Volkswagen US-Chef von VW wusste seit 2014 von Abgasproblemen

Der US-Chef von Volkswagen wird sich wegen der Abgasaffäre vor dem Kongress verantworten. Laut seiner vorab veröffentlichten Rede wusste Michael Horn bereits seit Anfang 2014 von möglichen Unregelmäßigkeiten der Emissionstests.

US-VW-Chef Michael Horn: "Wir werden mit den Behörden kooperieren"
REUTERS

US-VW-Chef Michael Horn: "Wir werden mit den Behörden kooperieren"


Michael Horn, Chef von Volkswagen in den USA, hat bereits im Jahr 2014 von möglichen Verstößen gegen Emissionsregeln erfahren. Das geht aus seinem vorab veröffentlichten Redemanuskript hervor. Darin heißt es: "Im Frühjahr 2014 wurde ich unterrichtet, dass es mögliche Verstöße gegen Emissionsrichtlinien gibt, die behoben werden können." Ihm sei auch mitgeteilt worden, dass die US-Umweltbehörde EPA verschiedene Strafen für derartige Verstöße verhängen könnte.

Horn muss sich am Donnerstag vor dem US-Kongress wegen der Abgasaffäre bei VW verantworten. Dabei will er auch um Entschuldigung bitten.

"Im Namen unseres ganzen Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland möchte ich eine aufrichtige Entschuldigung anbieten", heißt es in der Stellungnahme. "Wir werden mit allen zuständigen Behörden voll kooperieren." VW übernehme die volle Verantwortung und werde Mittel finden, um seine Kunden zu entschädigen.

Zugleich bat Horn um Geduld - es stehe viel Arbeit bevor, die Aufklärung werde noch dauern. "Wir hatten noch nicht die Gelegenheit, alle Aspekte des Falls zu untersuchen."

VW hatte Mitte September eingeräumt, bei fast einer halben Million Dieselautos durch eine spezielle Software die Emissionstests in den USA ausgetrickst zu haben. Weltweit sollen bis zu elf Millionen Fahrzeuge betroffen sein, in Europa sind es acht Millionen. Die EPA hatte den Skandal öffentlich gemacht.

"Nicht gedacht, dass so etwas bei VW möglich ist"

Horn ist seit Anfang 2014 US-Chef von VW. Bei seiner Anhörung vor dem Kongress wird er den Abgeordneten unter anderem erklären müssen, warum der Rückruf der betroffenen Fahrzeuge erst 2016 beginnen soll. Die Geschehnisse seien zutiefst beunruhigend, sagte Horn. "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei VW möglich ist." Es gehe nun darum, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

In Horns Manuskript ist zudem die Rede davon, dass VW in den USA die Anfrage auf Zulassung der Dieselmodelle von Jetta, Golf, Passat und Beetle für das Jahr 2016 zurückzuziehen werde. Das bedeutet, dass Tausende bereits produzierte und in die USA verschiffte Autos in den Häfen bleiben müssen. Die US-Händler dürften große Verluste machen, jeder dritte verkaufte VW ist ein Diesel.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass Michael Horn schon 2014 von möglichen Manipulationen wusste. Dies hat er laut seinem Redemanuskript so nicht gesagt. Stattdessen hat er eingeräumt, dass er zu diesem Zeitpunkt von möglichen Verstößen gegen Emissionsregeln erfahren habe.

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