde am Dienstag, dem 28.7.15 von Prof. Winterkorn bestätigt".

Winterkorn windet sich

Mit dem Wissen von Winterkorn sollte den US-Behörden also nur die halbe Wahrheit gesagt werden. Eine Anfrage der Zeitung ließ Winterkorn dem Bericht zufolge unbeantwortet. Gegenüber der Kanzlei Jones Day, die für VW die Affäre aufarbeitet, sagte er, dass ihm damals nicht klar war, dass es sich um einen kriminellen Betrug handelte. Ansonsten hätte er anders gehandelt.

Laut "BamS" ist es tatsächlich am 5. August 2015 zu dem geplanten Treffen in den USA gekommen. In einem Vermerk vom 6. August schreibt VW-Mann Bernd G. demnach: "Das Gespräch ist positiv gelaufen." Man habe nur eingeräumt, dass die betroffenen Dieselfahrzeuge "nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen". Die Amerikaner hätten "wohlwollend" zur Kenntnis genommen, dass VW an der Motorsoftware arbeitet und diese weiter optimiert. Man erwarte aber "in den weiteren Diskussionen Gegenwind vom technischen Personal" der Amerikaner.

Unter dem Druck der US-Behörden musste der VW-Konzern Wochen später den Betrug einräumen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt daher gegen zahlreiche VW-Mitarbeiter - auch gegen Winterkorn wegen Marktmanipulation.

Wie die Zeitung weiter berichtet, hätten die Ermittler beschuldigten VW-Ingenieuren bereits angeboten, im Falle eines Schuldeingeständnisses mit Bewährungsstrafen und Geldstrafen in Höhe von 100.000 bis 150.000 Euro davon zu kommen. Jedoch lehnten die Verdächtigen ab, da sie sonst den Rechtsschutz durch VW verloren hätten und ihre Anwaltskosten hätten selbst tragen müssen.

Im Video: VW mit Ig-Nobelpreis verspottet

nck

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung