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20. Dezember 2016, 20:58 Uhr

VW-Dieselaffäre

Konzern einigt sich mit US-Behörden

Volkswagen hat sich im Abgasskandal mit den amerikanischen Behörden auf einen Kompromiss geeinigt. Der Konzern will einen Teil der 80.000 betroffenen 3,0-Liter-Dieselwagen zurückkaufen.

Neuer Anlauf für "Dieselgate"-Vergleich: Nach monatelangem Ringen mit den US-Behörden hat Volkswagen einen Kompromiss für die vom Dieselskandal betroffenen Wagen mit größeren Motoren gefunden. VW habe zugestimmt, Rückkäufe für rund 20.000 3,0-Liter-Fahrzeuge mit illegaler Abgastechnik anzubieten, sagte der zuständige Richter Charles Breyer bei einer Anhörung am Dienstag in San Francisco.

Bei den restlichen Autos solle der Konzern zunächst die Chance zu einer Rückrufaktion erhalten. Sollte die technische Umrüstung scheitern, müssten diese Wagen ebenfalls zurückgekauft werden. Auch mit den Anwälten der betroffenen Kunden wurde laut Breyer eine Einigung in wesentlichen Aspekten erzielt. Der Richter sprach von "substanziellen Entschädigungszahlungen" für die Dieselbesitzer. Einzelheiten sollten bei einer weiteren Anhörung am Donnerstag bekanntgegeben werden.

Breyer hatte Volkswagen zuvor auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Er hatte eine Entscheidung über die von Manipulationen betroffenen insgesamt 80.000 Dieselautos des Konzerns mit 3,0-Liter-Motoren, die von der VW-Tochter Audi entwickelt wurden, immer wieder vertagt. VW musste hierfür eine Einigung mit den Klägern finden, damit dem Konzern auch hier ein Vergleich gelingt.

Teuerster Vergleich in der Automobilgeschichte

Zuvor hatte das Unternehmen bereits für Dieselmodelle mit 2,0-Liter-Motoren, die mit fast 480.000 Wagen den größten Anteil an manipulierten Autos ausmachen, einen Vergleich erreicht. Er wurde teuer für VW. Rund 15 Milliarden Euro kostet diese Einigung mit Behörden und Geschädigten Volkswagen - es ist der teuerste Vergleich in der Automobilgeschichte.

Die Manipulation der größeren Motoren bei Audi war erst später aufgeflogen. Zuvor hatte Audi-Chef Rupert Stadler dies bestritten. Nun muss der VW-Konzern für eine Umrüstung der Modelle oder einen Rückkauf sorgen. Vergangene Woche hatte Richter Breyer dem Vorschlag der Streitparteien in dieser Frage noch nicht zugestimmt und das Thema für VW zur Hängepartie werden lassen.

Die 3,0-Liter-Motoren sind in Audis Luxusmodellen verbaut, wie auch in Geländewagen wie dem Porsche Cayenne und VW Touareg. Die Umrüstung dieser Autos ist aus Sicht von Experten deutlich aufwändiger als bei den kleineren Motoren. Audi hatte zumal eine andere Manipulation angewandt.

VW-Chef Matthias Müller will den Dieselskandal schnell abhaken und Europas größten Autokonzern wieder auf andere Themen fokussieren. Der Umbau des Konzerns ist ein gewaltiges Stück Arbeit, dass er sich vorgenommen hat. Er plant einen Strategieschwenk hin zu Elektroautos, neuen mobilen Dienstleistungen und digitalen Innovationen.

Zugleich steht der Autokonzern in Europa in der Kritik, weil er für europäische Kunden manipulierter Dieselautos lediglich eine Umrüstung anbietet, jedoch keinen Schadenersatz. Anwälte betroffener Kunden fordern zudem Garantien für eventuell später auftretende Leistungseinschränkungen oder einen Wertverlust der betroffenen Fahrzeuge, wenn sie umgebaut worden sind oder ein Softwareupdate erhalten haben. Solche Garantien lehnt VW ab.

Mittlerweile geht VW-Chef Müller öffentlich auf Distanz zu seinen Vorgängern Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch. Er warf ihnen mangelnden Weitblick vor. Beide hätten in den vergangenen zwei Jahrzehnten vieles richtig gemacht. "Aber sie haben ihren Blick letztlich zu wenig in die Zukunft gerichtet, sie waren sehr gegenwartsbezogen", sagte Müller der "Zeit". "Wir haben immer versucht, Herrn Winterkorn davon zu überzeugen, dass er Aufgaben abgeben muss und dass wir uns um die großen Themen Elektromobilität und Digitalisierung entschlossener kümmern müssen."

kig/dpa

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